Wal „Timmy“: DNA gibt Rätsel auf - Ärztin spricht von verschiedenen Arten
Die DNA-Probe des auf Anholt gestrandeten Wals „Timmy“ soll nicht mit den vor der Freilassung entnommenen Vergleichsproben übereinstimmen. Das hat die Kleintierärztin Kirsten Tönnies bei einer Pressekonferenz in Hamburg bekanntgegeben. Demnach seien die Proben so unterschiedlich, dass es den Anschein habe, dass es sich bei den Proben um unterschiedliche Tierarten handele. Zugleich ist unklar, ob die Proben korrekt entnommen, aufbewahrt und ausgewertet wurden. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) und das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund, das den Fall des gestrandeten Wals wissenschaftlich begleitet hatte, nahmen nicht an der Konferenz teil. Laut Tönnies habe aufgrund der kurzfristigen Ankündigung niemand aus dem Ministerium anreisen können. Der Wal, der auch „Hope“ genannt wird, wurde im März erstmals in der westlichen Ostsee gesichtet. Weil der Wal dort strandete und sich aus eigener Kraft nicht mehr Richtung offenes Meer bewegte, begann Ende April eine privat finanzierte Rettungsaktion. Der Wal wurde in einer Barge – einem wassergefüllten Lastkahn – ins Meeresgebiet zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden transportiert und dort freigelassen. Rund zwei Wochen später wurde der Kadaver eines Buckelwals vor der dänischen Insel Anholt entdeckt. Dänische Behörden hatten bestätigt, dass es sich dabei um denselben Wal handele. Tönnies hatte die Rettungsaktion begleitet, war aber bei der Entnahme der Proben nicht dabei. Die erste Probe von „Timmy“ stamme laut der Tierärztin aus dem Gewebe, das bei der Befestigung eines Trackers in der Rückenfinne des Wals am 1. Mai entnommen wurde. Die zweite Probe wurde am Kadaver des auf Anholt gestrandeten Wals von einer privaten „Walinitiative“ gesichert. Auch interessant „Timmy“-DNA: Probenanalyse in China sorgt für Zweifel Laut Tönnies wurden die DNA-Proben in China untersucht, nachdem mehrere deutsche Labore eine Analyse abgelehnt hätten. Die Auswertung im Labor sei maschinell und verblindet erfolgt. Den Namen des chinesischen Labors sowie der deutschen Gruppe, die Tönnies bei der Analyse der Laborergebnisse unterstützt habe, wollte Tönnies nicht nennen – die Gruppe befürchte persönliche Konsequenzen. Die Tierärztin selbst verfüge nach eigenen Angaben nicht über die nötige Expertise, um die Ergebnisse zu beurteilen. Bei der Analyse habe sich herausgestellt, dass beide Proben von einem weiblichen Tier stammen. Darüber hinaus würden sich die Proben so stark unterscheiden, dass nicht feststehe, ob es sich um die gleiche Spezies handele. „Das Ergebnis ist, dass die Abweichungen der Proben so groß sind, dass wir sagen: Kann das noch eine Tierart sein?“, sagte Tönnies. Die Probe aus Anholt scheine von einem Buckelwal zu stammen, die DNA von der Barge weise aber nicht den passenden Wert auf. „Die Qualität der Proben und die Analysen sind gut“, betont Tönnies. Das habe das Labor in China bestätigt. Sie frage sich aber, was für DNA-Material von der Barge ihr gegeben wurde. Bei der Entnahme sei sie nicht dabei gewesen. Im Moment könne sie sich „nicht erklären, wie es dazu kommt“, dass die Proben so große Unterschiede aufweisen. Zum Verbleib von „Timmy“ sagte die Tierärztin: „Ich kann nicht ausschließen, dass Timmy noch lebt, finde das aber total unlogisch.“ Die Angaben von Tönnies ließen sich bislang nicht unabhängig überprüfen. Auch interessant Wal-Identität unsicher: Fehlerquellen bei der DNA-Analyse möglich Nach bisherigen Angaben gab es bei der Entnahme, Lagerung und dem Versand der DNA-Proben keine unabhängige Kontrolle. Auch staatliche Stellen und wissenschaftliche Einrichtungen hatten keine eigenen Vergleichsproben gesichert. Damit können mögliche Fehlerquellen oder Verwechslungen nicht ausgeschlossen werden. Trotz der Ergebnisse der DNA-Analyse sprechen mehrere Indizien dafür, dass es sich beim Kadaver auf Anholt um „Timmy“ handelt. So wurde am Tier der zuvor angebrachte Tracker gefunden. Auch die aufgezeichneten Positionsdaten sollen den Weg des Wals bis nach Anholt nachvollziehbar dokumentieren.