Warum der Eisverlust an den Polen schneller wird
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Wärmeres Meerwasser frisst Gletscher von unten an – mit Folgen für Millionen Menschen
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Einer umfassenden Studie zufolge hat sich der Verlust von Eis seit den 1990er-Jahren deutlich beschleunigt.
Grönland – Seit 1979 haben Grönland und die Antarktis rund 12,5 Billionen Tonnen Eis verloren. Dadurch ist der globale Meeresspiegel um etwa 3,2 Zentimeter gestiegen, wie eine umfangreiche wissenschaftliche Studie zeigt. Die Forschenden stellen fest, dass der Eisverlust in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen hat, besonders seit den 1990er-Jahren.
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Dieser Artikel von Yolaine De Kerchove Dexaerde entstand in Kooperation mit Euronews
Den größten Anteil des Verlusts führen sie auf wärmere Meerestemperaturen zurück. Die höheren Temperaturen lassen Gletscher mehr Eis ins Meer schieben, was den Masseverlust der großen Eisschilde beschleunigt und ihre langfristige Stabilität gefährdet.
Für die Studie wurden Satellitendaten aus mehr als vier Jahrzehnten ausgewertet, um die Entwicklung der Eismassen genau zu verfolgen. Die Zeitreihe reicht für die Antarktis bis 1979 zurück, für Grönland sogar bis 1972, wodurch sich ein vergleichsweise umfassender Blick auf die Veränderungen der Eisschilde ergibt.
Die Daten zeigen, dass die Eisschilde in den 1970er- und 1980er-Jahren sowie bis in die 1990er-Jahre hinein vergleichsweise stabil blieben und nur moderate Schwankungen aufwiesen. Danach nahm der Eisverlust jedoch deutlich zu, und die stärkste Beschleunigung verzeichnen die Forschenden in den 2010er-Jahren.
Klarer Zusammenhang mit steigenden Temperaturen
„Wir sehen einen klaren Trend: Die großen Eisschilde verlieren immer mehr Masse, und das nimmt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt weiter zu“, sagt Inès Otosaka, Eisforscherin an der Northumbria University. Die Veränderungen hängen ihrer Einschätzung nach eindeutig mit steigenden Luft- und Meerestemperaturen zusammen, die direkt auf die Stabilität der Gletscher wirken.
Rund 84 Prozent des Eisverlusts gehen nach Angaben der Forschenden darauf zurück, dass mehr Eis in die Ozeane abfließt, weil sich die Gletscher schneller bewegen und abbrechende Eisberge ins Meer gelangen. Prozesse an der Oberfläche erklären die übrigen 16 Prozent und umfassen etwa Schmelzen durch höhere Lufttemperaturen und veränderte Niederschlagsmuster.
Wärmeres Meerwasser frisst Gletscher von unten an
Wärmeres Meerwasser frisst sich von unten und an den Rändern in die Gletscher und beschleunigt so ihren Vorstoß Richtung Ozean, was den Eisverlust weiter verstärkt. In Grönland zieht sich der Jakobshavn-Gletscher nach Angaben Otosakas um bis zu 50 Meter pro Tag zurück, was ihn zu einem der weltweit am schnellsten schrumpfenden Gletscher macht.
Seit 1979 hat der Eisverlust den globalen Anstieg des Meeresspiegels um etwa 3,2 Zentimeter verstärkt. Fachleute warnen, dass schon kleine Zuwächse große Folgen für Küstenregionen haben können, etwa häufigere Sturmfluten, stärkere Erosion und Schäden an Infrastruktur.
Wachsende Risiken für Millionen Menschen an den Küsten
Mit jedem zusätzlichen Zentimeter Meeresspiegel sind Schätzungen zufolge zwei bis drei Millionen weitere Menschen jedes Jahr von Überflutungen an den Küsten bedroht. Steigende Pegelwerte erhöhen auch das Risiko, dass Salzwasser in Süßwasserreservoire eindringt und Landwirtschaft sowie Trinkwasserversorgung beeinträchtigt.
Zwischen 2020 und 2023 hat der Eisverlust kurzzeitig etwas nachgelassen, was nach Einschätzung der Forschenden jedoch nur kurzfristige Wetterphasen widerspiegelt und keine Trendwende signalisiert.
Sie warnen zudem, dass die großen Eisschilde oft erst nach Jahrzehnten auf den Klimawandel reagieren und der Eisverlust also weitergehen könnte, auch wenn die Erderwärmung gestoppt würde. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Scientific Data“ erschienen.