Voyager 2: Nasa sichert Überleben mit Big
Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat durch einen massiven Eingriff in die Systeme der Raumsonde Voyager 2 deren wissenschaftliche Mission zunächst gesichert. Das von den Verantwortlichen intern „Big Bang“ getaufte Manöver bestand darin, veraltete und stromfressende Systeme abzuschalten, um die schwindenden Energiereserven zu schonen. Ohne diese Maßnahme hätten die Ingenieur:innen des Jet Propulsion Laboratory (JPL) im US-amerikanischen Pasadena noch in diesem Jahr eines der letzten drei funktionierenden Messinstrumente dauerhaft deaktivieren müssen. Durch das gezielte Abschalten einzelner Verbraucher und den Wechsel auf sparsamere Alternativen kann die Raumsonde jetzt mindestens ein weiteres Jahr wissenschaftliche Daten sammeln. Energiekrise und nuklearer Zerfall bei Voyager 2 Die fast 50 Jahre alte Sonde bezieht ihre Energie nicht aus Solarpanels, sondern aus sogenannten Radionuklidbatterien, die aus dem radioaktiven Zerfall von Plutonium-238 kontinuierlich Wärme gewinnen und diese in Elektrizität umwandeln. Da dieses Material jedoch unweigerlich zerfällt, verliert Voyager 2 pro Jahr rund vier Watt an elektrischer Leistung, was die Energiereserven mittlerweile massiv schrumpfen ließ. Von den ursprünglich zehn wissenschaftlichen Instrumenten an Bord sind aktuell nur noch das Magnetometer, das Plasmawellen-Subsystem und das Messgerät für kosmische Strahlung in Betrieb. Um genau diese empfindliche Sensorik zu erhalten, mussten andere Verbraucher wie Heizungen und alte Aufzeichnungssysteme im Zuge des Eingriffs weichen. Das berichtet Der Standard. Nach dem erfolgreichen Manöver aktualisierte die Nasa auch die Bordsoftware, sodass die neue, sparsamere Konfiguration nun der Standard-Sicherheitsmodus der Sonde ist. Das Risiko des Kältetods im interstellaren Raum Der sogenannte Big Bang war mit enormen Risiken verbunden, weil die Abschaltung bestimmter Systeme die Sonde in der Umgebungstemperatur von rund minus 270 Grad Celsius fast unweigerlich auskühlen ließ. Hätten sich wichtige Treibstoffleitungen durch diesen Temperaturabfall mit Eis zugesetzt, wäre die Sonde nicht mehr steuerbar gewesen und hätte den Kontakt zur Erde für immer verloren. Erschwerend kam hinzu, dass jede Kommunikation mit dem weit entfernten Raumfahrzeug aufgrund der enormen Distanz mit deutlicher Verzögerung (40 Stunden pro Kommando) stattfindet, was ein steuerndes Eingreifen in Echtzeit bei auftretenden Komplikationen unmöglich macht. Das Manöver glich somit einem gefährlichen Blindflug, bei dem die Verantwortlichen auf der Erde nach dem Absenden der Befehle lediglich abwarten und auf die fehlerfreie autonome Ausführung durch den Bordcomputer hoffen konnten. Wissenschaftlicher Wert und die Grenzen der Technik Letztlich erwies sich die riskante Operation jedoch als voller Erfolg, wodurch das Team den unvermeidlichen Verschleiß der betagten Hardware ein weiteres Mal überlisten konnte. Das Vorgehen habe genügend Energie eingespart, um die Datenerfassung mit allen verbliebenen Sensoren fortzuführen, so die Nasa. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nun nicht ungenutzt bleiben, sondern zeitnah bei der noch weiter entfernten Schwestersonde Voyager 1 Anwendung finden. Auch dort zwingt der stetige Energieverlust die Teams am Boden zu unkonventionellen Lösungen, um den drohenden Totalausfall abzuwenden. Obwohl diese Reparaturen aus der Ferne eine beeindruckende Ingenieursleistung darstellen, dokumentieren sie gleichzeitig den unaufhaltsamen Verfall der beiden Sonden. Es ist unbestreitbar, dass der Moment kommen wird, an dem kein technischer Kniff mehr ausreicht und die Instrumente endgültig verstummen. Bis dieser unausweichliche Endpunkt erreicht ist, liefern die Sonden jedoch weiterhin exklusive Daten aus einer Region des Weltraums, in der die Grenze zur Einflusssphäre unserer Sonne weitaus komplexer ist, als es die wissenschaftlichen Modelle ursprünglich vorhergesagt hatten. Jedes zusätzliche Jahr, das durch solche findigen Manöver gewonnen wird, übermittelt den Astrophysiker:innen Messwerte, die ohne diese historischen Missionen schlichtweg nicht existieren würden.