DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,02 % 64.323,00 USD 08:09:33 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Vom Vorzeigeprojekt in die Insolvenz

Wirtschaft

Im ehemaligen Karstadt-Gebäude an der Karl-Marx-Straße entstand mit dem KALLE Neukölln ein neuer Treffpunkt für den Bezirk, im Erdgeschoss eröffnete im September 2025 die „KALLE Halle“. Nur acht Monate später hat deren Betreibergesellschaft Insolvenz angemeldet. © Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT ANZEIGE Das KALLE Neukölln steht für einen der ambitioniertesten Umnutzungsversuche Berlins. Das Gebäude an der Karl-Marx-Straße eröffnete 1971 als Kaufhaus, von 2001 bis 2019 beherbergte es eine Karstadt-Filiale und galt nach deren Schließung als Problemstandort. Statt das Haus abzureißen, entwickelte die Maruhn Real Estate Investment GmbH ab 2019 für rund 200 Millionen Euro ein neues Nutzungskonzept, das den alten Kaufhauskörper mit dem angrenzenden Parkhaus zu einem Komplex von rund 40.000 Quadratmetern verband. Anstelle des klassischen Einzelhandels zogen Bildung, Büros, Kultur und Gastronomie ein. Die Code University siedelte sich mit rund 500 Studierenden an, dazu kamen der Plattenladen Rough Trade, Coworking-Flächen, ein Edeka im Untergeschoss sowie Kreativräume und Veranstaltungsflächen. Das erklärte Ziel: ein öffentlich zugänglicher Kieztreffpunkt, der den ganzen Tag über belebt ist und Neukölln langfristig stärkt. Zur offiziellen Eröffnung im September 2025 kam sogar Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und würdigte das Projekt als positives Signal für den Bezirk. ANZEIGE Kalle Halle als kulinarisches Herzstück Den gastronomischen Kern des Komplexes bildete die KALLE Halle, ein Food Market auf rund 2.300 Quadratmetern im Erdgeschoss. Nach einem Soft Opening im April 2025 folgte im September 2025 die offizielle Eröffnung. Geplant waren zwölf kuratierte Restaurants und zwei Bars mit insgesamt 660 Sitzplätzen, zum Start waren zunächst sieben Restaurants in Betrieb. Hinter dem Konzept stand der New Yorker Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Martin Barry, der zuvor bereits den Manifesto Market realisiert hatte. Barry beschrieb sein Ziel als einen Ort, der sich weniger nach Konsum als nach Gemeinschaft anfühlen sollte. Tatsächlich entwickelte sich die Halle nach eigenen Angaben schnell zu einem Treffpunkt für Nachbarschaft, Familien und Berlins kreative Szene. ANZEIGE Food Hall an der belebten Karl-Marx-Straße: Insolvenzantrag nach weniger als einem Jahr Trotz dieser Bilanz meldete die Kalle Halle GmbH im Juli 2026 Insolvenz an. Vorausgegangen war die Kündigung des Mietvertrags durch den Eigentümer Maruhn Real Estate Investment. Nach Angaben des Center Managements des KALLE Neukölln sei der frühere Betreiber der KALLE Halle seinen vertraglichen Verpflichtungen über einen längeren Zeitraum nicht nachgekommen. Der Betreiber erklärte gegenüber HOGAPAGE, man habe kein reines Vermietungsgeschäft betrieben, sondern ein Ökosystem für unabhängige Gastronomiebetriebe aufbauen wollen. Ein solches Modell brauche jedoch Zeit, um sich zu stabilisieren, und diese Zeit habe schlicht gefehlt. Gastgewerbe auch in Berlin unter Druck : Branchenkrise als Hintergrund Die Kalle Halle GmbH ordnete ihre Insolvenz in eine breitere Krise des Gastgewerbes ein. Patrik-Ludwig Hantzsch von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform erklärte gegenüber HOGAPAGE, Pandemie, Energiekrise und Inflation hätten die Branche über Jahre belastet und zahlreiche Betriebe zur Aufgabe gezwungen. Nach Angaben der Kalle Halle GmbH schlossen allein zwischen 2024 und 2025 rund 24.500 Restaurants, Gaststätten und Bars in Deutschland. ANZEIGE Berlin treffe diese Entwicklung besonders hart, begründet durch steigende Mieten, sinkende Besucherzahlen und hohen Leerstand bei Gewerbeimmobilien. Wie es für die Restaurantpartner und die Fläche im Erdgeschoss weitergeht, ist derzeit offen. Für das KALLE Neukölln, das als Beispiel gelungener Transformation gefeiert wurde, ist die Insolvenz seines kulinarischen Herzstücks ein empfindlicher Rückschlag. Quellen: Kalle Halle GmbH/SAKL, Creditreform, Maruhn Real Estate Investment GmbH, HOGAPAGE

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