VW-Ingenieure in den USA wegen Verdachts auf Insiderhandel angeklagt
Im Raum steht ein mutmaßliches Insiderhandelskomplott, das mit dem Joint Venture des deutschen Automobilherstellers mit der Elektroautofirma Rivian in Verbindung steht. In der am Freitag veröffentlichten Anklageschrift des US-Bezirksstaatsanwalts für den südlichen Bezirk von New York wird beiden vorgeworfen, durch die Nutzung vertraulicher Insiderinformationen mehr als 300.000 Dollar verdient zu haben. Die beiden Ingenieure arbeiteten nach SPIEGEL-Informationen in der Vergangenheit bei der Volkswagen-Tochter Audi, unter anderem als technische Assistenten von Audi-Vorstandsmitgliedern. Die Angeklagten, die laut Anklageschrift zuletzt im Rahmen einer vorübergehenden Entsendung aus Deutschland in den Vereinigten Staaten arbeiteten, sollen demnach ab Mai 2024 Rivian-Aktien und -Optionen gekauft haben. Zuvor hätten sie erfahren, dass der Elektroautohersteller und Volkswagen die Gründung eines Joint Ventures planten, in dessen Rahmen der deutsche Konzern letztlich mehrere Milliarden Euro in das US-Start-up stecken sollte. Intern sei der Plan unter dem Codenamen »Project Climb« gelaufen. Jedoch gaben die Unternehmen ihren Verbund erst später, am 25. Juni 2024, öffentlich bekannt. Zuerst berichtete das Magazin »TechCrunch« über die Anklage. Einer der Angeklagten arbeitete zuletzt sogar für das Joint Venture, der andere für Audi in den USA. Das Gemeinschaftsunternehmen Rivian and Volkswagen Group Technologies (RVT) soll Elektronik und Software für künftige E-Autos der zwei Partner entwickeln. Volkswagen sagte zu, 5,8 Milliarden US-Dollar in Rivian-Aktien zu investieren oder als zinsgünstigen Kredit an den Partner zu geben. Dafür muss das Joint Venture schrittweise bestimmte Meilensteine erreichen. Allein im laufenden Jahr fließen aus Wolfsburg nach SPIEGEL-Berechnungen rund 2,3 Milliarden Euro in das US-Abenteuer. Volkswagen ist mittlerweile der größte Anteilseigner von Rivian. Der Aktienkurs von Rivian stieg nach der ersten Ankündigung im Juni um 23 Prozent. Daraufhin sollen die Ingenieure ihre Rivian-Anteile verkauft haben. Dabei erzielte einer von ihnen laut Anklageschrift einen Gewinn von etwa 250.000 Dollar, der andere etwa 50.000 Dollar und ein nahes Familienmitglied von ihm etwa 12.000 Dollar. Im Internet nach »Verjährungsfrist Insiderhandel« gesucht US-Staatsanwalt Jay Clayton warf den Ingenieuren am Freitag in einer Stellungnahme vor , vertrauliche Informationen ihres Arbeitgebers missbraucht zu haben, um illegale Gewinne zu erzielen. »Wenn Menschen vertrauliche Informationen zu ihrem eigenen finanziellen Vorteil missbrauchen, untergraben sie die Grundsätze, die ein faires und effizientes Funktionieren unserer Märkte ermöglichen«, sagte er. Insiderhandel sei eine Straftat, die Auswirkungen breiteten sich im gesamten Finanzsystem aus und schadeten Anlegern. Den Ermittlern zufolge waren sich die beiden Ingenieure bewusst, dass ihre Handlungen illegal waren. Acht Tage vor der Bekanntgabe des Joint Ventures habe einer von beiden im Internet nach »Verjährungsfrist Insiderhandel« gesucht und ein naher Familienangehöriger des anderen habe in die Internetsuche »Wie wird Insiderhandel strafrechtlich verfolgt?« eingetippt. Der Fall der beiden, die in San José wohnen, wird vor dem US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien verhandelt. Ihnen drohen bei einer Verurteilung wegen Wertpapierbetrugs nach Bundesrecht bis zu 25 Jahre Haft. »TechCrunch« berichtet, Rivian habe eine Stellungnahme abgelehnt und ein Sprecher von Volkswagen mitgeteilt, das Unternehmen habe Kenntnis von der Maßnahme des Justizministeriums. Diese richte sich »gegen bestimmte Personen und beinhaltet keine Vorwürfe gegen das Unternehmen«. Weitere Angaben könnten dazu nicht gemacht werden.