Volkswagen: Vier deutsche VW-Werke könnten schließen - 40.000 Jobs in Gefahr
Für Volkswagen geht es nun um alles. Bei Deutschlands größtem Autobauer droht die Schließung von bis zu vier Werken. Betroffen sind bis zu 40.000 Mitarbeiter allein an den VW-Standorten in Niedersachsen und Sachsen. Weltweit drohen bei Volkswagen bis zu 100.000 Jobs wegzufallen. Der Aufsichtsrat will am Donnerstagnachmittag über die drastischen Sparpläne beraten. Im Bundestag ist zeitgleich eine Debatte über die Autokrise angesetzt. Bislang hält sich die Bundesregierung mit Kommentaren zurück. Die IG Metall startete am Donnerstagmorgen bundesweite Proteste. Die Pläne für Werksschließungen nehmen konkrete Formen an. Das Aus für vier Werke sei bis 2034 vorgesehen, die Produktion in den Fahrzeugwerken in Zwickau und Emden solle in fünf Jahren auslaufen, berichtet das Magazin „Spiegel“ unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Das Nutzfahrzeugwerk in Hannover solle 2032 folgen, das Audi-Werk in Neckarsulm 2034. VW wollte sich dazu nicht äußern. In den vier Fabriken arbeiten rund 40.000 Menschen. Das „Manager Magazin“ hatte zuletzt von bis zu 100.000 gefährdeten Stellen weltweit berichtet. Volkswagen hat über 600.000 Beschäftigte. „Wir werden auch Überkapazitäten abbauen müssen“, teilte ein VW-Sprecher vor der Aufsichtsratssitzung mit. Konzernchef Oliver Blume will den Konzern wettbewerbsfähiger aufstellen. VW hatte vor mehreren Jahren alles auf die Karte E-Mobilität gesetzt, doch die läuft nicht so stark an wie erwartet. Konkurrenten vor allem aus China setzen dem Konzern massiv zu. „Volkswagen hat die Dynamik der Transformation und den Wettbewerbsdruck in China und künftig in Europa völlig unterschätzt“, sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM), unserer Redaktion. „Hinzu kommt, dass das Geschäftsmodell Export – gerade im Hinblick auf die USA – nicht mehr funktioniert.“ Die Auslastung der Werke in Deutschland sei zu niedrig, die Arbeitskosten im Europa-Vergleich seien zu hoch. „VW handelt seit Jahren in Deutschland nach dem Muster der nachlaufenden Untersteuerung – man saniert immer ein bisschen, aber zu wenig, um das Problem nachhaltig zu lösen“, so Bratzel, „radikale Schritte sind notwendig.“ Eine Zustimmung zu dem Sparplan am Donnerstag gilt als äußerst unsicher. Für Werksschließungen ist im Aufsichtsrat eine Zweidrittel-Mehrheit notwendig. Die Arbeitnehmerseite um IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo wertete die Pläne als unverantwortliche Drohung und kündigte massiven Widerstand an. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) lehnte Werksschließungen ab und forderte eine europäische Strategie gegen den Preisdruck aus China. Gegen Niedersachsen und die IG Metall kann der Vorstand im Aufsichtsrat nichts ausrichten. Um den Widerstand Niedersachsens zu umgehen, steht auch die Option im Raum, die Kernmarke VW auszugliedern und so das VW-Gesetz de facto auszuhebeln. Volkswagen hatte schon Ende 2024 den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland und das Ende der Autofertigung in Osnabrück und Dresden beschlossen. Seither hat sich die Lage weiter verschärft. Im ersten Quartal 2026 lag die operative Rendite bei 3,3 Prozent. Neben dem Absatzeinbruch in China belasten die Zölle von US-Präsident Donald Trump den Konzern dem „Spiegel“ zufolge mit fünf Milliarden Euro pro Jahr. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte zuletzt, die Regierung arbeite an einer besseren Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Unionsfraktionsvize Sepp Müller erteilte allerdings Eingriffen der Bundesregierung eine Absage. „In der sozialen Marktwirtschaft setzt die Politik die Rahmenbedingungen“, sagte Müller unserer Redaktion. „Genau das tut die Bundesregierung mit Sonderabschreibungen für E-Autos, dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Korrektur des Verbrennerverbots“, so der CDU-Wirtschaftspolitiker. „Wie Volkswagen seine Unternehmensstrategie ausgestaltet, liegt allein in der Verantwortung des Managements.“ Der SPD-Wirtschaftspolitiker Sebastian Roloff forderte das Management zur Zusammenarbeit mit den Beschäftigten auf. „Wir erwarten jetzt auch kluge Strategien der Unternehmen, die gemeinsam mit den Beschäftigten und ihren Interessensvertretungen erarbeitet werden, ohne Angriffe auf das VW-Gesetz oder die Mitbestimmung“, sagte Roloff. „Mit den Verbesserungen bei elektrischen Dienstwagen, der Kaufprämie für E-Autos sowie der Verlängerung der Kfz-Steuerbefreiung für diese und der Mautbefreiung von E-Lkws, hat die Koalition wichtige Weichen für die Transformation gestellt.“