Von Wegen Lisbeth in der Provinz - Kleinstadtkinder locken Pop-Größen
Stand: 23.08.2026 08:06 Uhr
Gerade mal rund 40.000 Einwohnende hat das niedersächsische Meppen. Seit mehr als zehn Jahren organisieren hier Jugendlichen ein Musikfestival. Provinziell ist dabei gar nichts. Inzwischen holen sie bekannte Bands nach Meppen - so auch in diesem Jahr.
von Anna Niere
Beim Kleinstadtfestival ist der Name Programm. Seit 2013 findet es im niedersächsischen Meppen statt, inzwischen kommen dafür Bands, die weit über die Region hinaus bekannt sind. Madsen, Leoniden oder wie in diesem Jahr Von Wegen Lisbeth und Raum27.
Für eine ländlich geprägte Region wie das Emsland ist dieses Festival ein wichtiges Kulturgut - besonders für junge Menschen. Denn die organisieren das Festival auch: die Kleinstadtkinder, ein Team des städtischen Jugend- und Kulturzentrums Meppen JAM. Mehr als 100 Jugendliche und junge Erwachsene engagieren sich nach Angaben der Veranstalter inzwischen ehrenamtlich für die Gruppe.
Selbst Deko und Merch gestalten die Jugendlichen
Entstanden ist das Ganze aus einer Umfrage. 2012 wollte die Stadt von den Jugendlichen wissen, was ihnen in Meppen fehlt. Eines der Ergebnisse: Sie wollen mitentscheiden und mitgestalten. Die Idee der Kleinstadtkinder war geboren. Ihre Aufgaben am Festivalwochenende: Einlasskontrolle, Backstageeingänge bewachen, Merch verkaufen und die Bühnen koordinieren. Aber auch Technik und Bandbetreuung gehören dazu. "Die Jüngsten kümmern sich bei uns immer um den Merch – vom Design bis zum Verkauf auf dem Festival", sagt JAM-Leiter Karsten Streeck. Er begleitet die Jugendlichen seit dem ersten Kleinstadtfestival 2013.
Das Prinzip: Die Erwachsenen unterstützen lediglich. Oft sind es auch Familien, die alle zusammen anpacken. So auch Familie Sur: Vater Stefan kümmert sich um den Einlass, Mutter Nadine verkauft Getränke, Sohn Fabian hilft bei der Essensausgabe für die Helfer und Tochter Thea verkauft Merch. Sie ist mit 12 Jahren die jüngste Helferin. Schon als kleines Kind war sie dabei, in diesem Jahr darf sie zu erstem Mal mithelfen.
Neben großen Bands auch lokale Künstler
Selbst beim Booking haben die Jugendlichen Mitspracherecht. "Die Headliner buche ich meist schon ein Jahr vorher, aber wir besprechen das immer im Team und schauen vor allen bei den lokalen Bands recht demokratisch, welche am meisten begeistert", so Streeck. Eine dieser lokalen Künstler war in diesem Jahr Zanji, ein Rapper aus der Nachbarstadt Lingen.
Zusätzlich gibt es noch einige Kriterien, die Karsten Streeck beim Booking beachtet: "Wir müssen immer schauen, dass es den normalen Meppener auch begeistert. Der muss hier mit dem Bier in der Hand stehen und sich denken: 'Ich kenne die Band zwar nicht, aber ich finde es gut.' Und dann wollen wir natürlich auch noch ein paar Leute von weiter weg begeistern, nach Meppen zu kommen."
Heimspiel für Meppener Kulturbegeisterte
Die Idee scheint aufzugehen. Einige Besucherinnen und Besucher sind aus Osnabrück und Münster ins Emsland gekommen, der Großteil aber sind Meppenerinnen und Meppener. Sie schätzen vor allem die familiäre Atmosphäre des Festivals mit seinen 4.500 Besuchern. Die jüngeren Fans in der ersten Reihe hingegen fiebern den Band entgegen.
Einige von ihnen warten seit nachmittags ganz vorne auf die Auftritte am Abend. Sie tragen Shirts mit dem Aufdruck Raum27. Als die Bremer Band auf die Bühne tritt, kommt Bewegung in die Reihen, die Gesichter strahlen, Lieder werden mitgesungen, der Rhythmus fährt in die begeisterten Körper. Für Karsten Streeck sind es genau diese Momente, die seine Arbeit belohnen und an die er sich in den kommenden Abbau-Tagen wieder erinnern wird.