Vorwürfe gegen Rettungsdienst Falck in Duisburg
"Wo Fehlverhalten nachgewiesen wurde, hat Falck konsequent gehandelt" - das ist das Fazit einer Untersuchung, die der private Rettungsdienstanbieter selbst beauftragt hat. Eine Anwaltskanzlei befragte dafür aktuelle und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Begonnen wurde die Untersuchung, nachdem der WDR Falck mit den Rechercheergebnissen im Juni konfrontiert hatte. Eine Gruppe von Mitarbeitern soll auf Wache 3 in Duisburg über Monate hilflose Patienten fotografiert und verhöhnt haben. In Einzelfällen sollen diese sogar bewusst gefährdet worden sein.
Kein "systematisches Fehlverhalten"?
Der Untersuchungsbericht bescheinigt dem Rettungsdienst, es gebe "keine Anhaltspunkte für ein systematisches Fehlverhalten von Falck", insbesondere keine Fehler auf höheren Führungsebenen. Doch wie glaubwürdig ist dieses Ergebnis? Und wie unabhängig vom Unternehmen Falck ist die Untersuchung geführt worden?
Update im Fall Falck | Westpol
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5 Min. 27 Sek.. Verfügbar bis 16.10.2028. Von Felix Mannheim.
Noch während die Befragungen der Mitarbeiter liefen, wurde dem WDR von Falcks Kommunikationsberater eine schriftliche Aussage zugeschickt, die von einem früheren Mitarbeiter stammen soll. Diese Aussage habe der Mann "der mit der Aufarbeitung beauftragten Anwaltskanzlei überlassen".
Falck schickt Aussage aus Untersuchung an den WDR
Offenkundig zirkulierte das Dokument, das für die angeblich unabhängige Compliance-Untersuchung gedacht war, also schnell im Unternehmen selbst und wurde an den - externen - Berater weitergegeben. Und an den WDR, ohne jede Schwärzung.
Eine Aufnahme, die zeigen soll, wie das Foto einer Patientin herumgezeigt wird
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In der Aussage bestätigt der frühere Mitarbeiter die wesentlichen Vorwürfe, etwa dass eine Gruppe im Rettungsdienst auf Wache 3 in Duisburg seit 2025 Fotos von hilflosen Patienten herumgezeigt haben soll. Der Kommunikationsberater von Falck versuchte allerdings diese Angaben gegenüber dem WDR in Zweifel zu ziehen und den früheren Mitarbeiter selbst zu belasten.
Auf Anfrage dazu antwortet Falcks Kommunikationsberater diese Woche, das Schreiben sei direkt an die Geschäftsleitung von Falck übermittelt worden. Und, im Widerspruch zu seiner damaligen Aussage: "Es steht nicht, wie von Ihnen dargestellt, im Zusammenhang mit der Compliance-Untersuchung." Dass die Untersuchung nicht unabhängig geführt worden sei, weist Falck zurück.
Ein Beschuldigter unterstützt die Koordinatorin der Wache
Wache 3 in Duisburg
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In dem uns vom Unternehmen selbst zugeschickten Dokument wird auch ein weiterer Mitarbeiter, ein Notfallsanitäter, als Teil der Gruppe benannt, die Fotos gemacht und Patienten verhöhnt haben soll. Auch weitere Zeugen sollen ihn nach WDR-Informationen der Gruppe zugeordnet haben. Doch kurz nach Abschluss der Untersuchung Anfang August wird ausgerechnet dieser Mann von Falck mit der Unterstützung der Wachkoordination auf Wache 3 betraut. So steht es in einer Mail an das Falck-Team in Duisburg, die dem WDR vorliegt.
Falck bestreitet dies nicht, betont aber, dass es lediglich um Unterstützung bei organisatorischen Tätigkeiten gegangen sei. Der Mitarbeiter sei aber "zu keinem Zeitpunkt zum Wachleiter ernannt oder interimsweise mit der Wachleitung bzw. Wachkoordination (…) beauftragt" worden.
Ergebnis: Keine Fehler auf Führungsebene
Die WDR-Recherchen hatten auch öffentlich gemacht, dass Mitarbeiter die Unternehmensführung intern schon im vergangenen Jahr auf die Vorwürfe hingewiesen hatten - ohne dass erkennbar Konsequenzen gezogen wurden.
"Defizite" im Umgang mit Informationen über fragwürdiges Verhalten auf Wache 3 sieht Falck nach Abschluss der Untersuchung aber lediglich "auf Standortebene in Duisburg". Bei der Unternehmensführung, also der übergeordneten Leitung bis hin zur Geschäftsführung des dänischen Groß-Unternehmens in Hamburg, sei "kein bewusstes Wegsehen, keine gezielte Unterdrückung von Hinweisen oder eine Vertuschung oder unzureichende Reaktion auf erhobene Vorwürfe festgestellt" worden.
Geschäftsführer riet, sich an Personalabteilung zu wenden
Dass es ein Schreiben an die Geschäftsführung gab, bestätigt Falck zwar. Dies habe aber keinen konkreten Absender gehabt: "Es ist korrekt, dass die Falck-Geschäftsleitung Ende März 2026 einen anonymen Brief erhalten hat. Vorher lagen der Geschäftsleitung zu den darin enthaltenen Vorwürfen zur Situation auf Wache 3 keine Informationen vor."
Doch laut der WDR-Recherchen hatte ein Mitarbeiter einem damaligen Geschäftsführer schon deutlich früher eine direkte Textnachricht geschrieben und um Hilfe wegen der Zustände in Duisburg gebeten. Der hat dem Mitarbeiter geraten, sich an die Personalabteilung zu wenden. Falck hat dies bestätigt und betont, dass der Hinweisgeber sich danach nicht zurückgemeldet habe.
Abmahnung von der Stadt Duisburg
Die Stadt Duisburg hat den Rettungsdienst inzwischen abgemahnt, weil sie findet, dass Falck sie zu spät über die Vorwürfe informiert hat und damit gegen eine bestehende Einbindungsvereinbarung verstoßen habe. Die Stadt sagt, sie sei erst im Mai 2026 erstmals über "interne Gerüchte bezüglich Anfertigung von Fotodokumenten" informiert worden, obwohl der Geschäftsführer, so die Stadt, in diesem Gespräch eingeräumt habe, dass es bereits "seit Oktober 2025 Gerüchte im Unternehmen über etwaige Verfehlungen gebe".
Ein Insider berichtet dem WDR
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Doch Falck bleibt dabei - keine Fehler auf höheren Führungsebenen. Diese Woche schreibt uns das Unternehmen: "Auch im Oktober 2025 lagen der Geschäftsleitung keine konkreten Vorwürfe vor." Das Problem habe beim damaligen Standortleiter Duisburg gelegen. Ihm hätten Beschwerden und auch Bildmaterial vorgelegen. "Eine Weiterleitung dieser Informationen an die zuständigen übergeordneten Stellen ist jedoch nicht erfolgt."
Die Gesprächspartner, die dem WDR von den Vorgängen auf der Wache berichtet und diese auch eidesstattlich versichert hatten, berichten von einer feindseligen Stimmung auf der Wache. Als Störenfried habe dort gegolten, "wer die Wahrheit sagt". Wer sich mit Missständen an die Firma wandte, habe lange keine Unterstützung bekommen.
Mittlerweile weitere personelle Konsequenzen
"Auf der Wache 3 in Duisburg gab es weitere personelle Konsequenzen. Zu konkreten Personen und individuellen arbeitsrechtlichen Maßnahmen äußern wir uns aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht", heißt es nun von Falck. Bekannt war zuvor bereits, das zwei Beschuldigte die Wache verlassen hatten. Zudem will das Unternehmen durch eine Rotation von Mitarbeitern und "gezielte Reflexion von Gruppennormen" sicherstellen, "dass problematische informelle Strukturen künftig frühzeitiger erkannt und aufgebrochen werden".
Die Stadt Duisburg dagegen sieht den Rettungsdienst offenbar weiter unter Beobachtung: "Eine Kündigung (des Vertragsverhältnisses, Anm. d. Redaktion) käme insbesondere dann in Betracht, wenn beanstandete Verstöße trotz Abmahnung nicht abgestellt werden bzw. es zu weiteren entsprechenden Pflichtverletzungen kommt."
Unsere Quellen:
exklusive WDR-Recherchen
Gespräche mit Insidern aus dem Falck-Team
Antworten des Unternehmens Falck bzw. von Falcks Kommunikationsberater
Antwort der Stadt Duisburg auf eine IFG-Anfrage des WDR
Sendung: WDR.de, 18.10.2026, 05:00 Uhr