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Vuskovic zurück im Training: HSV-Fans feiern gesperrten Verteidiger

Sport

Rückkehr nach 1.404 Tagen

Vuskovic zurück im Training: HSV-Fans feiern gesperrten Verteidiger

Stand: 15.09.2026 20:20 Uhr

Mitten in der schwersten sportlichen Krise seit seiner Bundesliga-Rückkehr hat der HSV am Dienstag den wegen Dopings gesperrten Mario Vuskovic zurück im Training begrüßt. Mehrere Tausend Fans jubelten dem Verteidiger im eigens dafür geöffneten Volksparkstadion zu. Direkt helfen kann er den angeschlagenen Hamburgern aber noch nicht.

von Tobias Knaack

"Vuskovic, Vuskovic, Vuskovic", hallte es um 15.17 Uhr durch die Arena, kurz nachdem die Mannschaft unter dem Beifall der Anhänger auf der Nordtribüne den Rasen betreten hatte.

Seine Teamkollegen schoben den Kroaten in Richtung des Stehplatzbereichs, wo viele Trikots und Fahnen mit seiner Nummer 44 sowie Spruchbänder mit "Free Vuskovic" zu sehen waren. Auf einem Banner stand in Kroatisch: "Die Reise war lang, doch das Ziel rückt näher. Willkommen zurück, Mario".

Fans und Mitspieler begrüßen Vuskovic zurück

Der mittlerweile 24-Jährige bedankte sich mit aneinandergelegten Händen und einer angedeuteten Verbeugung vor den Fans, ehe er als "Neuer" das obligatorische "Aufnahmeritual" über sich ergehen lassen musste: einen Lauf durch das Spalier seiner Teamkollegen, die ihm einen kleinen Klaps auf den Nacken gaben.

Damit stand der Kroate, dessen Ballkontakte von den Fans auf der gut gefüllten Nordtribüne frenetisch beklatscht wurden, nach 1.404 Tagen wieder mit seinen Teamkollegen auf dem Platz - auch wenn er von damals nur noch Bakery Jatta, Miro Muheim und Daniel Heuer-Fernandes kennt.

Muheim, der in der Umkleidekabine neben dem Kroaten sitzt, freute sich nach der Einheit über dessen Rückkehr: "So ein Erlebnis macht dich kaputt oder es macht dich stärker. Ich bin überzeugt davon, dass es ihn stärker gemacht hat." Finanzvorstand Eric Huwer nannte den Tag schlicht: "sehr emtional".

Walter, Schonlau und Meffert als Gäste

Von der Tribüne aus verfolgte nicht nur der engste Kreis der Vuskovic-Familie das erste Training des Innenverteidigers mit der Mannschaft nach fast vierjähriger Dopingsperre. Auf der Haupttribüne waren auch alte Weggefährten zu sehen: Ex-Coach Tim Walter sowie die ehemaligen Spieler Sebastian Schonlau und Jonas Meffert, die mittlerweile allesamt bei Holstein Kiel sind.

Blutdopingmittel EPO nachgewiesen

Der HSV hatte sich von Beginn an auf die Seite des Abwehrspielers gestellt, bei dem im Rahmen einer Dopingkotrolle im September 2022 das verbotene Blutdopingmittel EPO nachgewiesen worden war. Cheftrainer Merlin Polzin hatte vergangene Woche gesagt, es gehe darum, Vuskovic nach den vier Jahren "einen wertschätzenden Moment zu geben".

Bei seiner Rückkehr ins Mannschaftstraining am Dienstag sah man den Kroaten immer wieder lachen. Zuvor hatte er im benachbarten Athleticum Leistungstests absolviert - wie auch seine Teamkollegen im Sommer. Vuskovic dürfte fit sein, er hat mit einem Privattrainer gearbeitet.

Das Training am Dienstag war nun für ihn ein erster Schritt zurück in den Profifußball. Seine Sperre endet am 15. November 2026. Dann steht er wieder offiziell als Profi bei den Hamburgern unter Vertrag und ist wieder spielberechtigt - sowohl für Pflicht- als auch für Testspiele. Bis dahin darf er aber nicht an Marketing-Aktionen oder PR-Maßnahmen teilnehmen. Für eine Doping-Kontrolle hingegen könnte er nach NDR Informationen ausgewählt werden.

Bislang letztes Spiel im November 2022

Sein bislang letztes Pflichtspiel für die "Rothosen" hatte Vuskovic am 9. November 2022 bei Greuther Fürth bestritten (0:1). Sechs Tage später hatte der Deutsche Fußball Bund (DFB) ihn vorläufig gesperrt.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte nach Bekanntwerden des Falls Ermittlungen aufgenommen. Dies ist obligatorisch, da der Verdacht besteht, dass mit verbotenen Medikamenten gehandelt wurde. Unter anderem wurden seine Handys und sein Laptop konfisziert.

Strafrechtlich wurde Vuskovic jedoch nicht belangt, Beweise für ein Vergehen fanden die Behörden nicht. Die Staatsanwaltschaft bot ihm an, das Verfahren gegen Zahlung einer fünfstelligen Geldbuße einzustellen. Die Frist dafür ließ der 24-Jährige, der stets seine Unschuld beteuert hatte, jedoch verstreichen. Anschließend wurden die Behörden dann wieder aktiv.

Vier-Jahres-Sperre endet vor Nordderby gegen Werder

Sportrechtlich hatte der Fall schwerwiegende Konsequenzen für den Innenverteidiger. Zunächst wurde er vom DFB für zwei Jahre gesperrt. Im folgenden Berufingsprozess erhöhte der Internationale Sportgerichtshof (CAS) die Sperre auf vier Jahre.

Wenn die Spielsperre von Vuskovic Mitte November endet, könnte der Innenverteidiger ausgerechnet im Nordderby bei Werder Bremen (22. November) theoretisch wieder auflaufen. Für den HSV bestritt er 40 Zweitliga-Spiele, aber noch keine Bundesliga-Partie. Nach dem Fehlstart in die Saison mit drei Pleiten in drei Spielen gilt Vuskovic dennoch unter vielen Fans als Hoffnungsträger. Die Begrüßung am Dienstag im Volksparkstadion untermalte das.

Referenzwerte haben wir dafür nicht. Aber wenn es einer schafft, dann hat er den Namen Vuskovic. HSV-Finanzvorstand Eric Huwer

Ob und inwiefern der ältere Bruder von Luka Vuskovic, der in der Vorsaison als Leihspieler direkt zum Abwehrboss avanciert war und maßgeblichen Anteil am souveränen Klassenerhalt hatte, sportlich dazu in der Lage ist, wird sich vermutlich aber erst im November und Dezember zeigen.

Seine Wiedereingliederung nach einem solch langen Zeitraum ist eine in der Bundesliga noch nie dagewesene Herausforderung. "Die Frage stellt sich natürlich: 'Wie wird ein Spieler auftreten nach vier Jahren?'", sagte Finanzvorstand Huwer. "Referenzwerte haben wir dafür nicht. Aber wenn es einer schafft, dann hat er den Namen Vuskovic." Und für Coach Polzin ist klar: "Er wird schon brennen, wir müssen ihn wahrscheinlich eher etwas bremsen."

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