Warum manche Menschen Gefahren lieben
In der aktuellen Folge von „Aha! Zehn Minuten Alltagswissen“ spricht die Psychologin Hedwig Eisenbarth von der Victoria University of Wellington in Neuseeland über Risikofreudigkeit und weshalb Abenteuerlust auch evolutionäre Vorteile haben könnte. Warum manche Menschen Risiken lieben Menschen unterscheiden sich deutlich darin, wie gerne sie Risiken eingehen. Während einige Sicherheit bevorzugen, empfinden andere intensive Reize als besonders belohnend. Dahinter steckt unter anderem das Belohnungssystem im Gehirn. Manche Menschen reagieren stärker auf stimulierende Erfahrungen und suchen deshalb häufiger Situationen, die mit Aufregung oder Unsicherheit verbunden sind. Diese Unterschiede zeigen sich oft schon früh im Leben und werden sowohl durch genetische Veranlagungen als auch durch Erfahrungen geprägt. Einen einzelnen Auslöser oder gar ein „Adrenalin-Gen“ gibt es jedoch nicht. Vielmehr entsteht Risikobereitschaft aus dem Zusammenspiel verschiedener biologischer und psychologischer Faktoren sowie den Erfahrungen, die Menschen im Laufe ihres Lebens machen. Macht Risikoverhalten süchtig? Nicht jedes risikofreudige Verhalten entwickelt automatisch Suchtcharakter. Zwar können bestimmte Verhaltensweisen – etwa Extremsport oder andere stark stimulierende Aktivitäten – bei manchen Menschen ähnliche Mechanismen wie Suchterkrankungen auslösen. Dabei steigt mit der Zeit das Bedürfnis nach immer stärkeren Reizen, um das gleiche Maß an Befriedigung zu erreichen. Nach Einschätzung der Expertin gilt das jedoch keineswegs für alle Menschen, die gerne Risiken eingehen. Entscheidend ist, ob sich ein starkes Verlangen entwickelt und die Intensität der Reize immer weiter gesteigert werden muss. Insgesamt sind solche Entwicklungen bei Verhaltensweisen deutlich komplexer als bei klassischen Suchterkrankungen. Warum eine Gesellschaft von mutigen Menschen profitieren kann In einer Computersimulation untersuchte ein Forschungsteam um Prof. Eisenbarth, wie sich risikofreudige Persönlichkeitsmerkmale auf die Entwicklung einer Bevölkerung auswirken könnten. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Menschen, die häufiger Risiken eingehen, evolutionäre Vorteile für eine Gemeinschaft schaffen. Die Ergebnisse zeigen: Risikobereitschaft ist nicht grundsätzlich vorteilhaft. Unter Bedingungen knapper Ressourcen kann jedoch ein gewisser Anteil besonders risikofreudiger Menschen dazu beitragen, dass neue Ressourcen erschlossen werden. Zwar tragen diese Personen gleichzeitig ein höheres Risiko, durch ihr Verhalten früher zu sterben. Dennoch kann ihre Bereitschaft, unbekanntes Terrain zu erkunden oder Gefahren einzugehen, langfristig der gesamten Gruppe zugutekommen. Die untersuchten Eigenschaften wurden dabei im Rahmen der Studie gemeinsam mit einer stärkeren Selbstbezogenheit modelliert, um bestimmte Persönlichkeitsmerkmale realitätsnah abzubilden. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht auf alle risikofreudigen Menschen übertragen. Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von KI aus dem Transkript unseres Wissenschaftspodcasts erstellt. „Aha! Zehn Minuten Alltagswissen“ ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Darin klären wir, was es mit weitverbreiteten Mythen auf sich hat. Und welche Sie davon wirklich glauben können. Lindert ein Konterbier den Kater? Und härtet kaltes Duschen ab? Was stimmt wirklich – und was nicht? Wir gehen außerdem psychologischen Phänomenen auf den Grund: Der Angst, etwas zu verpassen zum Beispiel. Oder der Frage: Warum wir im Schlaf reden? Um all diese Fragen zu beantworten, sprechen wir mit Expertinnen und Experten, die uns helfen, die Welt noch besser zu verstehen. Faktenbasiert und auf dem aktuellen Stand der Forschung – und das alles in nur zehn Minuten.