Was die Krankenhausreform für Schleswig-Holstein bedeutet
Stand: 07.10.2026 06:50 Uhr
Die Kliniklandschaft in Schleswig-Holstein steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Bei sechs Regionalkonferenzen hat das Gesundheitsministerium vorgestellt, wie genau die Reform ausgestaltet sein soll.
von Hauke von Hallern
In Schleswig-Holstein zeichnet sich ab, welche Krankenhäuser künftig welche Aufgaben übernehmen sollen. Das Gesundheitsministerium hat bei seinen Regionalkonferenzen nun erste Pläne für die einzelnen Regionen präsentiert. Dabei geht es auch um Standorte, die ihre stationäre Versorgung verlieren könnten. Klar ist nach Ansicht des Landes schon jetzt: Spezialisierte Behandlungen sollen stärker gebündelt werden, während eine wohnortnahe Grund- und Notfallversorgung erhalten bleiben soll.
Einige Kliniken verlieren ihren stationären Betten
Für kleinere Häuser wie die Praxisklinik Kronshagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) oder die Klinik Klosterstraße in Neumünster zeichnen sich nach den Plänen des Landes harte Einschnitte ab: Sie sollen zu rein ambulanten Zentren werden. Auch auf Fehmarn stehen Veränderungen an. Die dortige Inselklinik soll ebenfalls nur noch eine ambulante Versorgung anbieten. Das Gleiche gilt für die Kardiologische Klinik Neumünster. Die Inselklinik Föhr-Amrum in Wyk (Kreis Nordfriesland) soll ihre klassische Notaufnahme verlieren.
Vier neue Maximalversorger
Bisher gibt es mit den Universitätskliniken in Kiel und Lübeck zwei sogenannte Maximalversorger im Land. Künftig sollen auch die vier Krankenhäuser in Heide (Kreis Dithmarschen), Itzehoe (Kreis Steinburg), Rendsburg (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und das Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster das höchste Versorgungslevel anbieten.
Aber auch an fast jedem kleineren Standort sind Veränderungen geplant. In Eutin (Kreis Ostholstein) beispielsweise sollen künftig insbesondere komplexe chirurgische Eingriffe gebündelt werden. Dazu zählen Operationen an inneren Organen, am Bewegungsapparat und an Blutgefäßen. Außerdem soll die Neurologie nach Eutin verlagert und dort durch eine Stroke Unit sowie neurologische Frührehabilitation ergänzt werden.
Das sind die Krankenhaus-Versorgungsstufen
Gesundheitsministerin kritisiert Bundesvorgaben
Kritik übt Gesundheitsministerin von der Decken (CDU) am Bund: "Wir sind nicht ganz glücklich mit den teils sehr engen Vorgaben des Bundes - aber wir müssen und werden sie nun umsetzen." Da wo es nötig sei, würde sie die ihr verbliebenen gesetzlich vorgesehenen Entscheidungsspielräume nutzen. "Es ist mir wichtig, dass wir alles so früh und so transparent wie möglich kommunizieren. Wir haben daher die Krankenhäuser bereits im Frühjahr darüber informiert, welche Tendenzen sich abzeichnen", so die Gesundheitsministerin.
Pläne sind noch nicht final
Endgültig sind die Pläne noch nicht: Die Kliniken haben noch bis zum 31. Oktober Zeit, Einwände oder neue Qualitätsnachweise einzureichen. Es ist also gut möglich, dass an einzelnen Standorten noch nachgebessert wird. Verbindlich zugewiesen werden die Leistungsgruppen Ende Dezember, bevor der neue Krankenhausplan im Januar 2027 in Kraft tritt. Teilweise gibt es Übergangsfristen für die Häuser. An den sechs Regionalkonferenzen waren neben den Kliniken auch die Kommunen und die Politik eng eingebunden.
Land will Doppelstrukturen vermeiden
Ziel der Krankenhausreform ist es, bestimmte medizinische Leistungen künftig stärker an dafür geeigneten Standorten zu bündeln - vor allem bei komplizierten und planbaren Eingriffen. Gleichzeitig will das Gesundheitsministerium die Grund- und Notfallversorgung auch in ländlichen Regionen möglichst erhalten. Unterm Strich sollen so weniger Doppelstrukturen entstehen und die vorhandenen medizinischen und personellen Ressourcen gezielter eingesetzt werden.
Das kostet die Reform
Wie teuer die Krankenhausreform Schleswig-Holstein insgesamt kommt, steht noch nicht fest. Die Kliniken haben laut FDP-Landtagsfraktion bislang Transformationsprojekte im Umfang von rund 1,68 Milliarden Euro angemeldet. Für 2026 sind zudem rund 252 Millionen Euro an Krankenhausinvestitionen im Landeshaushalt vorgesehen.
Reformpläne stoßen auf Kritik
Kritiker der Krankenhausreform warnen in Schleswig-Holstein vor allem vor längeren Wegen und einer schlechteren Erreichbarkeit wichtiger Angebote. Besonders für ländliche Regionen und die Inseln wird befürchtet, dass der Abbau stationärer Strukturen auch die Notfallversorgung schwächen könnte.
Der SSW fordert deshalb, die Auswirkungen auf die Fläche stärker zu berücksichtigen. Die Gewerkschaft komba verlangt unter anderem eine gesetzliche Grenze für die Fahrzeit zur nächsten Notaufnahme. Auch die SPD-Landtagsfraktion warnt davor, dass aus der Reform ein reines "Standortabbauprogramm" wird.