Wanderausstellung zu Parkinson in Eystrup
Startseite Lokales Landkreis Nienburg Grafschaft Hoya Parkinson ist keine „Männerkrankheit“: Besondere Wanderausstellung am 8. August in Eystrup Von: Nala Dernier Uns auf Google folgen Die Wanderausstellung stellt starke Frauen mit Parkinson in den Fokus. Sie erleben die Erkrankung oft anders als Männer. Eystrup – Rund 400.000 Menschen sind laut der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen aktuell bundesweit an Parkinson erkrankt. „40 Prozent der Betroffenen sind weiblich. Trotz dieser etwa 160.000 Frauen gilt Parkinson immer noch als ‚Männerkrankheit‘“, berichtet die in Bayern lebende Anke Leidenberger. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Gunnar Sahr möchte sie Parkinson ein „weibliches Gesicht“ geben. In diesem Zuge ist eine Wanderausstellung entstanden, die bereits etwa in Hamburg, Düsseldorf und Leipzig zu sehen war. Am Samstag, 8. August, wird sie im Rahmen eines Ping-Pong-Parkinson-Turniers, an dem Spieler aus ganz Deutschland teilnehmen, auch in Eystrup gezeigt. Sowohl zum Turnier als auch zur Schau sind Interessierte willkommen. Für die Verpflegung ist gesorgt. Blau-weißes Sportwochenende Neben dem Ping-Pong-Parkinson-Turnier finden am Samstag und Sonntag, 8. und 9. August, unter der Überschrift „Blau-weißes Sportwochenende“ weitere Aktionen des TSV Eystrup statt. Los geht es jeweils um 11 Uhr. Am Samstag stehen Tennis, Volleyball, Turnen, ein Tischtennis-Jux-Doppelturnier sowie das Fußball-Saisonauftaktspiel und mehr auf dem Programm. Der Sonntag steht im Zeichen der Familien und unter dem Motto „Wasser“. Der Tag beginnt mit einem Gottesdienst. Danach gibt es einen Mittagsimbiss, bis um 13 Uhr das „Spiel ohne Grenzen“ startet. Ab 15 Uhr steht ein Kuchenbüfett bereit. Zudem können Besucher Bratwurst und Getränke genießen. An beiden Tagen finden überdies jeweils ab 12.30 Uhr Fahrradtouren statt. Start und Ziel sind am Sportplatz. Anke Leidenberger und Gunnar Sahr sind gute Bekannte von Lars Rokitta, der im TSV Eystrup 2021 den Stützpunkt Ping-Pong-Parkinson etablierte, um Betroffenen durch Tischtennis zu helfen und Mut zu schenken. Alle drei leben mit der Diagnose und lassen leidenschaftlich gern den Ball über die Platte hüpfen – und das auf professioneller Ebene. „Wir haben uns 2023 bei der Weltmeisterschaft in Österreich kennengelernt“, sagt Rokitta, der damals im Mixed-Doppel die Bronzemedaille holte, über seine Bekanntschaft mit Leidenberger. „Anke und Gunnar sind sehr engagiert in der Ping-Pong-Parkinson-Szene“, lobt Rokitta, der ebenfalls ein bekanntes Gesicht ist, ihren Einsatz. Daher stand für ihn schnell fest: Er will ihre Wanderausstellung unterstützen. Betroffene, aber auch alle anderen Interessierten können sich einen Teil der Rollups am Samstag, 8. August, ab 10 Uhr – parallel zum Turnier – in der Eystruper Sporthalle ansehen. Die Schau zeigt starke Frauen, die an Parkinson erkrankt sind und trotzdem nicht kapitulieren, sondern ihr Leben mutig, entschlossen und positiv leben. „Jede für sich ist eine Alltagsheldin“, sind sich Rokitta und Leidenberger einig. Mit dabei sind auch regionale Powerfrauen, wie das TSV-Mitglied Maria Winter aus Hassel. Warum es wichtig ist, dass Parkinson ein „weibliches Gesicht“ erhält? „Frauen erleben Parkinson anders – biologisch, sozial, emotional. Dies bleibt bisher in Forschung und Versorgung unberücksichtigt. Das wollen wir ändern!“, schreibt Leidenberger in ihrer Spendenkampagne, die sie für die Wanderausstellung ins Leben gerufen hat. Um die Schau in die Welt zu bringen, wirbt sie um Unterstützung, unter anderem für Fahrtkosten und Infomaterial. Auch in Eystrup wird diesbezüglich eine Spendenbox stehen. Wie Leidenberger im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung erläutert, gerate das Rollengefüge vieler Familien durcheinander, wenn die Frau erkranke. „Sie ist zumeist diejenige, die sich kümmert und versorgt.“ Überdies würden Frauen erst viel später diagnostiziert, die Symptomatik werde oftmals mit den Wechseljahren verwechselt oder auf Stress geschoben. Leidenberger selbst erhielt die Diagnose Parkinson im November 2021 mit 37 Jahren. „Es war ein Schock, aber auch Erleichterung.“ Denn schon fünf Jahre zuvor hatte sie Symptome, war auf der Suche nach einer Ursache. „Als es dann einen Namen hatte, konnte man aktiv werden, war nicht mehr so ausgeliefert.“ Ein weiteres Problem ist ihrer Meinung nach, dass die Parkinsonforschung nur an Männern stattfinde, selbst die Labormäuse seien männliche Exemplare. Auch die Medikamente seien auf Männer ausgelegt. Es gebe kein Infomaterial zu Frauen und Parkinson, nur in der englischsprachigen Literatur. Das soll sich ändern. Die Wanderausstellung „Wir geben Parkinson ein weibliches Gesicht“ macht nicht nur Station in Eystrup. Sie soll im Vorfeld der Ping-Pong-Parkinson-Weltmeisterschaft, die vom 26. bis 30. September in Hannover ausgetragen wird, während einer Deutschlandtour gezeigt werden. Das Ziel von Anke Leidenberger und Gunnar Sahr: aufklären, das Klischee der „Männerkrankheit“ brechen und Mut machen.