DAX +0,15 % 26.338,61 Pkt 18:00:00 MDAX +0,29 % 32.356,98 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,14 % 6.530,45 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,71 % 53.459,78 Pkt 22:42:57 S&P 500 -0,69 % 7.745,06 Pkt 22:42:27 Nasdaq -0,59 % 26.644,91 Pkt 23:15:59 Nikkei -0,37 % 68.964,52 Pkt 02:48:00 Gold +0,28 % 4.486,40 USD 02:52:55 Silber +0,21 % 66,37 USD 02:51:58 Brent +0,23 % 91,08 USD 02:47:05 WTI +0,41 % 84,85 USD 02:52:29 Bitcoin -0,31 % 64.289,65 USD 03:02:59 EUR/USD +0,10 % 1,15850 USD 03:02:57 EUR/GBP +0,05 % 0,85480 GBP 03:03:02 EUR/CHF -0,16 % 0,93900 CHF 03:03:02 EUR/JPY +0,23 % 184,695 JPY 03:03:02

Warum wir im Straßenverkehr immer aggressiver werden

Wissenschaft

Interview Warum die Aggressivität im Straßenverkehr zunimmt Stand: 17.08.2026 16:57 Uhr Die Aggressivität im Straßenverkehr hat laut einer Langzeitstudie weiter zugenommen – auch bei Radfahrern. Die Studienautoren sehen auch mehr Hektik im Verkehr durch die parallele Nutzung digitaler Medien. Der Verkehrspsychologe Bernd Wiesner erklärt bei MDR AKTUELL, welche psychologischen und gesellschaftlichen Faktoren dahinterstecken – und was gegen aggressives Verhalten helfen könnte. von MDR AKTUELL MDR AKTUELL: Nahezu alle 23 ermittelten Werte für aggressives Verhalten haben sich seit der letzten Studie noch mal weiter verschlechtert, einige sogar deutlich. Können Sie uns kurz erklären, von welchen Werten wir da sprechen? Bernd Wiesner: Drängeln, dichtes Auffahren, Lichthupe, riskantes Überholen, Schneiden, zu frühes einordnen nach dem Überholen, sodass andere stark abbremsen müssen. Das sind gefährliche Fahrmanöver. Man kann aggressives Fahrverhalten aber auch in der Kommunikation und Gestik sehen, also zum Beispiel Lichthupe oder Dauerhupeneinsatz, Zeigen des Mittelfingers oder andere beleidigende Handzeichen. Auch das Herunterleiern der Seitenscheibe und lautes Schimpfen oder Gestikulieren. Es sind auch psychologische Macht und Blockadeaktionen. Also schulmeisterliches Verhalten. Ich fahr absichtlich langsam auf der linken Spur, zum Beispiel auf der Autobahn, um andere zu erziehen oder schlichtweg zu ärgern. Wie lassen sich solche Verhaltensweisen im Straßenverkehr aus psychologischer Sicht erklären? Es gibt Systembedingungen im Straßenverkehr. Das eine ist die Flüchtigkeit der Begegnung. Wir sehen die Menschen meistens nur einmal im Leben, aber eben auch rückmeldefrei. Man ist quasi in einer Blase und verhält sich deshalb sozial anders als in richtigen Situationen. Man ist quasi in einer Blase und verhält sich deshalb sozial anders. Bernd Wiesner, Verkehrspsychologe Ist der Ärger, den wir im Auto spüren, ein anderer Ärger als der, den man sonst im Alltag fühlt oder ist das das der Gleiche? Das ist der gleiche Ärger, aber ich bin eben nicht in einer sozialen Situation, wo ich sofort eine Rückmeldung bekomme. Und ich habe ja auch gelernt, mich beispielsweise im Beruf oder bei meinem Ehepartner so zu verhalten, dass der mir nicht gleich das Verhältnis aufkündigt, wenn ich mich dort so verhalte, wie sich eben manche im Auto verhalten. Der Studie zufolge beobachten wir Fehler im Straßenverkehr vor allem bei anderen und weniger bei uns selbst. Woran liegt diese verzerrte Wahrnehmung? Ich glaube, das geht uns allen so. Wenn ich meine Verkehrsstraftäter befrage, dann sagen die immer: "Ich bin ein guter, sicherer Kraftfahrer". Das heißt, weil der Straßenverkehr so rückmeldefrei ist, Unfälle nur ganz selten passiert, glaub ich eben, ich bin ein guter Fahrer. Ich verletze zwar manchmal die Regeln, aber insgesamt habe ich ja schon seit Jahren keine Unfälle mehr gehabt. Sie müssen sich vorstellen, ein Unfall mit Sachschaden passiert einmal alle 25 Jahre, mit Personenschaden, einer aller 40 Jahre. Unfälle passieren sehr selten und deswegen denke ich, ich bin ein guter Kraftfahrer. Die Forscher beobachten schon seit zehn Jahren, dass dieses aggressive Verhalten immer weiter zunimmt. Wie erklären Sie sich das? Zum einen haben wir ein gesellschaftliches Problem. Die Menschen verbringen immer mehr Zeit im Internet. Neun, zehn, elf Stunden ist so der Durchschnitt. Also wir werden neun bis elf Stunden täglich mit Informationen quasi bombardiert. Nicht nur im beruflichen Kontext, sondern auch in unserer Freizeit. Durchschnittlich drei bis vier Stunden hängen wir am Handy und dafür ist unser Gehirn nicht konstruiert. Diese massive Reizüberflutung von meistens auch sehr negativen Nachrichten, die macht mit uns Menschen was. Der Straßenverkehr ist für viele ein Ventil, um diesen Frust loszuwerden. Wir leben in einer Welt der Reizüberflutung. Durchschnittlich drei bis vier Stunden hängen wir am Handy und dafür ist unser Gehirn nicht konstruiert Bernd Wiesner, Verkehrspsychologe Wo könnte man diesen Frust denn sonst loswerden? Es ist schwierig, die Menschen wieder dazu zu bringen, sich mehr mit Spaziergängen im Wald zu erholen oder einfach nichts zu machen. Aber das wäre das Richtige. Wir müssen solche Delikte ahnden. Also gerade Drängeln, dichtes Auffahren. Das kann man eigentlich sehr gut mit technischen Geräten kontrollieren. Das heißt, wir müssen die Menschen einer Strafe zuführen. Dass die Rückmeldung dann doch kommt? Dass die Rückmeldung eben kommt. Nur dann sind sie ja auch zu einer Behandlung ihres verkehrsdevianten Verhaltens bereit. Und dann kann man auch durch Schulung, durch Therapie versuchen, die Menschen so zu beeinflussen, dass sie sich eben ruhiger und solidarischer im Straßenverkehr bewegen. MDR,AFP, dpa (ans,mbe)

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