Waldbrände: Spanien ruft Notstand aus - Frankreich bittet EU um Hilfe
Die Lage der Waldbrände in Südeuropa spitzt sich weiter zu. Spanien rief inzwischen für zwei Regionen den "Notstand nationaler Tragweite" aus. Es ist das erste Mal, dass das Land diesen Schritt wegen eines Waldbrandes geht. Wie das Innenministerium mitteilte, gilt der Notstand ab sofort für die Provinz Ávila und die ebenfalls bedrohte Hauptstadtregion Madrid. So kann der Staat mehr Mittel und Geld mobilisieren. Die Regionalregierung von Madrid hatte zuvor um Hilfe gebeten. Sie beschrieb die Lage als "extrem ernst". Aktive Brände in den Orten Villa del Prado, San Martin de Valdeiglesias und Almorox drohten, die derzeitigen Löschkapazitäten zu übersteigen. Ministerpräsident sichert Hilfe zu In den vergangenen Tagen sind in Spanien zahlreiche Brände ausgebrochen. Vor allem ein außer Kontrolle geratener Waldbrand westlich von Madrid besorgt Einsatzkräfte und Anwohner. Am Donnerstag wurde deshalb für 3.500 Menschen eine Evakuierung angeordnet. Rund um Madrid mussten insgesamt schon 10.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Vor allem der Wind werde die Löscharbeiten am Freitag erschweren, erklärte die Region Madrid auf X. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat die Lage angesichts der verheerenden Waldbrände in Südeuropa als "dramatisch" beschrieben. Die Regierung setze "alle verfügbaren" Mittel ein. "Ich möchte allen Menschen, die mit ansehen müssen, wie das Feuer ihre Wälder verwüstet und ihre Häuser bedroht, meine ganze Solidarität aussprechen", schrieb er im Onlinedienst X. Urlauber und Einheimische evakuiert Auch in Frankreich toben weiterhin mehrere große Waldbrände. Nach Angaben des französischen Innenministeriums wurden bisher mehr als 40.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Weitere 20.000 Menschen müssen zehn am Becken von Arcachon gelegene Orte verlassen, sagte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez. In der Nacht hatte das Feuer am Becken von Arcachon eine weitere Abwehrlinie der französischen Feuerwehr überschritten. Nördlich der Bucht brannten bislang 8.700 Hektar ab. Ab 1 Uhr morgens erfolgte die Evakuierung der gesamten Halbinsel Cap Ferret, für die Evakuierung würden laut Innenminister auch Schiffe eingesetzt. Bislang wurden dort 20.000 Menschen in Sicherheit gebracht, vor allem von Campingplätzen und Ferienanlagen. Das Feuer habe sich inzwischen auf 10.000 Hektar Fläche ausgedehnt. Das ist eine Fläche knapp so groß wie Paris. 80 Gebäude wurden von den Flammen beschädigt und davon 50 zerstört. 1.500 Feuerwehrleute kämpften gegen den Brand mit dem Ziel, Menschenleben und Gebäude zu retten, so Nuñez. Unterstützt würden sie von einer großen Zahl an Löschflugzeugen. Bislang kam von der Bevölkerung niemand zu Schaden, ein Feuerwehrmann wurde verletzt. In Brand geratener Lieferwagen setzt Wald in Flammen Wegen eines weiteren Brandes an der Atlantikküste im Bereich des Ortes Biscarrosse mussten inzwischen 23.000 Menschen evakuiert werden. Auch hier waren vor allem Campingplätze und Urlaubsquartiere betroffen. Der Brand hat sich auf 2.500 Hektar Fläche ausgedehnt, sagte Nuñez. Dort hatte ein Lieferwagen auf einer durch einen Wald führenden Landstraße wahrscheinlich wegen eines technischen Defekts Feuer gefangen und die Flammen griffen schnell auf die Natur über. 100 Häuser wurden durch den Brand beschädigt. 700 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Hilfe aus anderen EU-Ländern erwartet Wegen der schweren Waldbrände an der französischen Atlantikküste hat Präsident Emmanuel Macron die Europäische Union um Hilfe gebeten. Die Lage sei weiterhin äußerst angespannt, insbesondere im Département Gironde, schrieb Macron auf der Onlineplattform X. Frankreich habe die Aktivierung des EU-Katastrophenschutzverfahrens beantragt. Die französische Feuerwehr stehe vielerorts wegen massiver Großbrände am Rande der Belastungsgrenze. In Kürze werde Verstärkung durch jeweils zwei Löschflugzeuge aus Kroatien und Portugal sowie Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei erwartet. Mit Informationen von Cai Rienäcker und Carolin Dylla, ARD-Studio Paris.