Wahl: Linke in der Hauptstadt erstmals stärkste Kraft – CDU derzeit ohne Machtoption
Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin wird die Linke erstmals in der Geschichte stärkste Kraft. Laut Hochrechnungen des ZDF kommt die Linke auf 25,1 Prozent (+12,9 Punkte) und liegt vor der CDU mit 19,2 Prozent (–9 Punkte). Damit hat die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp die Chance, die erste Regierende Bürgermeisterin Berlins der Linken und die erste mit Migrationsgeschichte zu werden.
An dritter Stelle sehen die Demoskopen des ZDF laut der neuesten Hochrechnung die AfD mit 15,8 Prozent (+6,7 Punkte), die Grünen folgen mit 14,3 Prozent (–4,1 Punkte) knapp dahinter. Die SPD fällt auf ein historisches Tief von 12 Prozent, ein Absturz um 6,4 Punkte. Das BSW muss um den Einzug zittern und hat es Stand 21:57 Uhr nicht geschafft: Die Wagenknecht-Partei kommt auf 4,9 Prozent.
Die Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) erwartet ohne das BSW folgende Verhältnisse im Berliner Parlament: Bei 130 Sitzen im Abgeordnetenhaus läge die Mehrheit bei 66 Sitzen. Ein Linksbündnis von Linken, Grünen und SPD unter der Führung von Elif Eralp käme demnach auf 77 Sitze. Eine Koalition von CDU, Grünen und SPD unter der Führung von Stefan Evers hätte 68 Mandate.
Andere politische Bündnisse sind rechnerisch nicht möglich. Die aktuelle Koalition von CDU und SPD käme nur auf 47 Sitze. Berlin wird, wie erwartet, ein Dreierbündnis brauchen.
Elif Eralp: „Lasst uns Berlin verändern“
Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, bekräftigte bei der Wahlparty ihrer Partei im Festsaal Kreuzberg ihre Absicht, Regierende Bürgermeisterin zu werden: „Wir werden diesen Erfolg gemeinsam in einen neuen Weg für Berlin verwandeln“, rief sie ihren Anhängern zu, immer wieder von Jubelrufen unterbrochen. „Lasst uns rausgehen und lasst uns Berlin verändern.“
Die Grünen sprachen sich für eine Koalition mit Linken und SPD aus. „Die Berlinerinnen und Berliner haben sich für einen Politikwechsel entschieden und Schwarz-Rot klar abgewählt“, teilten die Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai mit. „Wir wollen jetzt Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit SPD und Linken ein progressives Bündnis für Berlin schmieden.“
Zurückhaltender gab sich der Spitzenkandidat und Landesvorsitzende der SPD. „Die Enttäuschung ist riesig, das ist ein katastrophales Ergebnis für die Berliner SPD“, sagte Steffen Krach in der ARD. Auf die Frage, ob die SPD mit der Linken oder der CDU in eine Koalition gehen wolle, sagt Krach: „Wir sind abgewählt worden. Wir haben keinen Regierungsauftrag.“
Zwischen Krach und Eralp hatten sich zuletzt am Donnerstag beim Tagesspiegel-Hauptstadtgespräch, dem letzten Aufeinandertreffen der Spitzenkandidaten vor der Wahl, atmosphärische und auch inhaltliche Spannungen gezeigt.
Insbesondere bei der Frage der Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne, die Krach ablehnt, liegen sie auseinander. Auch die antisemitischen Positionen in Teilen der Berliner Linken gelten als Belastung für die Regierungsbildung. Unklar ist jedoch, ob der Pragmatiker Krach sich über die Wahl hinaus an der Spitze der eher von links ausgerichteten Funktionären dominierten Berliner SPD halten kann.
CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers, der im Wahlkampf scharf gegen die Linken ausgeteilt hatte, gratuliert der siegreichen Partei. „Wir sind offenbar nicht stärkste Kraft und deswegen gratuliere ich an dieser Stelle der stärksten Kraft“, sagte Evers bei der Wahlparty der CDU im Abgeordnetenhaus. „Das gehört sich so. Das ist unter Demokraten selbstverständlich und deswegen tue ich das an dieser Stelle auch.“ Zur Koalitionsfrage äußerte er sich zunächst nicht. Man sei „immer miteinander im Gespräch“, aber von „Sondierungsgesprächen“ wollte er nicht reden.
Prognosen und Hochrechnungen zur Berlin-Wahl 2026: Das steckt dahinter
Mit den Hochrechnungen verfestigen sich die Prognosen, die unmittelbar nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr veröffentlicht wurden. Im Laufe des Wahlabends folgen mehrere Hochrechnungen. Die Hochrechnungen der Wahlforschungsinstitute greifen bereits auf die amtlich ermittelten Ergebnisse repräsentativ ausgewählter Wahlbezirke zu und skalieren diese über die wahlberechtigte Gesamtbevölkerung.
Wichtig: Obwohl Hochrechnungen auf ausgezählten Stimmen basieren und nicht – so wie Prognosen – auf Umfragen, bilden auch sie nur Tendenzen ab. Weil im Laufe des Abends immer mehr Teilergebnisse vorliegen, wird die Hochrechnung von Mal zu Mal präziser.
Wann gibt es die ersten Wahlergebnisse der Berlin-Wahl 2026?
Ab 18 Uhr werden in den mehr als 2500 Wahllokalen die Stimmen ausgezählt. Zuerst werden die Stimmen der Abgeordnetenhauswahl ausgezählt, danach erst die der BVV-Wahl.
Die Wahlvorstände melden die Ergebnisse an die zwölf Bezirkswahlämter. Dort werden die Ergebnisse zentral erfasst. Nach und nach werden sie vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg aufbereitet und online veröffentlicht. Auch der Tagesspiegel veröffentlicht die Ergebnisse fortlaufend auf einer interaktiven Wahlkarte.
Ist die Auszählung der Stimmen abgeschlossen, ermittelt der Landeswahlleiter das vorläufige Wahlergebnis und gibt es bekannt. Basis sind die Meldungen der Bezirkswahlleitungen, bei denen die Ergebnisse sämtlicher Wahlkreise ihres Wahlgebiets zusammenlaufen.
Final ist das Ergebnis dann jedoch noch nicht. Das endgültige Wahlergebnis wird vom Landeswahlausschuss abschließend festgestellt. Es kann von dem am Wahlabend veröffentlichten, vorläufigen Ergebnis abweichen. 2023 wurde das amtliche Ergebnis etwa zwei Wochen nach der Wahl festgestellt und bekannt gegeben.