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Warum die Angriffe auf Russlands Wirtschaft Putin in die Hände spielen

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Warum die Angriffe auf Russlands Wirtschaft Putin in die Hände spielen – gefährliche Strategie?

Von: Bedrettin Bölükbasi

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Ukrainische Drohnen setzen russische Raffinerien außer Betrieb. Doch die Angriffe verschärfen auch die Dieselkrise – und spielen Moskau politisch in die Hände.

Moskau – Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien zeigen Wirkung. Drei der sechs größten Dieselproduzenten Russlands mussten ihre Produktion im September vollständig einstellen oder massiv zurückfahren. Gleichzeitig verschärft sich die Treibstoffkrise im Land – und die Angriffe sorgen international für steigenden Druck auf den Dieselmarkt.

Damit entsteht ein paradoxes Problem für Kiew: Die Angriffe sollen Russlands Kriegsmaschine treffen, können aber zugleich Moskau politische und wirtschaftliche Vorteile und Argumentationsgrundlagen verschaffen.

Ukraine-Krieg: Spielen die Angriffe auf Russlands Wirtschaft Putin in die Hände?

Nach einer Reuters-Analyse haben die Angriffe auf die sechs wichtigsten russischen Dieselraffinerien die Produktion erheblich beeinträchtigt. Die Kirischi-Raffinerie in der Region Leningrad steht demnach vollständig still, während die Anlagen NORSI und Wolgograd nur noch etwa ein Viertel ihrer Kapazität erreichen. Zusammen stehen die sechs Raffinerien für rund die Hälfte der russischen Dieselproduktion. Alle sechs wurden bereits von ukrainischen Drohnen angegriffen.

Die Folgen sind im russischen Inland zunehmend spürbar. In der Region Leningrad wurden wegen der angespannten Versorgungslage zeitweise Beschränkungen an Tankstellen eingeführt. Gouverneur Alexander Drosdenko bezeichnete die Maßnahmen am 15. September als „vorübergehend“ und kündigte an, sie sollten bis zum 1. Oktober gelten. „Die Situation bleibt schwierig“, sagte er.

Die Angriffe haben damit eine bereits bestehende Treibstoffkrise in Russland verschärft. Moskau reagierte unter anderem mit Exportbeschränkungen für Diesel, während gleichzeitig Preise steigen und der Verkauf von Treibstoff teilweise eingeschränkt wird. Für die Ukraine sind Raffinerien deshalb ein strategisches Ziel: Sie versorgen nicht nur den zivilen Markt, sondern sind auch für die russische Kriegswirtschaft von Bedeutung.

Ukraine-Krieg: Russland kann sich bei ukrainischen Angriffen als Opfer inszenieren

Doch genau hier beginnt das Problem. Die Folgen der Angriffe beschränken sich nicht auf Russland. Russland gehört normalerweise zu den weltweit wichtigsten Exporteuren von Diesel. Fällt ein Teil dieser Kapazität weg und hält Moskau zugleich an seinem Exportverbot fest, müssen andere Staaten auf alternative Lieferanten zurückgreifen.

Besonders deutlich wird das beim Blick auf die USA. Dort ist der Dieselpreis nach Angaben der Analyse von Will Gottsegen im Atlantic auf einen historischen Höchststand von 6,27 Dollar pro Gallone gestiegen – fast doppelt so viel wie Ende Februar. Die weltweite Dieselknappheit hat allerdings nicht nur mit den Angriffen auf russische Raffinerien zu tun. Ein wesentlicher Faktor ist der Krieg zwischen den USA und Iran sowie die faktische Schließung der Straße von Hormus.

Nach Einschätzung des Energieanalysten Andy Lipow haben russische Exportbeschränkungen infolge der ukrainischen Angriffe rund 800.000 Barrel Diesel pro Tag vom Weltmarkt genommen. Die Einschränkungen durch die Blockade der Straße von Hormus betreffen demnach weitere 1,2 Millionen Barrel täglich. Damit sind die ukrainischen Angriffe ein Faktor in der weltweiten Dieselkrise – aber nicht der einzige und laut mehreren von The Atlantic zitierten Experten auch nicht der entscheidende.

Auch CNN kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien verschärften zwar die ohnehin angespannte Lage, seien aber nicht allein für die steigenden Dieselpreise verantwortlich. Der Energiemarkt sei vielmehr von mehreren gleichzeitigen Störungen betroffen. Weltweit lag die Raffinerieproduktion auf ihrem Sommerhöhepunkt laut der Analyse um 4,2 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorjahresniveau.

Ukraine-Krieg: Trump ruft nach Energie-Waffenruhe

US-Präsident Donald Trump nutzt die Entwicklung dennoch, um Druck auf Kiew auszuüben. „Selenskyj muss eines tun: Er muss aufhören, den Diesel in Russland auszuschalten“, sagte Trump am Sonntag. Die Angriffe würden der Welt schaden. Später erklärte er zudem, der Anstieg der weltweiten Dieselpreise werde „größtenteils“ durch den Russland-Ukraine-Krieg und nicht durch den US‑Krieg gegen den Iran verursacht.

Experten widersprechen dieser Darstellung teilweise deutlich. Matt Smith vom Datenunternehmen Kpler sagte laut The Atlantic, die ukrainischen Angriffe seien „nicht gleichermaßen verantwortlich, geschweige denn der führende Faktor“ für die steigenden Dieselpreise in den USA. Selbst ein sofortiger Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine würde die globale Raffineriekapazität nicht unmittelbar wiederherstellen. Beschädigte Anlagen müssten erst repariert werden, stillgelegte Raffinerien könnten nicht von heute auf morgen wieder ihre volle Produktion aufnehmen.

Für Russland eröffnet die Debatte gleichzeitig eine politische Chance. Trump hatte zuletzt erklärt, Russland und die Ukraine hätten sich auf einen gegenseitigen Stopp von Angriffen auf Energieanlagen verständigt. Eine solche Vereinbarung existierte nach den vorliegenden Berichten jedoch nicht. Kremlsprecher Dmitri Peskow begrüßte Trumps Vorschlag und bezeichnete ihn als „sehr gute Idee“. Zugleich verlagerte er den Fokus auf russische Ölexporte und forderte eine Aufhebung der Sanktionen.

Ukraine attackiert russische Wirtschaft: Spielt das Putin in die Hände?

Damit kann Moskau die ukrainischen Angriffe als Beleg für eine angebliche Belastung der Weltwirtschaft darstellen und gleichzeitig eigene Exportbeschränkungen sowie die Sanktionen gegen Russland thematisieren. Für den Kreml ist das kommunikativ hilfreich: Aus Angriffen auf russische Raffinerien wird eine Debatte über die globale Energieversorgung – und über den Preis, den andere Länder für den Krieg zahlen.

Für die Ukraine bleibt die Strategie dennoch nachvollziehbar. Angesichts der russischen Raketen- und Drohnenangriffe und des Mangels an Luftverteidigung gehören Schläge gegen die russische Energieinfrastruktur zu den wenigen Möglichkeiten, die Moskaus Kriegsführung direkt auf russischem Territorium zu treffen. Gleichzeitig birgt die Strategie erhebliche Nebenwirkungen: Je länger Raffinerien ausfallen und Russland seine Exporte beschränkt, desto größer wird der Druck auf die internationalen Märkte.

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