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Warum selbst TSMCs Rekordgewinn nicht reicht und Chipaktien massiv einbrechen

Wirtschaft

Starke Zahlen verpuffen im Ausverkauf der Chipwerte

Speicherhersteller trifft es besonders hart

Zweifel an der Rendite der KI-Infrastruktur wachsen

TSMC hat im dritten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und die Markterwartungen übertroffen. Dennoch führen Chipwerte am Donnerstag die Kursverluste in Asien an. Anleger hinterfragen zunehmend, ob sich die milliardenschweren Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) tatsächlich auszahlen. Zudem belasten Sorgen vor steigenden US-Zinsen die teils hoch bewerteten Technologieaktien.

TSMC erzielt sechstes Rekordquartal in Folge

Der Nettogewinn des weltgrößten Auftragsfertigers für Halbleiter stieg im Jahresvergleich um 68,7 Prozent auf 763,06 Milliarden Taiwan-Dollar. Damit erreichte TSMC zum sechsten Mal in Folge ein Rekordniveau und übertraf den Analystenkonsens von 746,3 Milliarden TWD deutlich. Es war zudem das elfte Wachstumsquartal in Serie. Der Umsatz legte um 50,9 Prozent auf 1,49 Billionen TWD zu.

In US-Dollar summierte sich der Umsatz auf 46,72 Milliarden und lag damit über der Prognosespanne von 44,6 bis 45,8 Milliarden US-Dollar, die das Unternehmen im Juli ausgegeben hatte. Auch die Profitabilität blieb außergewöhnlich hoch: Die Bruttomarge erreichte 66,4 Prozent, die operative Marge 58,7 Prozent und die Nettogewinnmarge 51,1 Prozent. Die beiden erstgenannten Kennzahlen lagen allerdings unter dem Vorquartal, als TSMC Bruttomargen von 67,7 Prozent und operative Margen von 60,3 Prozent erzielt hatte.

Ein wichtiger Wachstumstreiber bleibt die Nachfrage nach fortschrittlichen Chips für KI-Anwendungen, für die unter anderem NVIDIA zu den wichtigsten Kunden zählt. Die modernsten Fertigungstechnologien gewinnen dabei an Bedeutung: Der Anteil der 3-Nanometer-Technologie am Waferumsatz erreichte 33 Prozent. Auf die neue 2-Nanometer-Technologie entfielen bereits 8 Prozent nach 3 Prozent im Vorquartal.

Speicherchip-Aktien geraten besonders stark unter Druck

Trotz der starken Zahlen gerieten Halbleiteraktien in Asien massiv unter Druck. Während sich die Verluste bei TSMC mit -2,01 Prozent auf 2.440 TWD noch in Grenzen hielten, traf es andere Branchenvertreter deutlich härter. Am stärksten litten die Speicherchip-Hersteller. Die Aktie von SK hynix brach an der Börse in Seoul letztlich um 10,85 Prozent auf 1.265.000 KRW ein. Samsung Electronics sackte daneben um 9,48 Prozent auf 210.000 KRW ab. Das japanische Unternehmen Kioxia beendete den Handel 13,27 Prozent tiefer bei 12.740 JPY. Auch in Taiwan prägten teils massive Kursverluste das Bild.

Die Abschläge setzten eine Verkaufswelle fort, die Sorgen vor zunehmender chinesischer Konkurrenz in der Halbleiterbranche ausgelöst hatten. Auslöser war ein Fortschritt von ChangXin Memory Technologies (CXMT) bei einem DRAM-Design mit höherer Speicherdichte, das mehr Daten aufnehmen kann. Die Entwicklung schürt Befürchtungen, dass chinesische Anbieter den Wettbewerb im Speichermarkt verschärfen könnten.

KI-Aktien unter Druck: Zweifel an der Rentabilität wachsen

Über die Konkurrenzsorgen hinaus wächst die Skepsis gegenüber dem KI-Boom insgesamt. Anleger fragen sich zunehmend, ob die hohen Ausgaben für Rechenzentren und KI-Infrastruktur langfristig ausreichende Erträge bringen. Broadcom-Chef Hock Tan warnte, manche KI-Investoren spielten faktisch.

Wie empfindlich der Markt auf solche Zweifel reagiert, zeigte sich bei CoreWeave. Die Aktie des auf KI-Infrastruktur spezialisierten Unternehmens fiel am Mittwoch an der NASDAQ um 15,46 Prozent auf 65,78 US-Dollar. Die 2032 fällige Anleihe des Konzerns notierte unter 78 Cent je US-Dollar Nennwert, nachdem sie bei der Ausgabe vor vier Monaten noch bei pari gelegen hatte.

Auch Anthropic lieferte keinen uneingeschränkt beruhigenden Impuls. Das Unternehmen teilte Investoren mit, im dritten Quartal einen Umsatz von 16,8 Milliarden US-Dollar erzielt zu haben. Das entsprach einem Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Zudem habe Anthropic eine bereinigte Profitabilität erreicht. Dennoch blieb der Umsatz hinter den Erwartungen mancher Investoren zurück. Zugleich nahmen die Sorgen über überzogene Bewertungen und die Rendite der hohen Infrastrukturausgaben zu.

TSMC-Aktie: Investitionspläne und Wachstumserwartungen im Fokus

Für TSMC rücken damit auch die Investitionspläne in den Mittelpunkt. Im Juli hatte der Konzern sein Investitionsbudget für das Gesamtjahr auf 60 bis 64 Milliarden US-Dollar angehoben. Damals reagierte die Aktie trotz der Rekordzahlen mit Abschlägen. Morgan Stanley hatte vor der Veröffentlichung der aktuellen Zahlen erwartet, dass TSMC seine Wachstumsprognose für 2026 auf den niedrigen bis mittleren 40-Prozent-Bereich anheben würde.

Ob sie auch die Aktienkurse stabilisieren können, hängt jedoch davon ab, ob der Konzern die hohen Erwartungen an das künftige Wachstum und die Rentabilität seiner Investitionen erfüllen kann.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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