Wall Street: Indizes schließen im Plus und steuern auf stärkstes Quartal seit Jahren zu
Am US-Aktienmarkt bleiben Technologiewerte richtungsweisend. Doch ausgerechnet ein Sportartikelhersteller könnte zum Gradmesser für die Weltwirtschaft werden. Anna Kipnis 01.07.2026 - 14:55 Uhr Artikel anhören Ein Straßenschild an der New Yorker Börse. Foto: Reuters Düsseldorf. Die Erholung an den US-Börsen setzte sich am Dienstag fort. Dabei standen die großen US-Indizes vor den stärksten Quartalsergebnissen der vergangenen Jahre. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gewann 0,3 Prozent auf 52.318 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 legte 0,8 Prozent auf 7.499,22 Stellen zu. Der technologielastige Nasdaq notierte 1,5 Prozent im Plus bei 26.214 Punkten. Der S&P 500 steuert auf sein bestes Quartal seit sechs Jahren zu. Seit Anfang April hat der Index 14 Prozent zugelegt. Auch der Nasdaq könnte das beste Quartal seit 2020 mit einem Plus von mehr als 19 Prozent verzeichnen. Für den Dow Jones dürfte es mit einem Plus von mehr als zwölf Prozent das beste Quartal seit 2022 werden. Dabei treiben Technologiewerte die Wall Street weiter an. „Wir gehen davon aus, dass Investitionen in KI-bezogene Aktien langfristig ein entscheidender Faktor für die Wertentwicklung des Aktienmarktes bleiben werden“, zitiert der US-Fernsehsender CNBC Strategen der UBS. Auch andere Analysten rechnen damit, dass der KI-Investitionsboom die Unternehmensgewinne antreibt. „IT bietet eine der wenigen verlässlichen Wachstumsgeschichten bei den Gewinnen“, sagt Marija Veitmane, Leiterin der Aktienanalyse bei State Street Global Markets. Kursschwankungen bei Technologiewerten sieht sie daher als Kaufgelegenheit. Blick weg von Geopolitik – Rohstoffmarkt bleibt wichtig „Die internationale Politik rückt immer weiter in den Hintergrund“, resümiert Jürgen Molnar von Robomarkets über die aktuelle Lage an den Aktienmärkten. Derzeit werden diese von Tech-Werten angeschoben – und nicht von der Geopolitik verunsichert. Unterdessen belastet diese allerdings den Rohstoffmarkt. Nach dem hohen Preisanstieg durch den Krieg im Nahen Osten steuern die Ölpreise auf ihren stärksten Rückgang im Quartal seit Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 zu. Investoren setzen weiter auf eine Entspannung im viermonatigen Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Die Nordsee-Sorte Brent zur Auslieferung im September verbilligte sich am Dienstag zeitweise um bis zu 1,5 Prozent auf 72 Dollar pro Barrel. Im Juni verbilligte sich Brent bisher insgesamt um rund 20 Prozent und fiel damit den dritten Monat in Folge. Im März hatte Brent nach dem Kriegsausbruch mit einem Preissprung von fast 60 Prozent den größten Monatsanstieg seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. US-Arbeitsmarkt Des Weiteren dürften Anleger auf den US-Arbeitsmarkt achten. Am heutigen Dienstag wurde der sogenannte Jolts-Bericht veröffentlicht, der die Zahl offener Stellen in den USA misst. Er gilt als wichtiger Frühindikator für den Zustand des amerikanischen Arbeitsmarkts – und damit als eines der meistbeachteten Signale für die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Demnach stieg die Zahl offener Stellen in den USA im Mai etwas auf 7,59 Millionen – etwas mehr, als die von Bloomberg befragten Ökonomen mit 7,3 Millionen erwartet hatten. Am heutigen Dienstag endet das zweite Quartal und für den Dow Jones, S&P 500 sowie die Nasdaq war es insgesamt ein starkes erstes Halbjahr. „Wenn man bedenkt, wie viel Gegenwind die Wall Street hatte, ist die Bilanz beeindruckend“, sagt Markus Koch. „Für die Fed sind diese Zahlen der ultimative Gradmesser für die wahre Gesundheit des US-Arbeitsmarkts“, sagt Frank Sohleder, Marktanalyst bei Activtrades. Lieferten die Daten eine Überraschung, drohten sofortige Neubewertungen der Zinserwartungen – und starke Kursausschläge am Nachmittag. Am Freitag folgt dann der monatliche US-Arbeitsmarktbericht. Die Fed verfügt über ein duales Mandat: Sie soll gleichzeitig für Preisstabilität und einen stabilen Arbeitsmarkt sorgen. Die Fed hatte bei ihrer jüngsten Sitzung den Leitzins in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Unterdessen hellte sich das Verbrauchervertrauen in den USA im Juni nur leicht auf. Das Barometer für die Konsumlaune stieg auf 91,2 Punkte, nach abwärts revidierten 90,6 Zählern im Mai, wie das Conference Board am Dienstag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten einen Anstieg auf 94,8 Punkte erwartet. „Das Verbrauchervertrauen stieg im Juni leicht an, da die in den vergangenen Wochen gesunkenen Ölpreise die Inflationsängste der Konsumenten etwas linderten“, sagte Dana Peterson, Chefökonomin des Conference Board. Untersuchung in China belastet Pharmafirmen Bei den Einzelwerten trennten sich Anleger von Aktien mehrerer großer US-Pharmakonzerne. Die Papiere von Eli Lilly und Pfizer verloren jeweils rund 1,5 Prozent. Auch die Anteilsscheine von Bristol Myers Squibb, AbbVie und Merck gaben leicht nach. Ein parteiübergreifender Ausschuss des US-Repräsentantenhauses hatte aus Sorge um die nationale Sicherheit eine Untersuchung der klinischen Tests dieser Konzerne in China eingeleitet. Die Unternehmen werden aufgefordert, bis zum 17. Juli Einzelheiten zur Überwachung der Studien, zum Schutz der Patienten und zur Datensicherheit vorzulegen. Es gebe zwar keine Beweise für ein Fehlverhalten, aber die Forschungsprojekte in China könnten ethische Bedenken wecken. Zudem bestehe das Risiko, dass sensibles biotechnologisches Wissen an das chinesische Militär gelange. Nike-Zahlen als Gradmesser für Weltwirtschaft Zudem veröffentlicht der US-Sportartikelkonzern Nike nach Börsenschluss seinen Bericht zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026. Analysten erwarten bei Umsatz und Gewinn je Aktie einen Rückgang. Maximilian Wienke, Marktanalyst bei eToro, ordnet die Wichtigkeit des Berichts ein: Die Nike-Aktie befinde sich seit mehr als vier Jahren in einem Abwärtstrend und habe zuletzt ein neues Tief erreicht – den niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Vom Rekordhoch trenne sie inzwischen mehr als 70 Prozent. Da Nike seine Ergebnisse traditionell früh im Quartalszyklus veröffentliche, gelte der Bericht an der Wall Street als Gradmesser für den Konsum- und Einzelhandelssektor. „Schlägt Nike Alarm, geraten häufig auch andere Sportartikelhersteller und Einzelhändler unter Druck“, erklärte Wienke. Verwandte Themen FedNikeUSAChinaBloombergDow Jones Im Fokus stünden Preismacht, Bruttomarge und Ausblick – daran lasse sich ablesen, ob Verbraucher bei Premiumartikeln sparten und ob steigende Rabatte auf nachlassende Nachfrage hindeuteten. Mit Material der Nachrichtenagentur Bloomberg Mehr: Ölexperte sieht noch kein Ende der Energiekrise – „Die Ketchup-Flasche ist halb leer“ Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr Qualität in Ihren Suchergebnissen Bestimmen Sie das Handelsblatt bei Google als Ihre wichtige Nachrichtenquelle. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt