Was die Seegurke zum ewigen Leben beitragen kann
Seegurken genießen, wir wollen unseren Freunden in Fernost nicht zu nahe treten, bestimmt nicht wegen ihres Geschmacks oder der knusprigen Haut eine Sonderstellung in der chinesischen Küche. Eher schon aus Tradition: Sie zieren praktisch seit Urzeiten jedes Staatsbankett. Außen elastisch bis samtig-zäh, je nach Art des Schmorens, innen weich bis gelatinös – das muss man mögen. Leer gegessen aber werden Seegurken-Servierplatten praktisch immer, denn jeder weiß: Seltene Seegurken der Spitzenklasse können als ausgesuchte Delikatesse einige Tausend Dollar je Kilo kosten. Dabei ist in die Bemessung der Prestigequalität von Seegurken bisher noch gar nicht eingeflossen, dass das Tier noch weitere außerkulinarische Qualitäten aufzubieten hat. Psolus fabricii zum Beispiel, eine Kaltwasservariante aus dem nordisch-frostigen Meeresmilieu, hat in einem kanadischen Labor der Memorial-Universität auf Neufundland für nichts weniger als eine Revolution des Longevity-Paradigmas gesorgt. Ihr Trick: Unsterblichkeit in Scheiben. Der Grönlandhai, unbestritten der langlebigste Mitbewohner im Nordmeer, kann zwar mehr als vierhundert Jahre alt werden. Aber jetzt nehmen Sie dem Hai mal die Flosse weg? Der Seegurke jedenfalls macht das nichts. Sie regeneriert nicht nur schadlos Beinchen und Tentakeln wie andere Stachelhäuter auch, ihre Physiologie erlaubt es darüber hinaus, dass ihre abgetrennten Beine und Tentakeln sogar ein eigenes Leben führen. Mindestens drei Jahre lang ernährten sich die abgeschnittenen Gewebestücke ohne jedes Zutun von Nährstoffen, die sie im Meerwasser umspülten. Die Zellen teilten sich emsig weiter, sogar das arg verkrüppelte Immunsystem im abgetrennten Tentakel erholte sich rapide. Nicht dass der Mensch auf eine Fingerkuppe oder Nasenspitze zu reduzieren wäre.