Warnstreik in Hamburg: Ver.di verlangt acht Prozent mehr Gehalt
Mit den Hafenarbeitern ist es ein wenig wie mit den Fluglotsen, Piloten oder Lokführern: Sie sind nur eine vergleichsweise kleine Gruppe, aber ihre wirtschaftliche Macht, die ist gewaltig. Ohne sie geht in den Häfen so gut wie nichts mehr, Container werden nicht gelöscht, Autoteile, Turnschuhe oder dringend benötigte Rohstoffe bleiben an Bord. Wenn sie streiken, gerät die trotz aller Krisen oft noch immer auf Just-in-Time-Lieferungen eingestellte deutsche Industrie schnell aus dem Takt.
Die Hafenarbeiter sind sich ihres Einflusses durchaus bewusst – und verlangen in der aktuellen Tarifrunde satte 8,2 Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber wollen aber nur 5,1 Prozent drauflegen. Deshalb erhöht die Gewerkschaft Ver.di nun den Druck und hat die Beschäftigten in Hamburg, Niedersachsen und Bremen erneut zum Warnstreik aufgerufen .
Demonstrationen in Hamburg und Bremerhaven geplant
Allein in Hamburg sind Hafenarbeiterinnen und Hafenarbeiter von mehr als einem Dutzend Betrieben zum Ausstand aufgerufen, darunter die Beschäftigten der HHLA-Containerterminals Altenwerder, Burchardkai und Tollerort sowie die Beschäftigten des Containerterminals Eurogate und der Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft. Sie sollen für insgesamt 48 Stunden die Arbeit niederlegen. Für Freitag ist eine Demonstration geplant. Sie führt nach Gewerkschaftsangaben von 9 Uhr an vom Parkplatz des Containerterminals Burchardkai durch den Hafen.
Das jüngste Angebot des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) haben die Beschäftigten nach Gewerkschaftsangaben in einer Befragung mit großer Mehrheit abgelehnt. Insgesamt hätten sich an der einwöchigen Rückkopplungsrunde mehr als 6000 Beschäftigte beteiligt. Für Ver.di-Fachbereichsleiter André Kretschmar ist das Ergebnis nach der inzwischen dritten Verhandlungsrunde eindeutig: »Dieses Angebot reicht nicht. Die Arbeitgeber können das nicht einfach ignorieren.«
Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe hatte zuletzt eine Entgeltsteigerung von 5,1 Prozent rückwirkend zum 1. August 2026 bei einer Laufzeit von 18 Monaten angeboten. Zudem sollten die Löhne um mindestens 1,20 Euro pro Stunde steigen. Ver.di verlangt dagegen bei einer Tariflaufzeit von zwölf Monaten ein Lohnplus von 8,2 Prozent, mindestens jedoch 2,50 Euro pro Stunde.
Für das Gehalt entscheidend sind allerdings auch die Zulagen für Wochenend- und Nachtschichten. Mit ihnen kann so mancher Hafenarbeiter bereits jetzt auf Gehälter von rund 100.000 Euro pro Jahr kommen, ganz ohne Studium.