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Sorge um „letzten unerforschten Ort der Antarktis“ – Forscher aus 14 Ländern schlagen Alarm

Von: Tanja Banner

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Das Wilkes-Becken in der Antarktis ist kaum erforscht – und genau das macht Klimaforschern Angst. Was sie bisher wissen, reicht zum Alarmschlagen.

Antarktis – Lange Zeit galt das Augenmerk der internationalen Polarforschung hauptsächlich der Westantarktis. Dort verliert der berüchtigte „Weltuntergangsgletscher“ Thwaites rund 50 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr, während sich dramatische Bruchspalten durch sein Schelfeis ziehen. Während der Westen als hochgradig instabil eingestuft wurde, galt die Ostantarktis lange als robuster und stabiler Kältepol. Nun zeigt sich jedoch: Auch der riesige Osten des Kontinents ist verwundbarer als gedacht.

„Lange Zeit war die [westantarktische] Eisschicht zweifellos anfälliger, und wir wussten, dass sie anfällig war. Als [mein Team] und ich unsere Karrieren begannen, hätte keiner von uns gedacht, dass die Ostantarktis – die so viel größer, so viel kälter und so viel dicker ist und in einer kühleren Atmosphäre liegt – noch zu unseren Lebzeiten betroffen sein würde“, schildert Nancy Bertler vom Antarktis-Forschungszentrum der Victoria University of Wellington.

Wilkes-Subglazialbecken: 3 bis 4 Meter Meeresspiegelanstieg gebunden

Im Zentrum der Besorgnis steht das sogenannte Wilkes-Subglazialbecken in der Ostantarktis. Das gewaltige Gebiet speichert so viel Eis, dass ein vollständiges Abschmelzen den globalen Meeresspiegel um drei bis vier Meter anheben würde. Während die gesamte Ostantarktis rechnerisch sogar Eis für einen Meeresspiegelanstieg von über 50 Metern birgt, ist das Wilkes-Becken besonders anfällig, da sein Felsbett tief unter dem Meeresspiegel liegt.

Trotz dieser enormen Dimensionen ist das Areal nahezu unerforscht. „Das Wilkes-Subglazialbecken ist wohl der letzte unerforschte Ort in der Antarktis“, erklärt Matt King von der University of Tasmania. Gemeinsam mit einem internationalen Team aus 14 Nationen fordert der Leiter des Australian Centre for Excellence in Antarctic Science in einer aktuellen Publikation im Fachblatt Nature Reviews Earth & Environment eine koordinierte globale Forschungskampagne.

Die Bedingungen vor Ort sind extrem widrig: „Bislang hat sich noch kein Schiff auf weniger als 150 Kilometer der Stirnseite eines der wichtigsten Gletscher, des Cook-Gletschers, angenähert“, so King. Meterdickes mehrjähriges Meereis und Barrieren aus Tafeleisbergen machten Expeditionen in dieses Seegebiet bisher unmöglich.

Gefährliche Kettenreaktionen und verborgene Schmelzprozesse

Das Fehlen von Kartierungsdaten zum Meeresboden und den Tiefenströmungen verhindert bisher genaue Prognosen. „Es gibt keine vor Ort erhobenen Kartierungsdaten zum Meeresboden, und wir verfügen nur über sehr begrenzte Informationen zu den Meeresbedingungen, die das künftige Abschmelzen beeinflussen könnten“, unterstreicht King.

Klimaforscher warnen vor physikalischen Kipppunkten: Wenn warmes Tiefenwasser in die marinen Rinnen unter dem Eis vordringt, droht die sogenannte Marine Ice Sheet Instability (MISI). Dabei zieht sich die Aufsetzlinie des Eises landeinwärts immer schneller zurück. Hinzu kommt, dass physikalische Instabilitätsmechanismen an Eiswänden und Schelfeisen unkontrollierbare Abbrüche auslösen können. Zudem haben Satellitenmessungen enthüllt, dass auch dynamische Netzwerke subglazialer Seen unter dem Antarktiseis das Gleiten riesiger Eismassen in Richtung Ozean wie auf einem Schmiermittel beschleunigen können.

Warmzeiten als Mahnung: Forscher fordern Eisbrecher-Flotte im Wilkes-Becken

Bohrkerne und geologische Daten deuten darauf hin, dass das Wilkes-Becken in früheren Wärmeperioden der Erdgeschichte drastisch geschrumpft war. „Die Erkenntnisse aus vergangenen Warmzeiten reichen aus, um Alarm zu schlagen, dass dies eine Region ist, die wir viel besser verstehen müssen, aber es ist schwer, einen noch lebenden Wissenschaftler zu finden, der dort gewesen ist“, betont King.

Um die Wissenslücken zu schließen, fordern die Fachleute eine groß angelegte internationale Kampagne mit mehreren Eisbrechern und modernen Tauchrobotern. Geplant sind Tiefbohrungen durch die Eiskappe bis zum Grundgestein, um historische Schmelzphasen präzise zu rekonstruieren.

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