Was die Rentenreform die deutsche Wirtschaft kosten könnte
Startseite Wirtschaft Rentenpläne der Merz-Regierung: Aktienrente könnte deutscher Wirtschaft erheblich schaden Von: Nils Thomas Hinsberger Uns auf Google folgen Mit Investitionen am Aktienmarkt soll die Rente stabilisiert werden. Doch das könnte zur Belastungsprobe für die Wirtschaft werden – und Tausende Jobs kosten. Frankfurt am Main – Die Bundesregierung will das deutsche Rentensystem umkrempeln. Nach dem jüngsten Koalitionsausschuss haben sich Union und SPD den 33 Empfehlungen der eigens dafür eingesetzten Rentenkommission verschrieben. Im „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ heißt es: „Der Bericht der Kommission ist wegweisend für unseren Sozialstaat, für den Wirtschaftsstandort Deutschland aber vor allem für die Gesellschaft insgesamt. Wir werden die darin enthaltenen Empfehlungen in einem Gesetzespaket umsetzen. Dieses wird bis Ende 2026 im Deutschen Bundestag verabschiedet.“ Eine wesentliche Änderung, die von der Kommission empfohlen wird, ist die stärkere Miteinbeziehung der kapitalgedeckten Rente. Heißt: Personen sollen sich nicht nur auf die umlagebasierte Rente verlassen, sondern durch kollektive Investitionen am Aktienmarkt ihre Bezüge verbessern. Ulrike Stein, Referatsleiterin für das Referat „Wirtschaftspolitische Beratung, Modellsimulation“ beim Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, hält wenig von dieser Idee. Sie warnt im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media vor einem weiteren Verlust der Kaufkraft und damit teils schweren Folgen für die deutsche Wirtschaft. Aktienrente: Plan der Merz-Regierung könnte BIP weiter schrumpfen lassen „Negativ sehe ich den Vorschlag der Kommission, die Kapitalrente einzuführen“, so Stein. Laut Kommission soll die Bundesregierung darauf hinarbeiten, dass künftig ein zusätzlicher Beitragssatz von zwei Prozentpunkten für die kapitalgedeckte Altersvorsorge erhoben wird. Der Zielwert soll schrittweise erreicht werden. „Weil das Geld in Finanzprodukten im Ausland angelegt wird – denn sonst könnte man nicht annähernd die Renditeziele erhalten – wird das Kaufkraft entziehen“, warnt Stein. Mit der klassischen staatlichen Altersrente werde Geld innerhalb der deutschen Wirtschaft verteilt. Würde hier der Beitragssatz angehoben, stiegen die Rentenzahlungen. Dadurch bleibe das Geld im System. „Wenn man nun den Beitragssatz erhöht und das zusätzliche Geld aus dem System herausnimmt, dann fehlt das an Kaufkraft. Bei zwei Prozentpunkten wären das dabei rund 40 Milliarden Euro im Jahr“, so Stein. „Für diesen Beitrag wird nichts nachgefragt. Das Geld ist weg und liegt im Ausland.“ Durch die Verlagerung ins Ausland stehe das Geld auch nicht für Unternehmensgründungen oder andere Standortinvestitionen zur Verfügung. Eine erste Berechnung des IMK habe gezeigt, dass die Einführung der Kapitalrente und der damit zu erwartende Rückgang bei der Kaufkraft, für erheblichen Schaden bei der deutschen Wirtschaft sorgen könnten. „Wir haben für eine Überschlagsrechnung geschätzt, dass es bis zu einem Prozentpunkt beim BIP kosten könnte – und auch bis zu 250.000 Jobs.“ Aktienrente: Diesen Plan will die Merz-Regierung umsetzen Die Rentenkommission hatte einen detaillierten Plan zur Einführung der sogenannten gesetzlichen Kapitalrente ausgearbeitet. Der sieht vor, einen zusätzlichen Beitrag von maximal zwei Prozent für die gesetzliche Rente einzuführen, der nach dem Vorbild des schwedischen Modells am Kapitalmarkt angelegt werden soll. Die Beiträge sollen zu gleichen Teilen vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen werden. Für die Anlage soll ein „öffentlicher, international wettbewerbsfähiger Fonds“ etabliert werden. Zudem sollen Beitragspflichtige aus einer weiteren begrenzten Zahl von Anlagemöglichkeiten wählen sollen. Die Kommission verspricht sich von dieser Maßnahme einen spürbaren Anstieg des Rentenniveaus. Mit dem Vorgehen soll einem größeren Teil der Bevölkerung der Zugang zum Aktienmarkt ermöglicht werden. Denn dieser habe sich über lange Zeiträume stets positiv entwickelt.