Was für den CSD in Frankfurt in diesem Jahr geplant ist
Hessens größter Christopher-Street-Day (CSD) ist streng genommen nicht nur ein Tag, sondern dauert gleich vier Tage an: Von Donnerstag bis Sonntag gibt es in Frankfurt ein Programm mit Drag-Shows, Live-Musik, Poetry-Slams, politischen Debatten und sogar Gottesdiensten. "Herzstück" des CSD sei aber wie in jedem Jahr die große Demonstration am Samstag, betont CSD-Sprecher Sebastian Reggentin. Dort erwarte man rund 10.000 Teilnehmende, über die Tage verteilt rechnet das Veranstalter-Team mit etwa 150.000 Besucherinnen und Besuchern. Was steckt hinter dem diesjährigen Motto? Wo findet was statt? Was ist in diesem Jahr neu? Wo läuft die Demoroute entlang? Wie steht es um die Sicherheitslage rund um den CSD? Mit welchen Verkehrseinschränkungen ist zu rechnen? Was ist das Motto - und was wollen die Veranstalter damit sagen? Das diesjährige Motto des CSD Frankfurt lautet "Demokratie braucht keine Alternative!". Angesichts der politischen Lage in Deutschland und Europa habe das Motto nahegelegen, sagt CSD-Sprecher Sebastian Reggentin. Es sei als klare Abgrenzung zu verstehen gegen "gewisse Gruppierungen in Deutschland, die sich Alternative schimpfen", so Reggentin. Aber man wolle das Motto auch mit Positivem füllen: "Bei der Demonstration nehmen wir unsere Grundrechte wahr, die uns die Demokratie schenkt - und die werden wir feiern." Weitere Informationen Ursprung des CSD Den Ursprung hat der Christopher Street Day in New York. In der Nacht zum 28. Juni 1969 fand in der queeren Bar Stonewall Inn in der Christopher Street eine Razzia statt. Die Nacht war der Beginn eines mehrtägigen Widerstands gegen Polizeiwillkür, Gewalt und Diskriminierung. Ende der weiteren Informationen Wo findet was statt? Höhepunkt des CSD ist in jedem Jahr die große Demonstration am Samstag. Das Programm am Mainkai, zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke, beginnt jedoch schon am Donnerstag um 17 Uhr. Auf der Hauptbühne gibt es unter anderem eine Krav Maga-Aufführung und ein Open-Air-Kino. Ab Freitag gibt es dann auch auf der Kunst- und Kulturbühne sowie auf der Tanzbühne zahlreiche Shows, Konzerte und Performances sowie Talk-Runden zum Thema Vielfalt und Gleichberechtigung. Parallel dazu präsentieren sich am Mainkai auf der "Infomeile" Vereine, Gruppen und Initiativen aus der queeren Community der Stadt. Das Straßenfest soll bis Sonntag, 23 Uhr, dauern. Außerdem gibt es Freitag-, Samstag- und Sonntagabend im Stadtgebiet verteilt mehrere Partys, die Teil des CSD-Programms sind. Etwas besinnlicher geht es wohl in der Lutherkirche, in der Gethsemannkirche, in der Friedenskirche und im Kaiserdom zu: Dort finden das Wochenende über spezielle Gottesdienste zum CSD statt. Das detaillierte Programm findet sich auf der Webseite des CSD. Was ist in diesem Jahr anders als sonst? Es könnte in diesem Jahr der größte CSD werden, den es in Frankfurt bisher gab: Zumindest gemessen an der Anzahl der Wagen, die bei der Demonstration teilnehmen. Laut CSD-Sprecher Reggentin haben sich 120 Gruppen angemeldet, im letzten Jahr seien es knapp über 100 gewesen. Allerdings lasse sich von der Zahl der Wagen nur bedingt auf die Zahl der Menschen schließen, die letztlich mitdemonstrieren, so Reggentin. Neu sei in diesem Jahr ein Sportbereich auf der Infomeile, der vom Frankfurter Volleyballverein betreut wird. Auch andere Sportarten könne man dort ausprobieren. "Und was wir dieses Jahr auch neu haben, ist die Save-Now-App", sagt Reggentin. Wer die App runtergeladen habe, könne mit einem Klick das Awareness- oder Security-Team des CSD informieren und den GPS-Standort schicken, sodass schnell Hilfe geleistet werden könne - in Fällen, in denen man sich nicht direkt an die Polizei wenden wolle. Wo läuft die Demoroute entlang? Die CSD-Demonstration soll am Samstag um 11 Uhr auf dem Römer mit einer Kundgebung beginnen. Dort wird dann auch auf dem Balkon des Rathauses die Regenbogenflagge gehisst. Schon zwei Stunden vorher, um 9 Uhr, beginnt die Aufstellung für die Demo am Willy-Brandt-Platz. Vom Römer aus geht es dann in einem Bogen einmal durch die Innenstadt: Über die Fahrgasse in Richtung Rossmarkt, von dort weiter zur Mainzer Landstraße, wo es wieder in Richtung Osten bis zur Konrad-Adenauer-Straße geht. Dort geht es dann geradeaus hinunter zum Main, der über die Alte Brücke überquert wird. Am südlichen Mainufer löst sich der Demozug dann etwa gegen 16.30 Uhr auf. Wie bewertet die Polizei die Sicherheitslage des CSD? Der CSD habe im Vergleich zu den anderen angemeldeten Demonstrationen "den Charakter eines Festzuges", sagt Polizeisprecher Klemens Hahn. Man gehe von einem störungsfreien und friedlichen Verlauf aus. "Sollte es dann doch zu vereinzelten Straftaten kommen, bitten wir alle potenziellen Geschädigten, umgehend mit uns Kontakt aufzunehmen", so Hahn. Auch wegen weiterer angemeldeter Versammlungen - unabhängig vom CSD - sei die Polizei am Wochenende "mit starken Kräften im Stadtgebiet vertreten". Auch CSD-Sprecher Sebastian Reggentin zeigt sich mit Blick auf die Sicherheitslage entspannt. Im Vergleich zu kleineren CSDs im ländlichen Raum brauche es in einer Großstadt wie Frankfurt weniger Mut, mit der queeren Community gemeinsam auf die Straße zu gehen. "Uns schützt natürlich auch die Masse", sagt er. Um die Sicherheit für alle Beteiligten zu erhöhen, gilt laut den CSD-Veranstaltern auf dem gesamten Gelände des CSD ein Waffenverbot, ein Cannabisverbot sowie ein Verbot von mitgebrachten Glasflaschen oder anderen Glasbehältern. Mit welchen Verkehrseinschränkungen ist zu rechnen? Am Samstag sind laut der Frankfurter Polizei neben der CSD-Demo mehrere weitere Demonstrationen in der Innenstadt angemeldet. Unter anderem wurde eine Versammlung mit dem Titel "Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und Gewehren" angemeldet, für welche die Stadt ein Verbot prüft (Stand: 15.07.). Zu dieser Versammlung ist zudem eine Gegendemonstration angemeldet. Klar ist laut Polizeisprecher Klemens Hahn deshalb: "Es wird zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen." Besonders im Innenstadtbereich sei sein Tipp, das Auto an dem Tag stehen zu lassen.