Warum 50.000 Dollar Bonus für Lehrer auf Widerstand wegen Meta-Rechenzentrum stößt
Der Beruf als Lehrer gilt in den USA als vergleichsweise schlecht bezahlt. Und im Bundesstaat Louisiana ist das Lehrergehalt besonders niedrig. Nach Angaben der Gewerkschaft National Education Association beträgt es im Schnitt knapp 57.000 Dollar im Jahr, das ist der zweitniedrigste Wert unter allen Bundesstaaten. Umso bemerkenswerter ist der plötzliche Einkommensschub, über den sich kürzlich die Lehrer in Richland Parish freuen konnten, einem spärlich besiedelten und strukturschwachen Landkreis rund vier Autostunden nordwestlich von New Orleans. Sie bekamen einen Jahresbonus von bis zu knapp 51.000 Dollar – ein dramatischer Anstieg gegenüber dem Bonus von bis zu 10.200 Dollar im vergangenen Jahr. Zu verdanken ist das dem Internetkonzern Meta – und einer jahrzehntealten Verordnung des Landkreises, wonach die Schulbehörde eine Umsatzsteuer von einem Prozent zur Finanzierung von Bonuszahlungen an Lehrer erheben kann. Meta baut in der Region gerade ein gigantisches Rechenzentrum, das einen Großteil von Manhattan abdecken würde, und dieses Projekt hat erhebliche zusätzliche Steuereinnahmen gebracht, wovon nun auch die Lehrer profitieren. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Das Rechenzentrum von Meta soll das bisher größte im Unternehmen werden, und eines der teuersten in der Welt. Der Mutterkonzern von Facebook und Instagram will damit die Computerkapazitäten für seine Aktivitäten rund um Künstliche Intelligenz ausweiten, so wie dies derzeit auch viele seiner Wettbewerber tun. Zu Beginn dieser Woche hat er mitgeteilt, die Investitionen in Louisiana noch einmal erheblich aufzustocken. Ursprünglich war von zehn Milliarden Dollar die Rede, dann von 27 Milliarden Dollar, jetzt sollen es sogar mehr als 50 Milliarden Dollar werden. „Bei solchen Boni kommen die besten Erzieher zu dir“ In der Ankündigung inszenierte sich Meta als Segen für Richland Parish – und hob dabei besonders die 50.000-Dollar-Boni für Lehrer hervor. In einer Mitteilung wurde Thomasina Minor zitiert, eine Grundschullehrerin: „Der Bonus war atemberaubend. Als ich davon erfahren habe, saß ich mit meinem acht Monate alten Kind auf der Couch. Mein Mund war weit offen vor Schock.“ Sheldon Jones, der Leiter der Schulbehörde im Landkreis, sagte, der Bonus sei „lebensverändernd“ für die Lehrer und würde die Region zu einer „Destination“ in diesem Beruf machen: „Bei solchen Boni kommen die besten Erzieher zu dir.“ Auch Inhaber örtlicher Betriebe kamen zu Wort: TJ und Kaycie Weed sagten, das Meta-Projekt habe ihrer kleinen Kaffeekette Hebrews einen Schub an Kunden beschert und die Eröffnung weiterer Standorte ermöglicht: „Gott ist gut!“. Tim Allen, Inhaber eines Taco-Restaurants, sagte in einem Video, noch bis vor Kurzem hätten viele Menschen, inklusive seines eigenen Sohnes, die Gegend verlassen, um anderswo Arbeit zu finden. „Jetzt kommen die Leute nach Hause zurück.“ Rechenzentren unbeliebter als Atomkraftwerke Diese Wohlfühltöne verbreitet Meta in einer Zeit, in der Projekte zum Bau von KI-Rechenzentren in den USA auf immer mehr Widerstand stoßen. In vielen Regionen haben sich Protestgruppen gegen solche Vorhaben gebildet. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage der Marktforschungsgruppe Gallup sprachen sich 71 Prozent der Teilnehmer gegen den Bau eines Rechenzentrums in ihrer Nähe aus – mehr als die 53 Prozent, die ein Atomkraftwerk ablehnten. Eine Reihe von Projekten wurde gestoppt oder zumindest gebremst. In vielen Gegenden der USA – wenn auch nicht auf nationaler Ebene – wurden Gesetzentwürfe vorgestellt, um Rechenzentren stärker zu regulieren oder ein Moratorium für ihren Bau zu verhängen. Das Meta-Rechenzentrum in Louisiana heißt Hyperion. Es wurde Ende 2024 angekündigt und soll bis 2030 fertiggestellt sein. Es soll während der Bauphase 7500 vorübergehende Arbeitsplätze schaffen und 1000 permanente Beschäftigte haben, wenn es in Betrieb ist. Meta sagt, seit dem Baubeginn hätten allein Unternehmen in Louisiana Aufträge im Wert von 1,6 Milliarden Dollar erhalten. Jeff Landry, der Gouverneur von Louisiana, beschrieb das Rechenzentrum am Montag als „das großartigste Kapitel in Louisianas Geschichte“ und als einen Moment, auf den der Bundesstaat seit Generationen gewartet habe. Louisiana sei nun „im Zentrum von Amerikas Zukunft in der KI“. Das Projekt ziehe außerdem andere Unternehmen in die Region. In den vergangenen beiden Jahren habe der Bundesstaat Investitionszusagen in Höhe von 150 Milliarden Dollar bekommen. Meta profitiert von Steuernachlässen Louisiana hat sich das Megaprojekt mit üppigen Steueranreizen erkauft. 2024 unterschrieb der Gouverneur ein Gesetz, das Rechenzentren unter bestimmten Voraussetzungen zwanzig Jahre lang von der Umsatzsteuer im Bundesstaat und in Landkreisen befreit. Das verspricht Meta erhebliche Ersparnisse, diese Steuer beträgt in Louisiana fünf Prozent und in Richland Parish 4,25 Prozent. Außerdem soll Meta nach Fertigstellung des Rechenzentrums einen starken Nachlass auf die Grundsteuer erhalten. Auf diese Steuervergünstigungen hat Meta offenbar auch großen Wert gelegt. Susan Bourgeois, die Leiterin der Wirtschaftsförderungsbehörde in Louisiana, sagte der Lokalpublikation „Nola.com“, Meta habe klargemacht, das Rechenzentrum ohne solche Anreize anderswo anzusiedeln. In Richland Parish zahlt Meta nun einen drastisch reduzierten Umsatzsteuersatz von einem Prozent, der einmal im Jahr entrichtet wird. Die erste Zahlung im Mai betrug rund 22 Millionen Dollar. Die sprunghaft gestiegenen Lehrerboni erklären sich zum Teil mit diesem Geld, zum Teil auch mit einem allgemeinen Anstieg der Umsatzsteuern im Zusammenhang mit dem Projekt, etwa durch die Ausgaben von Bauarbeitern. Für Meta fällt die Steuerzahlung in dem Landkreis kaum ins Gewicht. Der Konzern hat im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von mehr als 60 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Meta sieht sich in Lousiana bislang keiner ähnlich großen Protestbewegung gegenüber wie manche andere Rechenzentrumsprojekte in den USA. Aber es gibt auch Kritik an dem Vorhaben. Die Umweltgruppe Earthjustice zum Beispiel moniert das ungewöhnliche Finanzierungsmodell für das Rechenzentrum. Meta hat für das Projekt ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzdienstleister Blue Owl gegründet und hält daran nur einen Minderheitsanteil, der Konzern hat sich zunächst auch nur zu einem vierjährigen Mietvertrag verpflichtet. Earthjustice argumentiert, diese Konstruktion bringe künftig das Risiko höherer Stromkosten für die Menschen in der Region mit sich. Meta und der lokale Energieversorger Entergy halten dagegen, das Projekt werde Stromverbrauchern in den nächsten zwanzig Jahren mehr als zwei Milliarden Dollar sparen, unter anderem weil Meta bestimmte Gebühren übernehme. Ob die hohen Boni für Lehrer in Richland Parish zu einem Dauerzustand werden, muss sich indessen noch zeigen. Da ein großer Teil der Boni von zusätzlichen Steuereinnahmen finanziert wird, die mit den Bauarbeiten zusammenhängen, könnten sie sich als vorübergehendes Phänomen erweisen.