Was die Daten zeigen
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Jahre nach der Pandemie: Was die Forschung über die Corona-Impfung weiß – und wo Betroffene heute stehen
Von: Sven Trautwein
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Die Übersterblichkeit blieb hoch, obwohl Millionen Menschen geimpft wurden. Warum daraus kein Beweis gegen die Corona-Impfung folgt und welche Nebenwirkungen bekannt sind.
Frankfurt – Jahre nach den ersten Corona-Impfungen ist die Debatte nicht verstummt: In Deutschland starben 2021 und 2022 mehr Menschen als im ersten Pandemiejahr. Zeitgleich lief die globale Impfkampagne an.
Für manche ist das ein scheinbarer Widerspruch – und ein Anlass, die Sicherheit der Impfstoffe infragezustellen. Doch was lässt sich aus den Daten tatsächlich ablesen?
Corona-Pandemie: Übersterblichkeit beschreibt ein statistisches Phänomen
Übersterblichkeit bedeutet, dass mehr Menschen sterben, als nach früheren Vergleichsdaten zu erwarten gewesen wäre. Die Zahl der Todesfälle insgesamt ist damit nicht automatisch gleichbedeutend mit einer impfbedingten Übersterblichkeit: Auch eine alternde Bevölkerung lässt die Sterbefallzahlen ohne außergewöhnliche Ereignisse ansteigen. Autopsien zeigen dabei deutlich, dass hohes Alter allein keine Todesursache ist.
Meist führen konkrete Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Krebs zum Tod, wobei das Alter lediglich die Verletzlichkeit erhöht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) starben in Deutschland 2020 rund 985.600 Menschen – etwa fünf Prozent mehr als 2019. Im Jahr 2021 waren es rund 1,02 Millionen, 2022 vorläufig etwa 1,06 Millionen.
Eine viel diskutierte Arbeit des Mathematikers Matthias Reitzner und des Psychologen Christof Kuhbandner kam für 2021 und 2022 auf eine höhere Übersterblichkeit als für 2020 und stellte eine zeitliche Korrelation zur Impfkampagne her. Fachleute sowie das Robert Koch-Institut (RKI) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weisen diese Schlussfolgerung jedoch entschieden zurück. Die Arbeit wurde in der Wissenschaft wegen schwerwiegender methodischer Mängel kritisiert – unter anderem, weil Veränderungen der Altersstruktur und die Dynamik der Infektionswellen nicht korrekt berechnet wurden.
Eine groß angelegte französische Studie mit 28 Millionen Teilnehmenden belegt hingegen, dass das Sterberisiko bei Geimpften insgesamt um 25 Prozent niedriger lag als bei Ungeimpften, was einen kausalen Zusammenhang zwischen Impfung und erhöhter Sterblichkeit höchst unwahrscheinlich macht. Die bloße Erwähnung der Studie ohne diesen Kontext würde ein falsches Bild einer vermeintlich gespaltenen Fachwelt zeichnen (False Balance).
Warum zeitliche Nähe keine Ursache beweist
Die gemeldeten Corona-Fälle stiegen laut RKI von rund 1,78 Millionen im Jahr 2020 auf etwa 5,44 Millionen im Jahr 2021 und mehr als 30 Millionen im Jahr 2022. Auch wenn die Werte wegen unterschiedlicher Testbedingungen nicht direkt vergleichbar sind, machen sie deutlich: Die Virusausbreitung ist ein zentraler Faktor, der nicht ausgeblendet werden kann.
Wenn eine Impfkampagne während einer massiven Infektionswelle intensiviert wird, fallen Impfungen und Todesfälle zeitlich zusammen, ohne dass ein ursächlicher Zusammenhang besteht. Aus den Auswertungen des PEI und internationaler Vergleichsstudien geht klar hervor, dass geimpfte Personen – insbesondere in höheren Altersgruppen – ein signifikant geringeres Risiko für schwere und tödliche Verläufe hatten als Ungeimpfte.
Differenzierte Betrachtung der Nebenwirkungen (PEI-Evidenz)
Dass die Impfstoffe nicht frei von Risiken sind, dokumentieren die Sicherheitsberichte des Paul-Ehrlich-Instituts als zuständiger Bundesoberbehörde detailliert. Häufige Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber oder Abgeschlagenheit klangen meist rasch ab. Bei den sehr seltenen, schweren unerwünschten Ereignissen zeigt sich eine klare Abhängigkeit vom Impfstofftyp:
mRNA-Impfstoffe (BioNTech/Moderna): Hier wurden in seltenen Fällen Herzmuskel- (Myokarditis) und Herzbeutelentzündungen (Perikarditis) registriert, die vor allem bei jüngeren Männern und männlichen Jugendlichen auftraten.
Vektor-Impfstoffe (AstraZeneca/Johnson & Johnson): Diese waren spezifisch mit dem Auftreten von sehr seltenen, aber schweren Hirnvenenthrombosen in Kombination mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom, TTS) assoziiert.
Das PEI ordnet das Risiko schwerer Nebenwirkungen über alle Stoffe hinweg im sehr niedrigen Bereich ein (wenige Fälle pro 10.000 Dosen). Auch der Begriff der „Langzeitfolge“ wird oft missverstanden: Er bezeichnet in der Vaccinology keine Schäden, die erst Jahre später schleichend beginnen, sondern sehr seltene Reaktionen, die erst bei der Anwendung an Millionen Menschen statistisch sichtbar werden.
Die Lage der Betroffenen: Post-Vac und Versorgungslücken
So eindeutig die wissenschaftliche Bilanz zum gesellschaftlichen Nutzen der Impfung ausfällt: Für Menschen, die von schweren Nebenwirkungen oder dem sogenannten Post-Vac-Syndrom betroffen sind, ist die Debatte keine rein statistische. Symptomatisch gibt es bei Post-Vac oft starke Überschneidungen mit Post-COVID-Erkrankungen – etwa dem Chronischen Fatique-Syndrom (ME/CFS), das Betroffene extrem schwächt. In der Praxis stehen Erkrankte jedoch vor großen Hürden.
Betroffene Familien in Hessen berichten von einer „Ärzteodyssee“. So sind Spezialambulanzen wie in Marburg heillos überfüllt und verhängen teils Aufnahmestopps. Für erkrankte Kinder und Jugendliche gibt es in ganz Hessen derzeit nur eine spezialisierte Anlaufstelle in Kassel. Spezialambulanzen an den Universitätskliniken sind stark überlastet, die Wartezeiten für Termine lang. Zudem verlaufen die Anerkennungsverfahren bei den Versorgungsämtern schleppend und bürokratisch. Entsprechende Anfragen an die zuständigen Behörden zum aktuellen Bearbeitungsstand laufen derzeit noch.
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