Warum die Zeit manchmal im Schneckentempo verläuft und wann anders rast
Im Urlaub vergehen die Tage wie im Flug, im Wartezimmer dehnt sich jede Minute. Ein Wissenschaftler erklärt, warum unser Gehirn die Zeit so unterschiedlich wahrnimmt. Annemarie arbeitet als Hebamme in einem Krankenhaus. Sie hilft Frauen dabei, ihre Babys auf die Welt zu bringen. Manchmal wartet sie stundenlang darauf, dass eine schwangere Frau sie braucht. In der Zeit räumt sie auf, wischt Staub, prüft Medikamente. Aber vor allem guckt sie oft auf die Uhr. Manchmal muss sie aber auch drei Geburten gleichzeitig betreuen. Dann rast die Zeit wie ein Formel-1-Wagen. Zeit fliegt, Zeit kriecht Der Wissenschaftler Martin Korte von der Technischen Universität in Braunschweig kann das Gefühl von rasender und schleichender Zeit erklären: "Wenn besonders wenig passiert in unserem Leben, erleben wir Zeitspannen als besonders lang. Passiert besonders viel, erleben wir Zeit als besonders kurz." Warum das so ist, weiß der Professor auch: Unser Gehirn hat viel zu tun, wenn es neue Informationen verarbeiten muss. Das sind Momente, in denen wir etwas Tolles erleben, viel Neues passiert, wir lachen oder interessiert sind. Das Gehirn schafft es dann nicht, die Zeit auch noch genau zu messen. Geschieht dagegen sehr wenig und wir langweilen uns, kann das Gehirn die Zeit messen. Es hat sozusagen gerade nichts Besseres zu tun. Aber: Wenn wir uns erinnern, ist es genau andersherum. Die Zeit, die wie im Flug vergangen ist, dehnt sich in der Erinnerung aus. Wir erinnern uns haargenau an die ganzen Abenteuer in den Ferien. Wenn man aber nur am Strand gelegen hat, wirkt die Zeit in der Erinnerung wie eine Momentaufnahme. Was ist eigentlich Zeit? Martin Korte beschreibt das so: "Zeit ist das, was zwischen der Vergangenheit und der Zukunftsplanung liegt. Also das, was wir momentan erleben." Kinder können Momente besser genießen Kleine Kinder sind übrigens gut darin, den aktuellen Moment zu genießen. Denn sie haben noch kein Zeitgefühl. Sie können die Uhr noch nicht lesen. Ihnen fehlen auch Erfahrungen, wie lange Ereignisse dauern. Empfehlungen der Redaktion Warum manche Menschen immer zu spät kommen – aber nichts dafür können Hang zum Overthinking? Diese Tools helfen Schon wieder über eine Nichtigkeit aufgeregt? Was dahinterstecken kann Für alle Menschen gilt: Erleben wir etwas zum ersten Mal, erinnern wir uns genau daran. Deshalb bleibt ungefähr aus den Lebensjahren zwischen 10 und 25 besonders viel im Gedächtnis hängen. In dieser Zeit passt viel zum ersten Mal: das Ende der Grundschule, der Beginn einer Ausbildung oder des Studiums oder auch die erste Liebe. Gibt es einen Trick, um die Zeit anzuhalten? Martin Korte meint: "Das kann keiner wollen." Sobald wir das versuchen, werden wir aus dem Erlebnis gerissen, das uns gerade so viel Freude macht. (dpa/bearbeitet von mak)