Warum Jürgen Klopp bei Eintracht Frankfurt genau hinschaut
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Warum Jürgen Klopp bei Eintracht Frankfurt genau hinschaut
Von: Christopher Michel
Bundestrainer Jürgen Klopp nominiert am Donnerstag seinen ersten Kader. Dabei richtet sich sein Blick wohl auch auf Eintracht Frankfurt.
Frankfurt/Mainz – Bundestrainer Jürgen Klopp hat sich die Chance am Samstagnachmittag nicht entgehen lassen und bei seinem Ex-Verein FSV Mainz 05 vorbeigeschaut. Der Gegner der Rheinhessen war Eintracht Frankfurt. Und mit Blick auf den Aufstellungsbogen fiel Erstaunliches auf: Trainer Adi Hütter startete mit sechs deutschen Akteuren – und wechselte im Laufe der Partie noch zwei weitere ein.
Wenn Klopp am Donnerstag seinen Kader für die vier anstehenden Nations-League-Partien nominiert, könnten auch Spieler der Eintracht dabei sein. Noah Atubolu wird zugetraut, Teil des Torhüterteams der Zukunft zu sein. Er legte mit dem sechsten gehaltenen Bundesliga-Strafstoß in Serie den Grundstein für den 3:1-Sieg.
Burkardt ist Schlüsselspieler bei der Eintracht
Ganz vorn reift Leader Jonathan Burkardt mehr und mehr zur Schlüsselfigur. Der Angreifer setzte mit Treffer und Vorlage gegen den Ex-Klub ein Ausrufezeichen. Der 26-Jährige ließ nach Abpfiff durchblicken, wie viel ihm ein Klopp-Anruf bedeuten würde: „Das wäre schön, wer hofft nicht darauf? Das Wichtigste ist aber, dass wir als Eintracht Frankfurt in die richtige Richtung gehen. Dann wird auch alles Weitere kommen.“
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Eine etwas schwierigere Phase durchlief zuletzt Robin Koch. Der Kapitän musste zurecht scharfe Kritik aushalten. Er antwortete mit einer kämpferisch starken Leistung und gewann 64 Prozent seiner Zweikämpfe. Die einzige Schrecksekunde, als sein Rückpass etwas zu kurz geriet, bügelte Atubolu gedankenschnell aus (26.). Koch tat die Umstellung auf eine Dreierkette sichtlich gut. Der Weg zurück zu Klopp ist aber wahrscheinlich noch ein weiter.
Sportvorstand Markus Krösche hat die Struktur im Team in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt umgestellt. Vor allem um Noel Aseko hat der Manager hart gekämpft. Trotz dessen Knieverletzung holte er ihn für rund zwölf Millionen Euro vom FC Bayern München. Krösche wollte diese Gelegenheit nicht ungenutzt lassen. Aseko hat das Potenzial zum A‑Nationalspieler.
Hütter ließ ihn erstmals starten, obwohl er – wenn überhaupt – erst bei 70 Prozent seiner körperlichen Verfassung angekommen ist. Was Aseko zeigte, machte Lust auf mehr. Er gewann 57 Prozent seiner Zweikämpfe. In Erinnerung blieb seine Spieleröffnung in Minute 40, als er an der eigenen Seitenauslinie vier Mainzer umkurvte und eine spannende Umschaltsituation einleitete.
„Noel hat sein Potenzial gezeigt“, stellte Hütter zufrieden fest. Er wird nach seiner langen Pause noch Zeit benötigen, bis er sein Maximum erreicht. Sollte Aseko die ihm angedachte Entwicklung nehmen, wird Klopp am bissigen Mittelfeldspieler kaum vorbeikommen. Ob der aufgrund der Veränderung der Grundformation erst später eingewechselte Younes Ebnoutalib auch bald eine Chance beim Bundestrainer erhält, bleibt offen – aber möglich.
Als Klopp am 2. September beim Training der Frankfurter vorbeischaute, führte er viele Einzelgespräche. Ebnoutalib steht vor der Entscheidung, ob er zukünftig für Marokko oder Deutschland aufläuft. Klopp hat den Angreifer, der an allen vier Frankfurter Treffern an den ersten beiden Spieltagen beteiligt war, definitiv auf dem Zettel. Die Konkurrenz im Sturm ist jedoch groß.
Aseko, Maluze und Baum sind verheißungsvolle Eintracht-Youngster
Inzwischen reifen auch die ersten Akteure aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum heran. Die bisher größte Überraschung ist Jeremiaha Maluze. Der 21-Jährige wechselte vor einem Jahr aus Erfurt in die Hessenliga zur zweiten Mannschaft. Krösche verlängerte kurz vor dem Saisonstart dessen Vertrag vorausschauend bis 2031.
Maluze überzeugte bei seinen Einsätzen in Berlin (3:3) und Mainz, wo er sogar zum Vorlagengeber mutierte. Er muss jetzt seine ersten Schritte auf einem spannenden Karriereweg gehen. Der Beginn ist jedoch verheißungsvoll. Er hat den Schwung aus einer starken Vorbereitung mit in den Alltag genommen und sich als ernsthafte Abwehroption entpuppt.
Die Performance von „Marathonmann“ Elias Baum ging da beinahe schon unter. Der Rechtsverteidiger stand nur 87 Minuten auf dem Feld und überragte dennoch mit zwölf gelaufenen Kilometern. Hütter hatte den 20-Jährigen unter der Woche noch den Rücken gestärkt. Baum dankte es mit einem stabilen Auftritt in Mainz.
Er unterstützte vor dem Konter, der zum 1:0 führte, Ritsu Doan bei dessen Kampf um den Ball. Baum leitete das Leder gedankenschnell zu Burkardt, der Can Uzun auflegte. Diese Geschichte ist für die Eintracht sehr viel wert – sportlich und emotional. Baum ist in Frankfurt geboren, er durchlief alle NLZ‑Stationen. Sollte er ganz oben den Durchbruch schaffen, dann wäre er ein Vorbild für weitere Talente aus dem eigenen Stall.
Bundestrainer Klopp hat selbst einst für die Eintracht gespielt
Was sich gezeigt hat beim ersten Eintracht-Sieg seit April dieses Jahres: Das gesamte Kollektiv hat beim Auftritt in der Mewa-Arena von der neuen Kompaktheit profitiert. Dadurch können auch einzelne Spieler wieder glänzen. Mario Götze gefiel noch mit einer Vorlage als Joker und Nnamdi Collins kehrte erstmals nach langer Verletzungspause auf die Bank zurück. Spätestens nach der Länderspielpause sollte auch Ansgar Knauff nach seiner Oberschenkelblessur dabei sein.
Sie alle wollen dabei helfen, die Frankfurter wieder in die Erfolgsspur zurückzubringen. Die Eintracht hat letztmals im November vergangenen Jahres zwei Bundesligaspiele am Stück gewonnen (10. Spieltag gegen Mainz (1:0)/11. Spieltag in Köln (4:3)). Diesen Negativlauf gilt es zu durchbrechen. Der Erfolg bei den 05ern darf, bei aller berechtigten Erleichterung im Umfeld, dabei nur der erste Schritt gewesen sein. Die Verantwortlichen wissen das aber richtig einzuschätzen.
Die Eintracht wird in Zukunft daher nicht automatisch sieben oder acht deutsche Nationalspieler stellen. Doch Klopp, der in der Saison 1987/88 für die zweite Mannschaft der Hessen spielte, ist nach Informationen von Absolut Eintracht angetan von dieser Entwicklung der Frankfurter. Aktuell haben wohl Atubolu und Burkardt die größte Chance auf eine Nominierung. Doch Jürgen Klopp wird sich in Zukunft wohl noch häufiger im Frankfurter Stadtwald blicken lassen.