Wall Street: El-Erian - „Was im US-Anleihemarkt passiert, bleibt nicht in den USA“
Frankfurt. Herr El-Erian, wir haben in den vergangenen Wochen mehrfach beobachtet, dass das US-Finanzministerium in die Märkte eingreift. Wie bewerten Sie das? Beginnt nun ein neuer Machtkampf: die Investoren gegen die US-Regierung?
Das muss sich zeigen. Aber es passt ins größere Bild: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat gezeigt, dass sie immer mehr bereit ist, einzugreifen. Nicht nur am Anleihemarkt, sondern auch in der Handelspolitik und durch direkte Beteiligungen an Unternehmen. Schließlich wird Geo-Ökonomie immer wichtiger.
Dabei geht es um den Einsatz wirtschaftlicher Mittel, um politische und strategische Ziele durchzusetzen. Was für ein Ziel verfolgt die Trump-Regierung mit den jüngsten Interventionen?
Die hohen Lebenshaltungskosten stehen jetzt, so kurz vor den Kongresswahlen im November, wieder im Fokus. Und ganz besonders bezahlbarer Wohnraum. Die Hypothekenzinsen haben dabei an Bedeutung gewonnen. Sowohl die Intervention am Yen-Markt als auch, noch deutlicher, die größeren Anleihe-Käufe des Finanzministeriums zielen deshalb darauf, die Hypothekenzinsen zu senken.
Die Effekte, sowohl bei Yen, als auch bei den längerfristigen US-Staatsanleihen, sind schnell verpufft. Welche Optionen hat die US-Regierung jetzt?
Ich sehe vier. Sie kann stärker intervenieren. Wenn sie diesen Weg einschlägt, dürfte der nächste Schritt eine Art Pakt mit der US-Notenbank sein oder sie folgt dem japanischen Modell und strebt eine Kontrolle der Zinskurve an.