Von wegen Sanktionen: EU-Länder kaufen Rekordmenge an russischem LNG
Am Montag treffen sich die EU-Außenminister erneut zum Foreign Affairs Council (FAC) in Brüssel - dabei sollen neue Sanktionen gegen Moskau beschlossen werden. Doch neueste Zahlen zeigen: Die EU selbst hält sich nicht an ihre Sanktionen, sondern kauft Rekordmengen an Flüssiggas aus dem Yamal-LNG-Terminal in Sabetta in der Arktis. Email Print Herbst, Winter, Sommer – alles gleich. Der Herbst der Reformen war ohne Reform. Der Winter auch. Aber im Frühjahr sollen sie kommen. Versprochen Während die Politik verspricht, stürzt Deutschland ab. NEU – eines kommt: Druck auf kritische Medien. Wir danken unseren Lesern, die mit ihrer Unterstützung unsere Arbeit ermöglichen. picture alliance/dpa | Leonie Asendorpf Die Europäische Union hat aktuell im ersten Halbjahr 2026 einen Rekord bei den Importen von Flüssigerdgas (LNG) aus Russlands Flaggschiff-Projekt Yamal LNG aufgestellt: Nach Daten des Analysehauses Kpler und nach Auswertungen der Umwelt-NGO Urgewald kauften europäische Länder 9,9 Millionen Tonnen aus der sibirischen Anlage – das sind etwa 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit importierte Europa fast die gesamte verfügbare Produktion des Novatek-geführten Werks in der Arktis, berichtet die Financial Times. Laut Schätzungen der NGO Urgewald könnten die europäischen Länder für diese LNG-Menge sechs Milliarden Euro bezahlt haben – trotz aller Sanktions-Vorgaben im bereits fünften Jahr des Krieges in der Ukraine. Die größten Abnehmer des russischen LNG waren Frankreich (3,6 Millionen Tonnen), Belgien (2,9 Millionen Tonnen) und Spanien (2,7 Millionen Tonnen). Besonders auffällig: Spanien steigerte seine Käufe um mehr als 40 Prozent. Der belgische Hafen Zeebrugge fungierte als zentraler Dreh- und Angelpunkt für die spezialisierten Arc7-Eisbrecher-Tanker, die das Gas durch die arktischen Gewässer transportieren. EU-Länder kaufen deutlich mehr LNG aus Yamal als Asien Yamal LNG, 2017 von Russlands Präsident Wladimir Putin persönlich eingeweiht, hat eine Auslegungskapazität von 17,4 Millionen Tonnen pro Jahr und liegt in der russischen Arktis auf der Halbinsel Jamal. Das Projekt ist auf eine kleine Flotte hoch spezialisierter Eisbrecher-Tanker angewiesen. Die Alternative – die Nordostpassage nach Asien – ist länger, wetterabhängiger und logistisch riskanter. Entsprechend fielen die Lieferungen nach Asien im ersten Halbjahr drastisch: um 74 Prozent auf nur noch 500.000 Tonnen. Seit April 2026 verbietet die EU bekanntlich Käufe von russischem LNG unter kurzfristigen Verträgen. Bestehende langfristige Verträge bleiben jedoch bis zum 1. Januar 2027 erlaubt – ab diesem Datum gilt ein vollständiges Importverbot für russisches LNG. Ein Importverbot von Pipeline-Gas soll dann später folgen. Die EU-Kommission hat zudem verordnet, dass europäische Unternehmen russisches LNG ab 2027 auch nicht mehr für den Weiterverkauf außerhalb der EU handeln oder transportieren dürfen. Da muss wohl noch öfter hingeschaut werden. Email Print