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Warum Deutschland für die internationale Klima-Skeptiker Szene so wichtig ist

Wissenschaft

Stand: 28.08.2026 08:45 Uhr

Sommer 2026. Rekordtemperaturen. In Leipzig schmelzen sogar die Straßen, der öffentliche Nahverkehr ist lahmgelegt. Zeitgleich findet in Halle an der Saale eine Konferenz des Europäischen Instituts für Klima und Energie statt. Der Verein vertritt Positionen, die den menschengemachten Klimawandel ablehnen oder stark infrage stellen. Diese Zweifel sind kein Zufall, sie werden geschürt, von Organisationen aus den USA. Doch warum ist Deutschland für die internationale Klimaskeptiker-Szene so wichtig?

von MDR WISSEN

Es ist das heißeste Wochenende in diesem Jahr. In der Messehalle in Halle an der Saale stehen Tische zu langen Reihen aufgestellt, rund 150 Menschen sitzen da und lauschen sehr aufmerksam. Es fallen Sätze wie "CO₂ ist Leben, Freispruch für CO₂." oder "Das Klima hat sich schon immer gewandelt". Es ist die Konferenz des "Europäischen Instituts für Klima und Energie", kurz EIKE.

Dieser geringe Anteil an CO₂ hat keinerlei messbare Auswirkungen auf das Klima. Michael Limburg auf der EIKE-Konferenz

Das klingt seriös, nach Wissenschaft. Und schaut man auf das Programm, lächeln einem vertraute, profund klingende Namen entgegen: Princeton-University, University of Delaware, eine italienische Uni, die Uni in Köln. Institutsleiter hier, Analyst da. Aber sind darunter auch wirklich Klima-Experten? Auf Nachfrage, antwortet der Gründer von EIKE, Holger Thuß, mit einer Metapher:

Holger Thuß: Die Frage geht in die falsche Richtung. Wenn ich ein Bäcker bin, bin ich ja nicht gleichzeitig der Müller. Ich kaufe das Mehl nur ein.

Aber es heißt ja Institut. Das klingt doch nach Wissenschaft.

Holger Thuß: Ja, das ist Branding. Da ist auch nichts dagegen einzuwenden.

Branding, statt Expertise

Es ist Branding, sagt Thuß. Ein gutes Beispiel: Jonathan Cohler. Er ist per Video zugeschaltet aus den USA.

Sein Ziel: Mit nur einer Gleichung will er alle Berechnungen des Weltklimarats widerlegen. Er sagt: "Jede zentrale Aussage des Weltklimarats ist wissenschaftlich ungültig und schlicht falsch. Und das werde ich Ihnen in den nächsten Minuten beweisen." Sein Vortrag wirkt seriös, ist ein Feuerwerk an Tabellen, Details und Zahlen. Cohler ist unterhaltsam, streut Witze ein. Eine seiner ersten Folien weist ihn aus als: Angehöriger der Harvard Universität, mit entsprechender E-Mail-Adresse. Recherchen belegen: Cohler hat tatsächlich in Harvard studiert. Physik, Abschluss 1980. Doch danach wurde er Musiker. Seine heutige Verbindung zu Harvard: Er gibt dort gelegentlich Klarinettenunterricht.

Jonathan Cohler ist ein besonders gern gesehener Gast bei Konferenzen dieser Art. Und er ist damit nicht allein: Einige der Redner kommen aus den USA. Die EIKE-Konferenz wird vom amerikanischen Heartland-Institut unterstützt. Aber warum?

Barack Obama und die neue Klimapolitik

Das hat viel mit Barack Obama zu tun. 2009 wird er Präsident der USA und wirbt für eine neue Klimapolitik: Er will Geld in die Hand nehmen, um mehr erneuerbare Energien auszubauen. Und damit auch den CO2-Ausstoß zu senken. Großes Vorbild: Deutschland. Über die Energiewende wird so viel geredet, dass sie sogar ein fester Begriff im Englischen wird.

Den "Sonderweg", den Deutschland damals einschlägt, den will die Öl- und Gasindustrie in den USA auf jeden Fall verhindern. Denn damit könnte ihr lukratives Geschäft in Gefahr geraten. Ihr Kniff: Sie finanzieren über undurchsichtige Seilschaften Studien in Europa, die zu dem Schluss kommen: Die Energiewende ist schlicht zu teuer.

Zweifel säen im "Herz der Bestie"

Das alles nur, um sagen zu können: Selbst in Europa, selbst in Deutschland, ist man sich nicht sicher, ob das mit der Energiewende so eine gute Idee ist. Es geht darum, das große Vorbild ins Wanken zu bringen.

Europa, vor allem Brüssel, ist für mich das Herz der Bestie. Hier schlägt das Herz des Mythos von der Klimakrise. James Taylor, Präsident des amerikanischen Heartland-Instituts

In Amerika, sagt er weiter, kümmere sich schon niemand mehr ums Klima, auch weil er und sein Institut es geschafft haben, den Zweifel nach Europa zu tragen. Wenn es nach ihm ginge, hätten wir in zwei bis drei Jahren "gar keine idiotische Klimapolitik mehr". Was Taylor als Erfolg feiert, ist für viele Klimaforscher und politische Entscheidungsträger ein Warnsignal: Die Auseinandersetzung um die Klimakrise wird längst nicht mehr nur mit Fakten geführt, sondern auch mit gezielt gestreuten Zweifeln.

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