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Warsteiner Brauerei streicht Stellen

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Warsteiner Brauerei streicht mehr als 100 Stellen – Chef-Restrukturierer sieht „keine Alternative“

Von: Christian Clewing, Hannah Löseke

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Die 725 Beschäftigten am Standort Warstein erfuhren die Nachricht am Mittwochmittag. Für knapp 80 Stellen sucht das Unternehmen noch nach sozialverträglichen Lösungen.

Warstein – Die Warsteiner Brauerei baut bis Ende des Jahres 125 Arbeitsplätze ab. Am Mittwochmittag, 23. September, erfuhren die aktuell 725 Beschäftigten am Standort Warstein die Nachricht über die personellen Veränderungen. Wie Restrukturierer Bodo Wendenburg im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte, seien von der Streichung verschiedene Bereiche am Standort Warstein betroffen, etwa Produktion, Verwaltung und Vertrieb. Knapp 50 Stellen würden durch altersbedingte Renteneintritte und das Auslaufen befristeter Verträge entfallen, für knapp 80 weitere Stellen suche das Unternehmen mit dem Betriebsrat seit Anfang der Woche nach sozialverträglichen Lösungen.

Nach der Schließung der Herforder Brauerei und dem geplanten Verkauf der Paderborner Brauerei sei das aus Sicht der Unternehmensführung die nächste nötige Maßnahme, „weil die Marktentwicklung uns dazu auffordert“, erklärte Bodo Wendenburg. Seit rund fünf Monaten hilft er der Brauerei, wieder auf die Füße zu kommen, seit zwei Monaten als Chief Executive Officer (CEO) und Chief Restructuring Officer (CRO) – also Geschäftsführer. „Mein Ziel ist, dass wir Ende nächsten Jahres eine ganz andere Firma haben als heute“, sagte er. „Eine erfolgreiche Firma.“

Keine Alternative zum Stellenabbau

„Wir wissen, der Biermarkt ist schwierig“, betonte Wendenburg. „Der ist seit 20 Jahren schwierig.“ Die Haus-Cramer-Gruppe „arbeitet jetzt schon eine ganze Menge an Jahren an einer ganzen Menge an Baustellen“, deshalb müssten der Organisations- und der Personalbereich angepasst werden. In den letzten zehn Jahren sei der Bierabsatz in Deutschland um 19 Prozent zurückgegangen, der Pilsmarkt – „für uns ist der besonders wichtig“, so Wendenburg – sogar um 21 Prozent.

Mein Ziel ist, dass wir Ende nächsten Jahres eine ganz andere Firma haben als heute. Eine erfolgreiche Firma.

Zum Abbau der 125 Vollzeitstellen sieht Wendenburg deshalb „keine Alternative“: „Wegen des schwierigen Marktumfeldes sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich.“ Das betreffe die Senkung der Personalkosten und eine erhebliche Senkung der Sachkosten. Nur so könne man sich mit den Konkurrenten messen. „Wir wollen den Markt so bedienen, wie der Markt es nachfragt“, sagte Bodo Wendenburg mit Blick auf künftige Strategien. „Die Prozesse müssen schnell passieren“, betonte Wendenburg. „Bis Ende des Jahres, damit wir das neue Jahr sauber mit neuer Organisation und neuen Zielen starten können.“

„Wir passen die Organisation und Personalstruktur den veränderten Marktbedingungen jetzt nochmal final an“, so Wendenburg. Die Brauerei müsse günstiger und schneller produzieren – durch die Verlagerung der Produktion aus Paderborn und Herford ist die Auslastung in Warstein trotz gesunkener Absatzmengen insgesamt gestiegen –, sie werde effizienter. „Das ist für die Mitarbeiter schwierig und für mich auch“, sagte Wendenburg. Es gehe aber darum, das Unternehmen gut aufzustellen – auch für die nächste Generation.

Restrukturierer spricht von „sehr herausfordernder Phase“

Es sei eine „sehr herausfordernde Phase“, so Wendenburg. „Aber ich habe viele gute, hochmotivierte Leute kennengelernt, die wirklich Lust haben, hier mitzumachen“, betonte er. Er wolle „jeden mit seiner Verantwortung motivieren, seinen Beitrag dazu zu leisten, dass das Unternehmen auch wettbewerbsfähig ist“. Denn: „Am Ende des Tages ist es ja das Team, das die Dinge umsetzt. Ich kann nur orchestrieren.“

Parallel zu den Einsparungen investiert Warsteiner in neue Technik und die Marke. Wendenburg stufte das im Gespräch mit unserer Redaktion als „wichtige Investitionen“ ein, die man auf jeden Fall durchziehen werde. Als nächsten Schritt installiert die Brauerei eine neue Entalkoholisierungsanlage. Außerdem sei die Windkraftanlage, die mindestens die Hälfte des Strombedarfs der Brauerei decken soll, im Bau und gehe voraussichtlich im Frühjahr 2027 in Betrieb. Noch dieses Jahr soll es zudem einen Markenrelaunch geben, den sie 2027 auch offensiv bewerben möchten.

NGG zeigt sich „extrem schockiert“

Isabell Mura, stellvertretende Landesbezirksvorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), zeigte sich am Mittwochmittag „extrem erstaunt und schockiert“. „Für uns ist das alles sehr frisch“, sagte sie. Am Dienstagabend hatte sie einen „Alarm-Anruf“ des Betriebsrats erhalten.

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