Was Dieter Nuhr 2008 über Schülerinnen schrieb, sagt alles über ihn
Es gibt Texte, die man nicht vergisst. Nicht, weil sie gut sind, sondern weil sie so unverblümt zeigen, was jemand wirklich denkt. Dieter Nuhr hat 2008 für Focus Online aufgeschrieben, warum er kein Lehrer geworden ist. Und der Grund dafür ist leider gar nicht witzig, sondern absolut verstörend. Dieter Nuhr hat mal Lehramt studiert, den Beruf aber nie wirklich ausgeführt. Ob er ein guter Lehrer geworden wäre? Unklar, gibt er selbst zu. Er schreibt im Focus-Kommentar von 2008, dass er vermutlich einen "witzigen Unterricht hingekriegt" hätte. Aber das sei nicht die Hauptaufgabe der Lehrkraft. Es ist ja auch wichtig, dass man sich selbst gut einschätzen kann und weiß: Ach nee, der mal angedachte Beruf, der passt vielleicht doch nicht so zu mir. Warum Dieter Nuhr dann doch kein Lehrer geworden ist? Wegen der Schülerinnen. Das ist nicht witzig Man muss das kurz sacken lassen: Ein erwachsener Mann, 24 Jahre alt, steht vor einer Schulklasse. Schutzbefohlenen, ob sie nun 20 Jahre alt sind oder nicht. Das Machtgefälle existiert. Und was Nuhr aus der Unterrichtsstunde mitnimmt, ist kein pädagogischer Impuls, keine Reflexion über Verantwortung, sondern der Gedanke, dass die Anwesenheit von Mädchen ihn zum potenziellen Straftäter machen könnte. Und er schreibt das auf. Öffentlich. Als wäre es witzig. Die Frage, die sich beim Lesen unweigerlich stellt: Wie hat diese Szene eigentlich wirklich ausgesehen? Denn was Nuhr beschreibt, klingt weniger nach Erinnerung als nach Wunschbild. Wie viele Schülerinnen sitzen wohl tatsächlich in einer Schulklasse, Blusen bis zum Bauchnabel geöffnet, grinsend, auf den Praktikanten wartend? Die Realität in Schulklassen sieht anders aus. Was Nuhr beschreibt, ist kein Unterrichtsbesuch. Es klingt viel mehr wie eine Projektion. Dieter Nuhr und Schülerinnen: Was dieser Text über ihn verrät Das Erschreckende ist nicht nur der Text allein. Es ist auch die Tatsache, dass er veröffentlicht wurde. Wieso gab es niemanden, der Nuhrs Kommentar abgelehnt hat, der sagte: „Nein, diesen Artikel bringen wir nicht.“? Oder wenigstens jemanden, der sich 2008 in einem begleitenden Kommentar dazu positioniert hätte. Es ist beunruhigend, darüber nachzudenken, dass es vor 18 Jahren keinen Aufschrei dazu gab, dass eine Redaktion entschieden hat: Das bringen wir als ein harmloses Anekdötchen über einen Berufsweg, der sich nicht ergeben hat. Nichts an dieser Aussage Nuhrs ist harmlos. Es ist ein Mann, der Schülerinnen als sexuelle Bedrohung für seine eigene Straffreiheit wahrnimmt. Jemand, der durch solche Sätze auch das "Und was hattest du an?" als Frage nach einem Übergriff legitimiert, indem er von weißen Blusen, die bis zum Bauchnabel geöffnet waren, fantasiert. Wer heute Nuhrs vermeintliche Satire über Femizide kennt, über Frauen, die bei der Partnerwahl einfach besser hätten aufpassen müssen, für den ist der alte Focus-Text auch keine Überraschung. Es zeigt sich ein Muster. Die Verantwortung liegt immer woanders. Beim Outfit. Bei der Entscheidung, mit wem man schläft. Bei den Mädchen in der letzten Reihe.