VW abgehängt: Warum kaufen die Deutschen mit E-Auto-Prämie lieber Tesla oder BYD?
Die neue E-Auto-Prämie der Bundesregierung sollte Deutschlands Autobauern helfen. Doch ausgerechnet Tesla und andere ausländische Hersteller profitieren bislang am stärksten von der Förderung. Darauf deuten zumindest aktuelle Zahlen des Bundesumweltministeriums hin. Demnach wurden beim US-Autobauer Tesla bislang 2086 Autos bezuschusst – bei VW hingegen nur 593. Damit liegt Volkswagen derzeit sogar nur auf Augenhöhe mit den chinesischen Herstellern Leapmotor (613) und BYD (544). Bei BMW wurden mit 451 noch weniger Autos bezuschusst, Mercedes steht sogar gar nicht auf der Liste. Aus Sicht des Autoexperten Frank Schwope ist die Bilanz fatal. „Mit der neuen Prämie stärkt man die ausländische Konkurrenz und erleichtert chinesischen Herstellern den Markteintritt“, sagt der Lehrbeauftragte an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Berlin auf Anfrage der Berliner Zeitung. Bundesregierung hinkt E-Auto-Zielen hinterher Seit Mai können Autofahrer die neue Förderung beantragen – rückwirkend für Käufe ab dem 1. Januar 2026. Sie gilt für Personen mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von bis zu 80.000 Euro und beträgt – je nach Einkommen – zwischen 3000 und 5000 Euro. Bis 2029 stellt die Regierung dafür insgesamt drei Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt bereit. Mit der Prämie wollte die Merz-Regierung den eingebrochenen Absatz von Elektroautos wieder ankurbeln. Nach dem Förderstopp durch die vorherige Ampelkoalition Ende 2024 war der Markt deutlich zurückgegangen. Von den politisch angestrebten 15 Millionen Elektroautos bis 2030 ist Deutschland mit derzeit gut zwei Millionen Fahrzeugen noch weit entfernt. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts sind lediglich 4,1 Prozent der rund 61 Millionen zugelassenen Kraftfahrzeuge vollelektrisch. Neben dem klimapolitischen Ziel hatte sich die Merz-Regierung mit der neuen Prämie auch einen industriepolitischen Hebel erhofft. Die Prämie „kurbelt die Autoindustrie an“, hieß es zum Start des Programms. Bislang fällt die Bilanz jedoch ernüchternd aus. Laut dem Umweltministerium wurden bisher lediglich 53,9 Millionen Euro und damit nur 1,8 Prozent der vorgesehenen Fördersumme ausgezahlt. Zudem profitieren in den ersten Wochen vor allem ausländische Hersteller. Unter den 14 meistgeförderten Marken finden sich lediglich zwei deutsche. Insgesamt wurden bislang 2504 Fahrzeuge von US-Herstellern bezuschusst, auf deutsche Marken entfallen dagegen lediglich 1451 Förderungen. „Das Ergebnis überrascht überhaupt nicht, gerade mit Blick auf die Modellpaletten und die Preisstruktur der Hersteller“, erklärt Autoexperte Schwope. „Scheinbar ist das Angebot ausländischer Hersteller momentan interessanter.“ Deutschen Herstellern fehlten hingegen günstige Angebote in unteren Fahrzeugklassen. Noch deutlicher wird er bei der Bewertung der Förderpolitik. „Die Bundesregierung hat aus der misslungenen Abwrackprämie 2009 nichts gelernt“, kritisiert Schwope. Dudenhöffer kritisiert Prämie: „War ein großer Fehler“ Auch für Ferdinand Dudenhöffer kommt das Zwischenergebnis nicht überraschend. „Es war zu erwarten, dass ausländische Hersteller davon kräftig profitieren und die Deutschen in die Röhre schauen“, sagt der Gründer des Center Automotive Research (CAR) in Bochum. Der Grund liege vor allem in der Konstruktion der Förderung. Weil die Prämie an eine Einkommensgrenze von 80.000 Euro geknüpft sei, würden vor allem günstigere Fahrzeuge bevorzugt. „Eine Familie mit 40.000 Euro Jahreseinkommen kauft sich keinen Mercedes, keinen Porsche und keinen BMW“, so Dudenhöffer. Deutsche Hersteller verkauften ihre Elektroautos allerdings überwiegend in höheren Preisklassen. Mit der Förderung habe die Politik BYD und anderen ausländischen Herstellern deshalb „ein Weihnachtsgeschenk gemacht“. Grundsätzlich hält Dudenhöffer die Förderung ohnehin für den falschen Weg. „Die Prämie war ein großer Fehler“, sagt er. Elektroautos verkauften sich inzwischen zunehmend auch ohne staatliche Zuschüsse, weil die Preise gesunken seien. Zudem hätten manche Hersteller ihre Rabatte nach Einführung der Förderung reduziert. Dadurch entstünden lediglich „Mitnahmeeffekte“. Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Endlich Schluss mit solchen Aktionen.“ Warum Experten die Förderzahlen differenziert bewerten Laut Wulf Schlachter verstärkt die Kaufprämie vor allem Entwicklungen, die bereits vor ihrer Einführung sichtbar waren. „Wenn ein Hersteller bereits starke Privatkundenangebote hatte, wird er durch die Förderung zusätzlich begünstigt“, erklärt der Gründer des Ladeinfrastruktur-Unternehmens DXBe Management auf Anfrage der Berliner Zeitung. Neben dem Preis spielten dabei auch die Verfügbarkeit der Fahrzeuge sowie aggressive Leasingangebote eine wichtige Rolle. Der Experte warnt allerdings davor, die bisherigen Förderzahlen überzubewerten. „Die aktuellen Zahlen sind eher eine Momentaufnahme als ein abschließendes Urteil über die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie“, betont Schlachter. Langfristig werde entscheidend sein, ob deutsche Hersteller ihr Angebot im volumenstarken Einstiegs- und Mittelklassesegment weiter ausbauen. Auch Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) in Geislingen, mahnt zu einer differenzierten Betrachtung. „Das Ergebnis sollte nicht überinterpretiert werden“, sagt er. Die bislang veröffentlichten Zahlen bildeten lediglich die ersten bewilligten Förderanträge bis Ende Juni ab und seien deshalb noch kein belastbares Bild der langfristigen Förderwirkung. Zudem erfasse die Statistik ausschließlich private Käufer innerhalb der Einkommensgrenze von 80.000 Euro. Gewerbliche Zulassungen, Dienstwagen und große Teile des Premiumgeschäfts blieben außen vor. Die Einordnung nach der Herkunft der Hersteller greift aus Reindls Sicht ebenfalls zu kurz. „Nicht die Nationalität der Marke sollte zählen, sondern ihr nachweisbarer Beitrag zu europäischer Wertschöpfung, Beschäftigung und Dekarbonisierung“, betont er. Schließlich produziere Tesla einen Teil seiner Fahrzeuge im brandenburgischen Grünheide, während Škoda zum Volkswagen-Konzern gehöre. Ob sich das bisherige Bild in den kommenden Monaten bestätigt, bleibt offen. Bislang wurde erst ein Bruchteil der insgesamt vorgesehenen Fördermittel ausgezahlt. Die erste Zwischenbilanz zeigt jedoch vor allem eines: Klimapolitik und Industriepolitik lassen sich mit einer einzigen Kaufprämie offenbar nur schwer miteinander verbinden. Lesen Sie mehr zum Thema