VW streicht rund 50 % der Modelle
Aus für die große Modellvielfalt im VW‑Konzern. Volkswagen zieht bei seiner Neuausrichtung einen deutlich größeren Schnitt als bisher: Der Aufsichtsrat hat den Zukunftsplan 2030 einstimmig gebilligt. Bis 2035 soll die Modellpalette des Konzerns um rund 50 Prozent schrumpfen, die Angebotskomplexität sogar um rund 75 Prozent. Zusätzlich sieht der Plan über bereits laufende Programme hinaus den Abbau von rund 50.000 Stellen weltweit vor. Für Technikinteressierte steckt aber noch ein zweiter Punkt in dem Beschluss: Plattformen, Elektronikarchitekturen, Fahrerassistenzsysteme und Software sollen stärker vereinheitlicht werden.
Weniger Modelle, weniger Varianten – auch bei der Technik
Konzernchef Oliver Blume konkretisierte die Größenordnung bereits vor dem Aufsichtsratsbeschluss: Aus heute rund 150 Modellen sollen langfristig ungefähr 75 werden. Welche Baureihen entfallen, nennt Volkswagen bislang nicht. Klarer ist der Kurs bei der Ausstattung. In einer offiziellen Fragerunde nennt VW mehr als 2.600 heutige Sitzvarianten als Beispiel; künftig sollen davon rund 100 Optionen übrig bleiben. Statt vieler Einzeloptionen sind stärker gebündelte Ausstattungspakete vorgesehen.
VW verspricht sich davon höhere Stückzahlen je Modell, niedrigere Kosten und mehr Skaleneffekte. CFO Arno Antlitz begründet den Schritt mit einer grundlegenden Neuausrichtung des Geschäftsmodells. Für Käufer dürfte zunächst vor allem die Auswahl kleiner werden. Ob die geringere Komplexität tatsächlich zu niedrigeren Listenpreisen, besserer Software oder schnelleren Updates führt, ist dagegen nicht belegt.
Gerade der Software-Teil ist interessant, da Volkswagen mit Cariad bereits eine jahrelange Odyssee hinter sich und seine Softwarestrategie inzwischen neu aufgestellt hat. Für die westliche Hemisphäre entwickelt das Joint Venture mit dem US-Hersteller Rivian die künftige SDV-Architektur; in China arbeitet VW unter anderem mit XPeng zusammen. Volkswagen will parallele Strukturen bei Plattformen, Elektronikarchitekturen und Softwarelandschaften abbauen und diese stärker auf die westliche und östliche Hemisphäre ausrichten. Konkrete technische Architekturen oder betroffene Fahrzeugreihen nennt der Konzern in dem Beschluss jedoch noch nicht.
Vier Werke ohne gesicherte Folgebelegung
Für den deutschen Arbeitsmarkt wird die Verkleinerung der Produktionsstruktur interessant werden. Volkswagen beziffert die Überkapazität in Europa auf 500.000 Fahrzeuge und plant konzernweit mit einem nachfragegerechten Niveau von rund neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Für Emden, Zwickau, Hannover und den Audi-Standort Neckarsulm gibt es gestaffelt ab 2031 bis 2034 derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung. Bis Ende Juni 2027 soll dafür ein Konzept entstehen; parallel werden alternative Nutzungen geprüft.
Berichte über angeblich bereits beschlossene Werksschließungen sind aber mit Vorsicht zu genießen: Beschlossen wurden solche Schließungen bislang nicht. Für die vier Standorte werden vielmehr alternative Nutzungsmöglichkeiten geprüft. Auch für ein Ende von Seat liefert der offiziell beschlossene Zukunftsplan derzeit keine Bestätigung. SEAT S.A. hatte Cupra bereits 2018 als eigenständige Marke etabliert; heute führt das Unternehmen Seat und Cupra parallel.
Worauf man sich aber wohl sicher einstellen kann, ist eine geringere Modell- und Ausstattungsvielfalt in den kommenden Jahren. Welche konkreten Fahrzeuge verschwinden, bleibt offen. Selbst der Polo taugt bislang nicht als Beispiel für den angekündigten Kahlschlag: Volkswagen bietet den klassischen Benziner derzeit parallel zum neuen vollelektrischen ID. Polo an.
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