Volkswagen-Chef Blume will offenbar keine Werke schließen
Stand: 12.07.2026 17:49 Uhr Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume will offenbar möglichst verhindern, dass Werke geschlossen werden. Das sagte er der "Bild am Sonntag". Volkswagen bestätigte dem NDR die Zitate. Der Betriebsrat ist verärgert: Blume habe sich noch immer nicht an die Belegschaft gewandt. Der Konzernchef hatte zuvor ein Ultimatum verstreichen lassen, wie der Betriebsrat mitteilte: Dieser hatte Blume aufgefordert, sich bis Freitag gegenüber der Belegschaft zu äußern, was mögliche Standort-Schließungen angeht. Er habe dies aber lediglich gegenüber dem Management getan. Die "entscheidenden Details" sollen vom Management nicht weitergegeben werden, hieß es in einer Mitteilung des Betriebsrats am Samstag. Dabei gehe es um Fabrikschließungen und "ein massiv ausgeweitetes Stellenabbauziel". Betriebsrat: Immer noch keine Äußerung gegenüber Beschäftigten Nun folgten die Aussagen in der "Bild am Sonntag". Auf Anfrage des NDR reagierte der Betriebsrat pikiert: "Wir haben es zur Kenntnis genommen, dass Dr. Blume sich auch nach Verstreichen unseres Ultimatums immer noch nicht der Belegschaft gegenüber erklärt hat", teilte ein Sprecher mit. "Stattdessen hat er nun der ‚Bild am Sonntag‘ Zitate übermittelt, die keinerlei Klarheit bringen und so alles nur noch schlimmer machen." Für Zehntausende Menschen, die am Volkswagen-Konzern hingen, darunter ganze Regionen, sei "inzwischen eine schwer erträgliche Situation entstanden". "Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen" Der Zeitung hatte Blume gesagt: "Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen." Das Sparprogramm an den Standorten wirke bereits, wird Blume zitiert: "Unsere Fabrikkosten in Deutschland konnten wir allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 Prozent verbessern. Ein starker Fortschritt." Zudem gebe es einen "Verkaufsboom" bei Elektrofahrzeugen: "Von unserer neuen Einstiegsfamilie um den ID. Polo haben wir über 50.000 Autos in den ersten vier Wochen verkauft." Volkswagen sei "klarer Marktführer in Europa". Volkswagen hat Zitate aus der "Bild am Sonntag" gegenüber dem NDR bestätigt. Kommentieren will der Autobauer den Bericht aber nicht - ähnlich äußerte sich die IG Metall und auch die niedersächsische Landeregierung. Schwope: Verluste "schon sehr extrem" Den Optimismus teilen Automobilexperten nicht unbedingt, trotz der europäischen Marktführerschaft bei Elektrofahrzeugen. "Im zweiten Quartal sah es wirklich sehr schlecht aus, weltweit minus 9 Prozent", sagte Analyst Frank Schwope am Freitag zu NDR Niedersachsen. "In China, dem wichtigsten Markt, minus 37 Prozent. Das ist schon sehr extrem. Die letzten Monate sind wesentlich schlechter geworden." Im Aufsichtsrat mit Sparpaket gescheitert Die am Sonntag veröffentlichten Äußerungen Blumes kommen wenige Tage nach der VW-Aufsichtsratssitzung am Donnerstag, bei der Blume einem Medienbericht zufolge mit einem weitergehenden Sparpaket gescheitert sein soll. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung", die sich auf Konzernkreise beruft, stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen gegen das Paket. Nach Aufsichtsratssitzung: Keine konkrete Ankündigung zu Schließungen und Stellenabbau Der Betriebsrat erwartet, dass Blumes Aussagen am Montagmorgen ins Intranet gestellt werden - "in der Annahme, damit sei doch alles erklärt. Was die Beschäftigten von seiner bisherigen Kommunikationsstrategie halten, werden die Betriebsversammlungen nach der Sommerpause verdeutlichen." Die Sommerpause endet am 7. August. Dann will der Betriebsrat die Versammlungen einberufen. Dort solle Blume gegenüber der Belegschaft "Rede und Antwort" stehen. Hintergrund der Aufforderung ist auch hier das Treffen des VW-Aufsichtsrats. In einer Mitteilung sprach der Konzern anschließend zwar von Änderungen und Einschnitten. Allerdings kamen darin keine konkreten Ankündigungen zu Werksschließungen und einer möglichen Ausweitung des Stellenabbaus vor. Dieses Thema im Programm: NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.07.2026 | 12:00 Uhr und NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.07.2026 | 10:00 Uhr