Warum es für Trump schwer wird, Karoline Leavitt zu ersetzen
Karoline Leavitt war die jüngste Pressesprecherin in der Geschichte des Weißen Hauses, als sie im Januar 2025 mit 27 Jahren zum ersten Mal ans Podium trat. Sie brauchte keine Minute, um in den Job zu finden. In magentafarbenem Blazer und mit auffälliger Kreuzkette um den Hals schoss Leavitt in einer Art los, wie sie in den nächsten eineinhalb Jahren ihr Markenzeichen werden sollte. Sie kritisierte die traditionellen Medien, verteidigte Donald Trump scharf gegen kritische Fragen und mokierte sich über seinen Vorgänger Joe Biden. Es sei ein chaotischer Job, der sie rund um die Uhr in Beschlag nehme, sagte sie wenige Wochen später. Aber sie mache ihn für ihren damals sieben Monate alten Sohn und alle amerikanischen Kinder, „um dieses Land besser zu machen“. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Am Mittwoch waren es ihre Kinder, die Leavitt anführte, als sie ihren Rücktritt bekannt gab, drei Monate nach der Geburt ihrer Tochter. Es sei ihr größte Ehre und größtes Abenteuer gewesen, schrieb die Sprecherin auf der Plattform X. Sie habe jedoch festgestellt, dass sie die Arbeit nicht machen und gleichzeitig die „beste Mutter“ sein könne. Das habe sie zu dieser „bittersüßen“ Entscheidung bewogen. In üblicher Manier beendete sie den Beitrag mit einem Seitenhieb auf die „immer extremistischeren“ Demokraten, die alles Gute in Amerika zerstören wollten. Ihr Kampf, schrieb Leavitt, trete in eine neue Phase ein, sei aber keineswegs beendet. Abkehr von den Höflichkeitsregeln Trump hatte die Regeln der präsidentiellen Kommunikation schon in der ersten Amtszeit verändert: Er wandte sich häufig selbst über soziale Medien an die Öffentlichkeit, widersprach bisweilen seinen Sprechern und nahm keine Rücksicht mehr auf die üblichen Höflichkeitsregeln. In seiner zweiten Amtszeit folgte Leavitt diesem Beispiel. Als die CNN-Journalistin Kaitlan Collins im Mai vergangenen Jahres nach Belegen für Trumps Behauptung fragte, die Begnadigungen von Joe Biden seien wegen automatisch gesetzter Unterschriften ungültig, entgegnete die Sprecherin: „Du bist Journalistin. Du solltest das herausfinden.“ Fünf Monate später veröffentlichte Leavitt selbst einen Austausch mit einem Journalisten der „Huffington Post“, der schriftlich mehrere Fragen zu einem geplanten Treffen Trumps mit Wladimir Putin gestellt hatte. Er schrieb: „Wer hat Budapest vorgeschlagen?“ Leavitt antwortete: „Deine Mutter.“ Als der Mann fragte, ob sie das witzig finde, schrieb sie, er sei ein „linksradikaler Spinner, den niemand ernst nimmt“. Er solle aufhören, ihr seine „hinterhältigen, voreingenommenen Scheißfragen“ zu schicken. Persönliche Angriffe Leavitts An anderer Stelle sagte Leavitt in einem Wortgefecht mit einem Journalisten der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) über Zölle, es sei „beleidigend“, dass er ihre Wirtschaftskenntnis und die Entscheidungen des Präsidenten infrage stelle. Sie „bereue“ es, der AP in der Presskonferenz eine Frage zugestanden zu haben. Später versuchte das Weiße Haus, der Agentur die Akkreditierung zu entziehen, weil sie nicht „Golf von Amerika“ schreiben wollte. Ein Gericht hob die Entscheidung auf. Im Februar dieses Jahres beendete Leavitt eine Pressekonferenz abrupt, nachdem sie zur Haltung der Regierung gegenüber Handelsminister Howard Lutnick gefragt worden war. Lutnick hatte zuvor vor dem Kongress über seine Beziehung zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ausgesagt. In Leavitts Amtszeit fiel die Veröffentlichung der Epstein-Akten, es kam zum „Signal-Gate“, bei dem ranghohe Regierungsmitglieder in einem Chat versehentlich mit einem Journalisten über Angriffe auf die Huthi diskutierten, und der Irankrieg begann. Sie war von Beginn an bemerkenswert schnell darin, jegliche Kritik abzublocken. Es ist üblich, dass sich die Pressesprecher und Journalisten im Weißen Haus mit Namen kennen. Leavitt aber ging zu persönlichen Angriffen über. Bei kritischen Fragen warf sie Journalisten Sätze entgegen wie: „Sind meine Pressebriefings nicht gut genug für dich?“, „Ich nehme keine Fragen mehr von dir“ oder „Ich habe gesehen, dass du bei meiner letzten Antwort das Gesicht verzogen hast“. Für Präsident Trump dürfte es schwer werden, das trotzige Dauerfeuer Leavitts zu ersetzen. Er lobte seine bis Ende August ausscheidende Sprecherin zum Abschied in höchsten Tönen: Sie sei wunderbar, eine seiner engsten Vertrauten, eine „echte Anführerin“ und eine der besten Sprecherinnen in der Geschichte des Weißen Hauses. Sie bleibe als „führende außenstehende Beraterin“ an seiner Seite, schrieb er am Mittwoch auf seiner Plattform Truth Social. Wer Leavitt nachfolgen könnte, ließ er offen.