Wählern wirklich um Remigration?: „Die meisten wollen etwas anderes“
Frau Teney, laut Ihrer Studie sind 67 Prozent der AfD-Wähler konservative Hardliner, 20 Prozent radikal-rechte Autoritäre und nur 13 Prozent moderate Konservative. Widerspricht das nicht der These, wonach die hohen Zustimmungswerte in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vor allem aus der Mitte kommen?
Nein, das deckt sich eher mit unseren Ergebnissen. Denn die größte Gruppe, die 67 Prozent konservativer Hardliner unter den Wähler:innen, ist mit ihren Ansichten nicht im Extremismus zu verorten – das betrifft vor allem die 20 Prozent radikal-rechten Autoritären.
Die konservativen Hardliner unterscheiden sich deutlich von der radikal-autoritären Gruppe: Sie vertreten sehr restriktive Positionen bei Migration, weisen aber wesentlich niedrigere Werte bei autoritären und antisemitischen Einstellungen auf. Sie sind also kulturell konservativ, wollen die Demokratie aber nicht abschaffen.
Wählten also viele AfD-Anhänger aus pragmatischen statt aus extremistischen Motiven?
Es gibt noch keine wissenschaftliche Untersuchung zu den jüngsten Landtagswahlen. Aber aus Interviews in den Medien geht hervor, dass in Sachsen-Anhalt viele Menschen eher Mängel bei Schulen, öffentlichem Verkehr, Infrastruktur oder wirtschaftliche Probleme als Grund für ihre AfD-Wahl nennen – Migration wurde weniger erwähnt, „Remigration“ oder Abschiebung nur selten.
Hinzu kommt eine starke Mobilisierung von Nichtwähler:innen, die oft gar keine gefestigte politische Meinung haben. Diese Gruppe ist selten extremistisch eingestellt, sondern eher moderat.