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Volkswagen: VW droht der Absturz in China - mit Folgen für den Standort

Wirtschaft

Das E-Auto ID. UNYX 08 wird im VW-Werk Hefei in der chinesisichen Provinz Anhui gebaut. Mit neuen Modellen wie diesem will VW in China wieder Boden gutmachen. Foto: REUTERS

Autobauer: Volkswagen droht der Absturz in China – mit Folgen für den Standort

Volkswagen verkaufte in China in diesem Jahr bislang 600.000 Autos weniger als im Vorjahr. Der Konzern verspricht Besserung. Doch ein Abgleich von Plan und Realität zeigt, wie unrealistisch diese Versprechen sind.

Volkswagen verliert in China stark an Absatz

VW plant bis 2030 einen Absatz von 2,7 Millionen Autos in China, doch der aktuelle Trend zeigt lediglich 1,9 Millionen als realistische Zahl in diesem Jahr

Der chinesische Automarkt schrumpfte um 22 Prozent, VW verliert aber mit 31 Prozent deutlich stärker als der Markt. VW bleibt ein Verbrenner-Marktführer in China, doch dieser schrumpft um 32 Prozent und E-Autos fallen dort nur um 12 Prozent

Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.

DeutlichDeutlich wie selten zuvor zeigen die jüngst veröffentlichten Zahlen des Volkswagen-Konzerns, wie vertrackt die Lage dort ist. Und zwar nicht wegen der Verkäufe in Europa, die etwas im Plus sind; nicht wegen Nordamerika, wo trotz der hohen Zölle auf Exporte aus Europa und eines wegbrechenden E-Auto-Markts nur ein Minus von vier Prozent steht; erst recht nicht wegen Südamerika, wo der Konzern wächst und damit das Minus im Norden des Kontinents fast ausgleichen kann. Was VW zunehmend gefährdet, ist das China-Geschäft, das sich trotz Milliardeninvestitionen in neue Modelle partout nicht erholen will.

Rund 600.000 Autos weniger als im Vorjahreszeitraum hat der Konzern in den ersten neun Monaten dieses Jahres dort abgesetzt. Das entspricht fast dem gesamten Konzernabsatz in Nordamerika (USA, Kanada und Mexiko). Volkswagen hat gleichermaßen einen halben Kontinent verloren – in neun Monaten. Noch ist China mit einem Absatz von 1,4 Millionen Autos zwischen Januar und September das wichtigste Land für den Konzern. Aber es ging in diesem Jahr um 31 Prozent abwärts.

Kann es sein, dass das so weitergeht? Dann wäre China in drei Jahren für VW fast komplett verloren. Für den Konzern hätte das dramatische Folgen: Ohne maßgebliches China-Geschäft wäre VW nur noch ein Schatten seiner selbst, könnte sich viele Stellen und Investitionen in Deutschland nicht mehr leisten.

Rettung von Volkswagen

VWs gefährlich optimistischer Plan für China

Der Sanierungsplan des VW-Vorstands basiert auf der Annahme, dass der Konzern in China endlich mit seinen E-Autos durchstartet. Aber ist das überhaupt realistisch? von Annina Reimann, Henryk Hielscher, Martin Seiwert und weiteren

VW glaubt noch an den Turnaround. Ende der Dekade plant der Konzern mit einem Absatz von 2,7 Millionen Autos in China, wie aus einem der WirtschaftsWoche vorliegenden Plan des Konzernvorstands hervorgeht. Doch die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird immer größer. Ein Absatz von 2,7 Millionen Autos entspräche den Verkäufen des vergangenen Jahres. Schreibt sich hingegen der Trend aus den ersten neun Monaten fort, schafft VW in diesem Jahr jedoch nur einen Absatz von 1,9 Millionen Autos.

VW verliert in China

Was im Umkehrschluss heißt: Um wieder die 2,7 Millionen zu erreichen, müsste der Konzern in den kommenden drei Jahren in China jährlich deutlich wachsen, um durchschnittlich 13 Prozent. Ist das realistisch in einem Markt, der erstens in einer tiefen Krise steckt und in dem zweitens Dutzende chinesische Anbieter sich gegenseitig und den ausländischen Anbietern das Leben schwer machen? Die neusten Absatzzahlen sagen: nein.

Der chinesische Automarkt schrumpfte im laufenden Jahr um 22 Prozent. Dieses Argument führt VW häufig als Entschuldigung an, wenn es um den Absatzeinbruch des Konzerns in China geht. Doch zur Wahrheit gehört auch: VW verliert mit 31 Prozent deutlich stärker als der Gesamtmarkt.

Der Grund dafür ist ebenso banal wie folgenschwer: Volkswagen ist in China ein Champion der automobilen Vergangenheit. Mit Verbrennern wurden die Marken VW und Audi dort groß, sogar Marktführer. Doch dieses Segment verliert in China nicht nur an Bedeutung, es implodiert regelrecht. Um 32 Prozent sanken die Verkaufszahlen im laufenden Jahr bergab. Auch die New Energy Vehicles (NEV; reine E-Autos, rein elektrisch nutzbare Plug-in-Hybride) laufen wegen der wirtschaftlichen Lage schlecht, doch der Rückgang dort beträgt „nur“ 12 Prozent.

Ende der Dekade sollen in China laut staatlichem Fünfjahresplan mindestens 70 Prozent der verkauften Autos NEV sein. Doch so schnell, wie der Umbruch gerade vonstattengeht, könnte dieses Ziel schon 2027 erreicht werden. Selbst Volkswagen rechnet mit einem NEV-Anteil von über 80 Prozent bis Ende des Jahrzehnts.

Was aber wird aus Volkswagen in einem fast ausschließlich elektrischen Markt? Die Wolfsburger wissen, dass sie sich rasant verändern und bei E-Autos in China Fuß fassen müssen, wollen sie dort künftig überhaupt noch eine maßgebliche Rolle spielen. Zehn Prozent NEV-Anteil am eigenen Absatz lautet deshalb das Ziel für das laufende Jahr, 40 Prozent im Jahr 2027 und 70 Prozent zum Ende des Jahrzehnts.

Das sind die Werte, die nötig wären – nicht aber die, die erreichbar erscheinen. 2025 lag der NEV-Anteil von VW in China bei gerade einmal fünf Prozent. In diesem Jahr läuft es nicht besser: Von Januar bis September verkaufte VW nur 3,5 Prozent rein elektrische Autos in China. Bei teilelektrischen Autos wie Plug-in-Hybriden oder Range-Extender-Fahrzeugen sieht VW ein Wachstum, allerdings auf sehr niedrigem Niveau.

Um das Blatt in China zu wenden, schickt VW dort bis 2030 nicht weniger als 50 neue Modelle ins Rennen, 20 davon im laufenden Jahr, weitere 30 in den folgenden Jahren. Doch obwohl schon zehn der neuen Modelle im Markt sind und Audi 2025 weitere Modelle an den Start brachte, gehen die Zahlen in die falsche Richtung: Die NEV verloren in den ersten neun Monaten im Gesamtmarkt 12 Prozent an Umsatz, bei VW brach diese Zahl um 43 Prozent ein.

In den kommenden Monaten werden sich bei VW alle Augen auf das Geschäft von VW-China-Chef Ralf Brandstätter richten. Der 57-Jährige war Chef der Marke VW und wurde als möglicher Konzernchef gehandelt, als er 2022 nach China ging. Hätte er dort die Trendwende geschafft, würde er heute sicher zu den heißen Kandidaten gezählt.

Doch auch vier Jahre nach seinem Antritt in Peking zeigen die Zahlen des Konzerns unverändert nach unten. Das gefährdet inzwischen Brandstätters Job – und den vieler tausend Kollegen in Deutschland.

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