Wanderer von eigenem Trekkingstock durchbohrt: 32-Jähriger läuft noch 16 Kilometer ins Tal
Ein Wanderer, aufgespießt auf seinem eigenen Trekkingstock – und statt auf den Rettungshubschrauber zu warten, marschiert er mehr als 16 Kilometer zu Fuß ins Tal. Was der 32-jährige David Cifaldi am 20. Juli am Granite Peak in Montana erlebte, bezeichnet er selbst gegenüber der New York Times als einen „Freak-Unfall“. Der 32-jährige Krankenpfleger war demnach mit zwei Freunden auf dem Weg zum Gipfel des höchsten Bergs des US-Bundesstaats in den Rocky Mountains, als er auf Geröll ausrutschte. Als er aufstand, bemerkte er: Einer seiner Trekkingstöcke lag am Boden – der andere steckte in seinem Körper. Wie er die Situation überlebte, verdankt er wohl auch einer Sache: seiner Ruhe. Der Moment des Sturzes: „Dieses Ding steckt in mir“ Cifaldi war seit den frühen Morgenstunden unterwegs. Um 2 Uhr hatten er und seine Freunde Jesse Ross und Brad Reich den Aufstieg begonnen. Der Gipfel des Granite Peak liegt auf rund 3900 Metern und war nur noch zwei bis drei Meilen entfernt. Das Wetter sei perfekt gewesen, erinnert sich Cifaldi im Interview mit der New York Times: Mitte 20 Grad, Sonne, kein Wind. „Wir hätten es zu 100 Prozent geschafft, es gab keinen Zweifel“, sagte er der Zeitung. Dann verlor er den Halt. „Ich bin einfach auf ein paar Felsen ausgerutscht", schilderte er laut dem Sender Local12. Als er sich herumdrehte, wusste er: Etwas stimmte nicht. „Oh“, erinnerte er sich gegenüber der New York Times. „Dieses Ding steckt in mir.“ Wie der „Krankenpfleger-Modus“ einsetzte Cifaldi arbeitet den Berichten zufolge als Krankenpfleger am St. Vincent Regional Hospital in Billings. Genau diese Ausbildung übernahm in der Krise das Kommando. Der Stock hatte sich in einem Winkel in seinen linken breiten Rückenmuskel (Latissimus dorsi) unterhalb der Achsel gebohrt und trat hinten wieder aus. Er verspürte keinen Schmerz, es floss kein Blut, er konnte tief durchatmen – und den Stock durch die Haut ertasten. „Ich glaube, mein Krankenpfleger-Gehirn schaltete sich ein", sagte er laut Local 12. Während ein Freund über ein Satelliten-Kommunikationsgerät einen SOS-Ruf absetzte, machte der andere Fotos der Wunde, damit Cifaldi sie beurteilen konnte. Sein Schluss: keine lebensbedrohliche Verletzung. Die Entscheidung: 16 Kilometer mit dem Stock im Körper Statt den Stock zu entfernen, entschied sich die Gruppe für den Abstieg – mit dem Stock im Körper. Ein Rettungshubschrauber wäre teuer geworden, den wollte Cifaldi vermeiden. Vorsichtig gingen die drei denselben Weg zurück, den sie gekommen waren. Sie querten Blockfelder und Schneefelder und legten immer wieder Pausen ein. So verlief der Abstieg: Freund Jesse Ross ging den Erzählungen schließlich voraus und warnte andere Wanderer vor Cifaldis „übel“ aussehender Verletzung – damit vor allem Kinder den Anblick nicht ertragen mussten. Freund Brad Reich blieb dicht hinter Cifaldi und überwachte die Wunde, nachdem dieser ihm einen Crashkurs in Notfallmedizin gegeben hatte. Dass es ihm gut gehen würde, wusste Cifaldi, als die Freunde bei einer Rast „anfingen, Schaschlik-Witze zu machen“, wie er der New York Times erzählte. Der Stock steckte sieben Stunden im Körper Nach rund 6,5 Stunden und etwa 16 Kilometern (rund 10 Meilen) erreichte die Gruppe den Ausgangspunkt. Um 15.30 Uhr saß Cifaldi im Krankenwagen. In einer kleinen Klinik nahe dem Berg bat er darum, den Stock zu entfernen. Dort verwies man ihn jedoch an ein größeres Krankenhaus. Da steckte der Stock bereits sieben Stunden in seinem Körper. Also ließ sich Cifaldi in genau das Krankenhaus bringen, in dem er selbst arbeitet. Dort entfernte ein Team den Stock schließlich mit einem Trick: Die Chirurgin band eine Drainage an das Ende des Stocks. „Als sie den Stock herauszogen, zogen sie die Drainage hindurch", schilderte Cifaldi bei Local12. Den Berichten zufolge erholt er sich derzeit noch von der Verletzung. Lesen Sie mehr zum Thema