Waldbrand in NRW: Flammen nur noch 200 Meter von Hürtgenwald entfernt - Munition erschwert Löscharbeiten
Alarm in Nordrhein-Westfalen: Ein Brand in dem mit Weltkriegsmunition belasteten Hürtgenwald hat in der Region einen Großeinsatz ausgelöst. In der Gemeinde Hürtgenwald wurde ein Ortsteil evakuiert. Alle Bewohner von Gey hätten ihre Häuser und Wohnungen verlassen, teilte eine Sprecherin des Kreises Düren am Freitagmorgen mit. Dort leben etwa 2300 Menschen. Die Gemeinde hat insgesamt etwa 9000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Flammen waren am Freitagnachmittag nicht unter Kontrolle. Nun sollen auch Gegenfeuer eingesetzt werden, um den Großbrand einzudämmen, wie Feuerwehrsprecher Peter Berndgen der Agentur dpa sagte. „Wir haben Expertenteams vor Ort, die genau diese Taktik gerade einsetzen“, sagte er. Neben der aus Kanada und Südeuropa bekannten Methode kämen auch Panzer der Bundeswehr und Motorsägen zum Einsatz, um für meist fünfzehn Meter weite Schneisen zu sorgen. Rund 300 Hektar Wald stehen in Flammen. Das entspricht etwa 420 Fußballfeldern. Die Brandursache ist bisher unklar. Verletzte wurden bisher nicht gemeldet. Der Löscheinsatz könne noch Tage dauern, sagte Berndgen. „Wir haben heute sehr ungünstige Bedingungen für eine Waldbrandbekämpfung“, erklärte er. Es handele sich um einen sogenannten „Red Flag Day“: Hohe Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind erschweren die Arbeit der Einsatzkräfte. Der Feuerwehrsprecher geht davon aus, dass die evakuierten Anwohner im Laufe des Abends „auf keinen Fall“ in ihre Wohnungen zurückkehren können. Der Waldbrand rückte im Laufe des Freitags weiter auf die Gemeinde zu. Die Flammen seien aktuell nur noch 200 Meter vom Hürtgenwalder Ortsteil Gey entfernt, sagte die Sprecherin des Kreises Düren dem WDR zufolge. Ein Problem bei den Löscharbeiten ist die Munition aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden. Am Donnerstag war es bereits zu Explosionen gekommen. Mutmaßliche Detonationen sind auch in Beiträgen in den sozialen Medien zu hören. Stephan Cranen, Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald, sagte dem Sender am Freitagmorgen, am Donnerstag habe es insgesamt drei Brände gegeben. „Zwei haben wir in den Griff bekommen, einer hat sich in der Nacht leider noch weiter ausgebreitet, Richtung Gey und auch Richtung des alten Munitionslagers in Düren. Deswegen mussten wir Gey vorsichtshalber evakuieren.“ Der Landrat im Kreis Düren, Ralf Nolten (CDU), sagte am Mittag, die Lage stabilisiere sich etwas. Es gebe aber viele Glutnester. Im Laufe des Nachmittags sei wegen der steigenden Temperaturen mit einer Thermik zu rechnen, die die Feuer wieder anfachen könne, sagte er der Agentur dpa. Auch er machte die Probleme für die Einsatzkräfte deutlich: „Das Gelände ist doch sehr schwierig und durch die hohe Munitionsbelastung können wir auch keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken reinschicken“, sagte Nolten. Im Laufe der Nacht sei auf dem Brandgelände bereits Munition hochgegangen. „Wir haben auch die Schläge gehört.“ Zu den bisherigen Löscharbeiten sagte er: „Wir mussten uns streckenweise zurückziehen, damit einzelne Einheiten nicht eingekesselt wurden.“ Das Feuer in Hürtgenwald sei so groß, dass es noch Tage dauern werde, bis es gelöscht sein werde. Mit Blick auf die Evakuierung des Ortsteils Gey berichtete Nolten von relativ gelassenen Reaktionen und vollem Verständnis der Einwohnerinnen und Einwohner. „Wenn Sie die Feuerwand gesehen haben – die Bäume haben ja schon ihre Höhe und dann brennt es noch mal ein paar Meter über der Krone –, wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie schon und fangen nicht an zu diskutieren.“ Wie der Sender berichtete, handelt es sich nach Angaben der Feuerwehr um einen sogenannten Wipfel-Brand, eine extrem gefährliche Art des Waldbrands, bei der sich das Feuer über die Baumkronen hinweg ausbreitet. Die Höhe der Flammen erschwert die Löscharbeiten der Einsatzkräfte erheblich. Am Freitagmorgen waren rund 300 Kräfte im Einsatz. Panzer der Bundeswehr räumten die Wege für Einsatzkräfte im Wald frei. Unterstützung kam auch von Landwirten, die mit Traktoren und Wasserfässern bei den Löscharbeiten helfen. Patrick Koch hat die vergangenen Stunden in Hürtgenwald erlebt. „Das war Wahnsinn“, schilderte der 31-Jährige, der für ein Tiefbauunternehmen arbeitet, der Agentur dpa die gespenstische nächtliche Szenerie. Ununterbrochen habe er mit einem Traktor Wasser aus einer Talsperre geholt, um die Feuerwehr zu unterstützen. Seine Freundin habe zu Hause aus dem Fenster beobachten können, wie sich der Brand ausgebreitet habe. „Noch nie erlebt so was.“ Nach Angaben der „Bild“ sind Polizeihubschrauber aus Rheinland-Pfalz, Hessen, der Bundeswehr, der Bundespolizei und weiteren Städten auf dem Weg nach Hürtgenwald, um die Brände aus der Luft zu bekämpfen. Ein Einsatz dieser Art sei in Nordrhein-Westfalen erstmalig. Wegen des Brandes warnt die Gemeinde die Bevölkerung: Menschen sollen die Bereiche Kleinhau, Gey und die L25 meiden. Die B399, die entlang des betroffenen Waldstücks verläuft, ist zudem für den Verkehr gesperrt. Inzwischen sind auch zwei Ausfahrten der Autobahn 4 gesperrt worden. Die Ausfahrten Düren und Langerwehe seien ab sofort gesperrt, teilte die Autobahn GmbH mit. Die Ausfahrten würden als Rettungszufahrten für die Einsatzkräfte benötigt. Derzeit könne keine Dauer der Sperrung genannt werden. Die Auffahrten seien an beiden Anschlussstellen weiter möglich. Weiterer Flächenbrand im Kreis Düren Dem WDR-Bericht zufolge war Donnerstag auch am östlichen Rand des Kreises Düren ein Flächenbrand ausgebrochen: In Merzenich war die Feuerwehr nahe des Tagebau Hambachs auch in der Nacht noch im Einsatz. Dort fingen ein Waldstück und eine Solaranlage Feuer. Landesregierung in NRW warnt vor Waldbränden Aufgrund der akuten Trockenheit kommt es derzeit an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen zu Waldbränden. Die Minister für Inneres und für Landwirtschaft, Herbert Reul und Silke Gorißen (beide CDU), appellierten eindringlich an die Bevölkerung, Wälder derzeit nicht zu betreten. „Brände können sich rasant schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden“, mahnten sie. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dankte Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen. Viele von ihnen seien im Hürtgenwald seit Donnerstagnachmittag ohne Pause im Einsatz gewesen. „Unser Land hält zusammen!“, hob er auf der Plattform X hervor. Auch Kanzler Friedrich Merz äußerte sich. „In vielen Teilen des Landes wüten Waldbrände“, schrieb er auf X. Er werde laufend über die Entwicklung unterrichtet. „Ich danke allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz“, schrieb der CDU-Chef. Auch im Saarland bekämpfen Einsatzkräfte seit dem Donnerstagnachmittag einen Waldbrand bei Ottweiler im Landkreis Neunkirchen. Die Feuerwehr habe das Feuer am Abend eindämmen und eine Ausbreitung verhindern können, sagte der Sprecher der Feuerwehren im Landkreis Neunkirchen, Andreas Kuhn, am Morgen. Einsatzkräfte bei Waldbrand im Saarland verletzt Eine Entwarnung könne er nicht geben: „Auf der rund 3,6 Hektar großen Brandfläche in einem zehn Hektar großen Waldstück befinden sich weiterhin zahlreiche Hotspots und Glutnester“, sagte Kuhn. Die Lage habe über Nacht stabil gehalten werden können. Glutnester im Boden und in den Baumstümpfen müssten nun identifiziert und gelöscht werden. Dabei sollen auch Drohnen zum Einsatz kommen, um ein Lagebild zu gewinnen. Hunderte Einsatzkräfte hatten das Feuer zwischenzeitlich bekämpft. Seit Beginn des Waldbrands seien insgesamt rund 510 Einsatzkräfte in den Einsatz eingebunden gewesen. Nach Angaben Kuhns waren Kräfte von Feuerwehr und Katastrophenschutz aus mehreren Landkreisen vor Ort. Vier Einsatzkräfte wurden verletzt. Sie wurden aufgrund von Rauch- und Hitzeeinwirkungen medizinisch versorgt. Vorsorglich wurden eine Gaststätte und ein Wohnmobilstellplatz evakuiert. Die Bevölkerung wird dringend gebeten, das betroffene Gebiet weiterhin weiträumig zu meiden und Zufahrts- sowie Rettungswege unbedingt freizuhalten. „Die Feuerwehr bittet darum, von Fahrten oder Aufenthalten im Einsatzgebiet abzusehen“, hieß es.