Wählen ab 16 in Sachsen-Anhalt? Kinderbeauftragter macht Druck auf neuen Landtag
Nach der Landtagswahl
Ticker: Kinder- und Jugendbeauftragter fordert Wahlalter ab 16
Stand: 18.09.2026 21:24 Uhr
Sachsen-Anhalts Kinder- und Jugendbeauftragter Holger Paech fordert, das Wahlalter bei Landtagswahlen auf 16 Jahre zu senken. Der neu gewählte Landtag solle das Thema mit hoher Priorität angehen. Alle Entwicklungen im Ticker.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Wir beenden den Ticker und sagen DANKE!
Nach 20 Tickern mit mehr als 500 Meldungen beenden wir heute den Ticker zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt. Wir bedanken uns für Ihr Vertrauen in unsere Berichterstattung.
Aktuelle Entwicklungen zur Regierungsbildung finden Sie wie gewohnt in unserem MDR-Schwerpunkt zur Wahl. Kommen Sie gut ins Wochenende!
Kinderbeauftragter fordert Wahlrecht ab 16 in Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalts Kinder- und Jugendbeauftragter Holger Paech fordert, das Wahlalter bei Landtagswahlen auf 16 Jahre abzusenken. Der neue Landtag solle das Thema mit hoher Priorität behandeln, sagte Paech. Junge Menschen übernähmen bereits Verantwortung und beteiligten sich politisch – würden bei Landtagswahlen aber weiterhin ausgeschlossen.
Paech spricht von einer "Gerechtigkeitslücke". Gerade bei langfristigen Themen wie Bildung, Klimaschutz, Gesundheit, Pflege und Rente seien junge Menschen besonders betroffen. Sieben Bundesländer ermöglichen derzeit bereits das aktive Wahlrecht ab 16 Jahren.
Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz hat vor einer weiteren Machtverschiebung zugunsten der AfD in Sachsen-Anhalt gewarnt. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Berlin bezeichnete sie einen möglichen AfD-Landtagspräsidenten als "faschistisch". Das BSW hatte angekündigt, bei der konstituierenden Sitzung am 6. Oktober auch einen AfD-Kandidaten für das Amt unterstützen zu wollen.
Ob es darüber hinaus zu einer AfD-geführten Landesregierung kommt, sei noch offen, sagte Sziborra-Seidlitz. Ihre Partei werde nach ihren Worten versuchen, dies zu verhindern.
Endgültiges Wahlergebnis wird am 22. September festgestellt
Am 22. September steht das endgültige Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fest. Dann kommt der Landeswahlausschuss zusammen und stellt das amtliche Endergebnis fest. Größere Veränderungen gegenüber dem vorläufigen Ergebnis gelten als unwahrscheinlich. Erst danach steht endgültig fest, welche Abgeordneten dem neuen Landtag angehören.
Zwei Wochen später, am 6. Oktober, kommt das neu gewählte Parlament zu seiner ersten, konstituierenden Sitzung zusammen.
Die AfD hat die Chance, erstmals in Deutschland das Amt des Landtagspräsidenten zu besetzen. Als stärkste Fraktion hat sie dafür das Vorschlagsrecht. Vertreter des BSW haben bereits angekündigt, einen AfD-Kandidaten mitwählen zu wollen. Zusammen verfügen die beiden Fraktionen über eine Mehrheit im Parlament.
Schwieriger erscheint für die AfD im Moment die Wahl eines Ministerpräsidenten, die die Partei unseren Informationen nach für November anstrebt. Zwar loten AfD und BSW derzeit in Gesprächen aus, inwiefern eine Zusammenarbeit möglich ist. BSW-Parteichefin Amira Mohamed Ali schließt eine Koalition aber aus. Das BSW werde auch weder einen Ministerpräsidenten der CDU noch einen der AfD wählen, sagte sie der " Rheinischen Post".
MDR-Reporterin: AfD geht es um Wirkung von Bildern
Die AfD möchte im neuen Landtag räumlich in der Mitte sitzen. Das erfuhr MDR SACHSEN-ANHALT von Teilnehmern aus der Sitzung des Vorältestenrats in dieser Woche. Dort habe die AfD ihre Pläne präsentiert. SPD, Grüne und die Linke sollen demnach an den Rändern des Plenarsaals Platz nehmen. Die "Zeit" zitiert einen Sitzungsteilnehmer mit den Worten: "Es war zu erwarten, dass sie uns demütigen."
Nach Einschätzung unserer Politikreporterin Sabine Falk-Bartz geht es der AfD bei der Sitzordnung auch um die Wirkung von Bildern. Die AfD würde nicht mehr am rechten Rand sitzen, da wo sie die bürgerliche Mitte verorte. Außerdem säße die Fraktion direkt gegenüber dem Rednerpult.
Falk-Bartz verwies auf Erfahrungen aus der vergangenen Legislaturperiode. Bei einigen Abgeordneten seien aus dieser Zeit noch diverse Zwischenrufe in schlechter Erinnerung. Außerdem seien AfD-Abgeordnete insbesondere gegenüber Rednerinnen anderer Fraktionen teils rüde aufgetreten, so dass diese ihre Reden immer wieder unterbrechen mussten.
CDU-Verlierer diskutieren über Kurs
Nach der Niederlage in Sachsen-Anhalt fordert der abgewählte CDU-Abgeordnete Alexander Räuscher aus dem Landkreis Harz einen politischen Kurswechsel. Räuscher sagte dem Bayerischen Rundfunk, er sei "wütend" auf Parteikollegen, die nicht verstünden, "dass wir eine neue Politik machen müssen". Zudem müsse die CDU ihren Unvereinbarkeitsbeschluss überprüfen, um dem Gefühl der Ausgrenzung entgegenzuwirken.
Der nur über die Landesliste wieder eingezogene Magdeburger Abgeordnete Tobias Krull warnte vor der Strategie der AfD: Die Partei sei ihrem Ziel, die CDU zu zerstören, einen Schritt nähergekommen. Die CDU-Fraktion ist nach der Wahl nicht einmal mehr halb so groß wie davor.
Räuscher und Krull wurden für eine Reportage des Magazins "report München" interviewt, in der auch Wahlkämpfer in Mecklenburg-Vorpommern zu Wort kommen. Dort droht der Partei am Sonntag ein einstelliges Ergebnis.
Naumburg stimmt so ab wie das ganze Land, Schnaudertal ganz anders
Je nach Gemeinde haben die Menschen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ganz unterschiedlich abgestimmt. Wie groß die Unterschiede sein können, zeigt sich an zwei Orten im Burgenlandkreis, die nur rund 35 Kilometer voneinander entfernt liegen.
Naumburg (Saale) ist dem vorläufigen Ergebnis zufolge die Gemeinde, deren Wahlergebnis dem Landesdurchschnitt am nächsten kommt. Bei allen Parteien liegen die Stimmenanteile hier nur knapp über oder unter dem Ergebnis in ganz Sachsen-Anhalt.
Am anderen Ende der Skala liegt Schnaudertal: Hier weicht das Wahlergebnis am stärksten vom Landesdurchschnitt ab. Das liegt vor allem am starken Abschneiden der AfD: Während sie landesweit auf 43,8 Prozent der Stimmen kommt, sind es in Schnaudertal 64,7 Prozent – rund 21 Prozentpunkte mehr.
Wagenknecht kritisiert Brandmauer zur AfD
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht sieht die Brandmauer der CDU zur AfD als mitverantwortlich für deren Wahlerfolge. Dem " Tagesspiegel" sagte sie, die Strategie sei gescheitert und stärke die AfD. Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verteidigte Wagenknecht Gespräche des BSW mit der AfD über mögliche gemeinsame Sachanträge. Eine Koalition schloss sie erneut aus.
Zudem äußerte sie Zweifel an der Einstufung der AfD in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem. Zugleich räumte sie ein, in der Partei gebe es einzelne "gefährliche Leute".
Grüne drohen wegen Ausschussstreit mit Klage
Die Grünen schlagen wegen der künftigen Landtagsausschüsse Alarm. Fraktionsgeschäftsführer Olaf Meister kritisierte bei Facebook die Forderung der AfD, dass jeder Ausschuss aus zwölf Mitgliedern bestehen soll. Für sich selbst fordere die Partei sechs Sitze. Damit könnte die AfD nach Meisters Angaben Beschlüsse allein blockieren. Andere Fraktionen könnten nicht einmal mehr Themen auf die Tagesordnung setzen. Meister spielt damit darauf an, dass die AfD mit ihren sechs Stimmen in einem zwölf Mitglieder starken Ausschuss immer aus eigener Kraft für einen Patt sorgen kann.
Unverständlich sei auch, dass das BSW diesen Vorschlag unterstütze und damit selbst Einfluss aufgebe. Meister kündigte an: Notfalls wollen die Grünen gegen die Regelung klagen.
Der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt und Pro Asyl wollen sich am Vormittag in Halle zu aktuellen Entwicklungen in der Asyl- und Migrationspolitik äußern. Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen des neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) sowie mögliche Folgen der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für Geflüchtete, Beratungsstellen und zivilgesellschaftliche Strukturen.
Nach dem AfD-Wahlsieg zeigen sich Migrantenorganisationen zunehmend besorgt. Das Landesnetzwerk Lamsa forderte Bund und Länder auf, für gefährdete Menschen konkrete Schutzmöglichkeiten zu schaffen.
Nach der Wahl: Was die Menschen bewegt
Etwa zwei Wochen ist es her, dass die Sachsen-Anhalter über einen neuen Landtag abstimmen konnten. Im Bestehornhaus Aschersleben haben nun Bürgerinnen und Bürger ihre Eindrücke zur Landtagswahl geteilt. In kleinen Gruppen diskutierten Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten über Emotionen, Ängste und Erwartungen.
AfD drängt auf Ministerpräsidentenwahl im November
Die AfD in Sachsen-Anhalt will die Wahl ihres Fraktionschefs Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten offenbar bereits im November. Das wurde nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT auf der Sitzung des Vorältestenrats bekannt. Die AfD wollte den Zeitplan nicht kommentieren.
Die Partei hat dort außerdem eine andere Sitzordnung im Landtag gefordert. SPD, Grüne und Linke sollen an die Ränder rücken, AfD und BSW dagegen in der Mitte des Plenarsaals sitzen. Außerdem verlangt die AfD größere Fachausschüsse mit zwölf statt der von der Landtagsverwaltung empfohlenen elf Mitgliedern. Damit hätten AfD und BSW dort eine Mehrheit von zwei Stimmen. Die rechtliche Zulässigkeit soll geprüft werden. Ein Sitzungsteilnehmer sagte der "Zeit": "Es war zu erwarten, dass sie uns demütigen."
Die AfD hat 39 der 83 Sitze und damit keine eigene Mehrheit. Sie führt Gespräche mit dem BSW und nach eigenen Angaben auch mit einzelnen CDU-Abgeordneten. BSW-Bundeschefin Amira Mohamed Ali schloss eine Koalition mit der AfD erneut aus. Der "Rheinischen Post" sagte sie, das BSW werde weder einen CDU- noch einen AfD-Kandidaten zum Ministerpräsidenten wählen.
Sepp Müller grenzt sich schärfer von Linken ab
Der stellvertretende Unionsfraktionschef im Bundestag, Sepp Müller, verschärft seine Abgrenzung zur Linken. Für ihn sei klar, dass "mit dieser Partei und vor allem mit diesen Personen für uns heutzutage keine Zusammenarbeit möglich ist", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag bei einer Veranstaltung mit dem Historiker Hubertus Knabe in Wittenberg.
Müller kritisierte unter anderem Gregor Gysi wegen dessen früherer Funktion als Vorsitzender der SED. Diktaturen dürften nicht schöngeredet werden, sagte er.
Der 37-Jährige aus Wittenberg will neuer CDU-Landeschef in Sachsen-Anhalt werden. Der Landesvorstand soll sich voraussichtlich im Spätherbst neu aufstellen.
Nach dem Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt rechnet das BSW auch bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern mit einem Erfolg. Spitzenkandidatin Sabine Firnhaber sagte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rostock, sie halte "sechs bis acht Prozent" für möglich.
Die aktuellen Umfragen sehen das BSW allerdings meist nur bei drei bis vier Prozent, Pollytix zuletzt bei fünf Prozent. Firnhaber verweist auf Sachsen-Anhalt: Dort lag das BSW vor der Wahl in einer Umfrage ebenfalls bei rund drei Prozent und erreichte am Ende 5,3 Prozent.
Willkommen zum Ticker am Donnerstag
Guten Morgen und herzlich willkommen zu einem weiteren Ticker nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Am Donnerstag stand vor allem die Vorbereitung der AfD auf eine mögliche Regierungsbeteiligung im Mittelpunkt: Die AfD-Spitze kündigte für die kommende Woche ein Treffen mit Vertretern der österreichischen FPÖ an, um sich über deren Erfahrungen in Regierungsverantwortung auszutauschen. Für Diskussionen sorgten außerdem Warnungen von Polizeigewerkschaften vor möglichen Einschränkungen beim Austausch sensibler Geheimdienstinformationen mit Sachsen-Anhalt unter einer AfD-geführten Regierung.
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MDR (Norma Düsekow, Klara Hoffmann, Christoph Dziedo); dpa