VW: „Wachsende Wut“ im Werk Kassel - IG Metall ruft zu Protest auf
Startseite Lokales Kreis Kassel Baunatal VW: „Wachsende Wut“ im Werk Kassel – IG Metall ruft zu Protest auf Von: Daniel Seeger Uns auf Google folgen Betriebsratschef Carsten Büchling kritisiert den VW-Vorstand scharf. Vor der Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg wächst in Baunatal die Sorge vor neuen Sparplänen. In Baunatal ist Protest angekündigt. Baunatal – Im VW-Werk Kassel wächst die Sorge vor neuen Einschnitten. Die IG Metall ruft die Vertrauensleute am Donnerstag um 14 Uhr vor das Haupttor in Baunatal. Anlass ist die Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg. Dort berät Volkswagen über weitere Sparpläne. Medienberichten zufolge prüft der Konzern, auch eigene Marken auszugliedern. Das könnte Kassel treffen, weil das Werk zur Komponentensparte gehört. Die Aktion in Baunatal ist Teil eines bundesweiten Protesttags der IG Metall. Vertrauensleute und Betriebsräte wenden sich gegen neue Sparpläne. Außerdem warnen sie vor Eingriffen in die Mitbestimmung. Neben Kassel sind Aktionen an mehreren VW-Standorten geplant, darunter Wolfsburg, Emden, Zwickau und Hannover. Der Kasseler Betriebsratsvorsitzende Carsten Büchling kritisierte den VW-Vorstand am Mittwoch scharf. Der Vorstand produziere seit Monaten „eine Negativschlagzeile nach der anderen“. Den Beschäftigten fehle bis heute eine klare Perspektive. Das löse am Standort Kassel großes Unverständnis und wachsende Wut aus, sagte Büchling der HNA. Wirtschafts-Nachrichten direkt ins Postfach Der HNA‑Wirtschaftsnewsletter bringt Ihnen alle zwei Wochen dienstags zur Mittagszeit einen schnellen, kompakten Überblick über das, was die Wirtschaft in und um Kassel bewegt – gezielt aufbereitet für Entscheider, Mittelstand, Gründer und alle, die beruflich oder privat am regionalen Wirtschaftsleben hängen. Lesen Sie die aktuelle Ausgabe und melden Sie sich kostenlos an. Mit der Beteiligung am Aktionstag setze man deshalb ein klares Zeichen. Das „Team Kassel“ stehe geschlossen hinter der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat. Zugleich solidarisiere man sich mit allen Beschäftigten, deren Standorte zur Debatte stehen. „Wer glaubt, die Werke gegeneinander ausspielen zu können, irrt sich“, so Büchling. Die Stärke von Volkswagen sei immer der Zusammenhalt der Belegschaften gewesen – genau dieser Zusammenhalt solle am 9. Juli sichtbar auf die Straße gebracht werden. Die IG Metall betont: Die Aktion soll informieren und Protest zeigen. Zum Warnstreik ruft die Gewerkschaft nicht auf. Im Haustarifvertrag der Volkswagen AG sowie in der Metall- und Elektroindustrie ist eine Friedenspflicht vereinbart. Arbeitsniederlegungen wird es deshalb nicht geben. Die IG Metall reagiert damit auf Medienberichte über deutlich härtere Sparpläne bei Volkswagen. Das „Manager Magazin“ schreibt, der Konzern könne weltweit bis zu 100.000 Stellen streichen. Das wäre doppelt so viel wie nach bisherigen Plänen. VW-Chef Oliver Blume hatte mehrfach gesagt, das bisherige Geschäftsmodell trage nicht mehr: Entwicklung in Deutschland, Produktion in Europa, Verkauf weltweit. Laut Medienberichten stehen vier deutsche Konzernwerke besonders unter Druck: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Der „Spiegel“ berichtet, dass die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 enden könnte. Volkswagen bestätigt bislang nur, dass der Vorstand an einem Zukunftsplan für den Konzernumbau arbeitet. Details nennt der Konzern nicht. IG-Metall-Chefin Christiane Benner sagte in der Protestankündigung, die Beschäftigten hätten mit der Tarifeinigung Ende 2024 bereits Opfer gebracht. Der Konzern dürfe Fehler der vergangenen Jahre nicht auf die Belegschaft abwälzen. Stattdessen müsse Volkswagen Marken enger verzahnen, Werke besser auslasten und Beschäftigte vor unfairem Wettbewerb schützen. Der VW-Aufsichtsrat tagt am Donnerstag in Wolfsburg. Die Mehrheit stellt dort derzeit allerdings die Arbeitnehmerseite, weil ein Posten auf Arbeitgeberseite bei der jüngsten Hauptversammlung überraschend nicht besetzt werden konnte. IG Metall und Betriebsrat kündigten Widerstand gegen weitere Einschnitte an. Das Land Niedersachsen lehnt Werksschließungen ab. Es hält 20 Prozent an Volkswagen und entsendet zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat. Medienberichten zufolge bereitet Volkswagen bereits einen Alternativplan vor, falls der Aufsichtsrat die Vorschläge ablehnt. Dann könnte der Konzern eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und die Aktionäre entscheiden lassen. Auch dort hätte das Land Niedersachsen laut VW-Gesetz eine Sperrminorität. Es könnte wichtige Beschlüsse per Veto stoppen. Volkswagen hat bereits Stellenstreichungen in Deutschland beschlossen. Nach aktuellem Stand will der Konzern bis 2030 insgesamt 50.000 Jobs abbauen, davon 35.000 bei der Kernmarke VW. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben nach früheren Konzernangaben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. Wie viele davon aus dem Werk Kassel kommen, bleibt offen.