Warum wir zweimal lachen - und das Gehirn dafür zwei getrennte Wege nimmt
tz Wissen Warum wir zweimal lachen – und das Gehirn dafür zwei getrennte Wege nimmt Von: Anne Bajrica Uns auf Google folgen Spontanes und bewusstes Lachen entstehen laut Forschern in unterschiedlichen Netzwerken des Gehirns – mit eigenen Aufgaben. London – Lachen verbindet Menschen. Es signalisiert Nähe, entschärft Spannungen und stimmt Gespräche aufeinander ab. Doch Lachen ist nicht gleich Lachen: Wer plötzlich losprustet und sich kaum beruhigen kann, nutzt offenbar andere Hirnregionen als jemand, der im Gespräch bewusst mitlacht. Forscher unterscheiden zwei getrennte Netzwerke – eines für spontane Heiterkeit und eines für kontrolliertes, soziales Lachen. Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Wissensmagazin SMART UP NEWS Wissenswertes aus Gesundheit und Ernährung, neuen Technologien, Umwelt- und Klimathemen sowie Psychologie und Lebensstil – smartup-news.de. Jeden Tag klüger. Wie unterschiedlich diese beiden Formen im Gehirn verarbeitet werden, beschreiben Forscher im Cell-Press-Fachjournal Trends in Neurosciences. Spontanes Lachen aktiviert demnach Regionen für Gefühle, Belohnung und Bewegung. Bewusst eingesetztes Lachen nutzt dagegen vor allem Bereiche, die Sprache sowie die Bewegungen von Gesicht und Mund steuern. Lachen im Gehirn nimmt zwei verschiedene Wege Spontanes Lachen bricht oft ohne bewusste Entscheidung hervor. Ein komischer Moment reicht, und der Körper übernimmt. Studienautorin Sophie Scott vom University College London beschreibt es so: „Denken Sie an das letzte Mal, als Sie lachten und nicht mehr aufhören konnten.“ Dieses Lachen könne unfreiwillig, heftig und zeitweise unkontrollierbar werden. Das zweite Netzwerk betrifft willentliches Lachen. Es begleitet Gespräche, signalisiert Zustimmung oder hält den sozialen Rhythmus aufrecht. „Das ist der größte Teil des Lachens, dem man begegnet“, sagt Scott. Menschen könnten es sehr schnell beginnen und ebenso schnell beenden. Häufig lachen Gesprächspartner gemeinsam am Ende eines Satzes und holen anschließend gleichzeitig Luft. Elektrische Reize lösen Lachen ohne Witz aus Die Forscher stützten sich unter anderem auf Berichte aus Operationen bei Epilepsiepatienten. Vor manchen Eingriffen reizen Ärzte einzelne Bereiche des Gehirns elektrisch. Die Patienten bleiben dabei wach. So lassen sich Regionen bestimmen, die später operiert werden sollen. Manchmal löst ein solcher Reiz unerwartet ein Lachen aus. Diese Situationen liefern seltene Einblicke. Echtes, spontanes Lachen lässt sich im Labor nur schwer hervorrufen. Während der Eingriffe können Patienten dagegen sofort beschreiben, ob sie Freude, Heiterkeit oder lediglich eine Bewegung im Gesicht spüren. Die Autoren verbanden diese Beobachtungen mit weiteren klinischen Befunden und Untersuchungen an Tieren. Zum spontanen Netzwerk zählen nach der Auswertung mehrere Bereiche für Gefühle, Motivation und Bewegung. Dazu gehören der prägenuale anteriore cinguläre Cortex, der Nucleus accumbens und der Temporalpol. Elektrische Reize in diesen Regionen lösten Lachen zusammen mit besserer Stimmung, Euphorie oder echter Heiterkeit aus. Anders reagierten Patienten bei der Stimulation des willentlichen Netzwerks. Dazu rechnen die Autoren das Rolandische Operculum, den Globus pallidus und die präsupplementär-motorische Area. Diese Regionen steuern Bewegungen beim Lachen und Lächeln. Die Betroffenen lachten, empfanden dabei jedoch keine entsprechende Freude. Ein Netzwerk bewegt den Mund ohne Heiterkeit Das spontane Netzwerk könnte sehr alt sein. Die Autoren bringen es mit dem spielerischen Raufen von Tieren in Verbindung. Lachähnliche Laute könnten dort signalisieren, dass ein Angriff nicht ernst gemeint ist. Sie entschärfen die Situation und stärken die Bindung innerhalb einer Gruppe. Mehrere Säugetierarten erzeugen bei sozialen Spielen vergleichbare Lautäußerungen. Das willentliche Netzwerk überschneidet sich dagegen mit Hirnbereichen für Sprache. Diese Nähe passt zum kontrollierten Lachen im Gespräch. Menschen setzen es gezielt ein, reagieren auf Aussagen und koordinieren ihr Verhalten mit anderen. „Es ist unglaublich präzise getaktet“, sagt Scott über dieses soziale Zusammenspiel. Warum Lachen entgleisen und Schmerzen lindern kann Die getrennten Netzwerke könnten auch erklären, warum sich Lachen bei manchen Erkrankungen verändert. Unkontrollierbare Lachanfälle treten unter anderem bei bestimmten Formen der Epilepsie auf. Auch bei Alzheimer, Schizophrenie und einigen Stimmungsstörungen kann Lachen anders wirken oder in unpassenden Situationen auftreten. Daneben interessiert die Forscher die schmerzlindernde Wirkung des Lachens. Der anteriore cinguläre Cortex gehört zum spontanen Netzwerk und wirkt zugleich an der körpereigenen Schmerzhemmung mit. Studienautor Fausto Caruana vom italienischen Nationalen Forschungsrat sagt: „Die Rolle dieser Schaltkreise bei der Schmerzregulation ist ebenfalls faszinierend.“ Weitere Untersuchungen sollen klären, welche Nervenbahnen dabei beteiligt sind. Kurz zusammengefasst: