Was hat es mit Sichtungen von Kugelblitzen auf sich?
Sie sind weiß bis gelb-orange, manche zischen oder knallen, andere sind still, die meisten kugelrund: Die Berichte über angebliche Sichtungen von Kugelblitzen sind sehr vielfältig. Wissenschaftlich geklärt ist die Ursache von Kugelblitzen aber noch nicht. Was steckt dahinter?
Kugelblitze sind ein Phänomen in der Atmosphäre, für das es noch keine allgemeine naturwissenschaftliche Erklärung gibt. Umso wichtiger sind Augenzeugenberichte, um mögliche Gemeinsamkeiten der Erscheinungen zu entdecken. In der Wissenschaft wird über die Existenz von Kugelblitzen noch immer diskutiert, manche halten sie nur für Halluzinationen.
Für den Meteorologen und Psychologen Alexander Keul von der Universität Salzburg sind Kugelblitze hingegen eine "substanzielle Naturerscheinung". Er nimmt seit rund 50 Jahren Falluntersuchungen bei Kugelblitzbeobachtungen vor. In dieser Zeit sei es bei keiner einzigen Sichtung zu ernsthaften Verletzungen bei Menschen oder zu nennenswerten Schäden gekommen, sagt Keul.
Über die Internetseite kugelblitz.at kommt Keul mit Augenzeugen von Kugelblitzsichtungen in Kontakt. Von Juni bis September dieses Jahres hat er elf ernsthafte Meldungen entgegennehmen können – dreimal mehr als 2024 oder 2025. Dabei habe es in diesem Jahr weder mehr Gewitter noch mehr Blitze als sonst üblich gegeben. Möglicherweise habe aber der heiße Sommer dazu beigetragen, dass mehr Energie in der Atmosphäre vorhanden war, vermutet Keul. Das erkläre womöglich auch Abweichungen von langjährigen Statistiken: So seien fünf der Kugelblitze den Augenzeugen zufolge weiß gewesen, einer "weißgelb" und fünf gelb bis gelb-orange; sonst gibt es sehr viel weniger Berichte über weiße Kugelblitze.
Acht Objekte schwebten den Schilderungen zufolge auf der Stelle, während sich die meisten Kugelblitze sonst gleichförmig oder irregulär bewegen. Sieben Sichtungen waren mit einem – teilweise extrem lauten – Knall verbunden, was nach Keuls Erfahrung in der Regel nur auf ein Drittel der Sichtungen zutrifft. Allerdings vermutet Keul in mindestens zwei Fällen, dass der Knall von einem Blitz herrührte und nicht von einem Kugelblitz.
Sichtungen von Kroatien bis Wismar
Die Orte in Keuls Berichten verteilen sich auf eine große Fläche: von der Stadt Mali Losinj in Kroatien bis nach Ratzeburg in Schleswig-Holstein und Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. In allen Fällen waren Gewitter in der Nähe, aber nicht immer führte die Analyse der Wetter- und Blitzdaten zu einem Blitz, der möglicherweise den Kugelblitz ausgelöst – in der Fachsprache "getriggert" – hat.
Was sind Kugelblitze?
Berichte und Darstellungen von Kugelblitzen gibt es seit Jahrhunderten. Dennoch konnte bis heute nicht aufgeklärt werden, unter welchen Bedingungen Kugelblitze entstehen. Verschiedene Theorien gehen davon aus, dass die meist kugelförmigen Objekte aus Plasma bestehen, einem elektrisch leitfähigen Materiezustand. Dieser Zustand ist im Weltall normal, aber auf der Erde selten; er kommt jedoch in Blitzen vor.
Schon die Bezeichnung rückt Kugelblitze in die Nähe von Blitzen. Die allermeisten Sichtungen ereignen sich bei gewittriger Atmosphäre, häufig stehen sie in Verbindung mit einem nahen Blitzeinschlag. Der Mainzer Physiker Herbert Boerner geht in seinem Buch "Der Kugelblitz" davon aus, dass starke positive Wolke-Erde-Blitze Kugelblitze auslösen können. Positive Blitze machen nur rund zehn Prozent aller Blitze aus, aber etwa die Hälfte der Triggerblitze von Kugelblitzen.
Wie genau dieses Triggern funktioniert, ist noch unbekannt. Boerner vermutet, dass freie Elektronen in der Atmosphäre elektromagnetische Impulse von Blitzen empfangen und dann einen Kugelblitz bilden. 1991 gelang es japanischen Forschern mit einer leistungsstarken Mikrowellenquelle, einen kugelblitzartigen Plasmaball in der Luft zu erzeugen. Blitze senden nachgewiesenermaßen Mikrowellenstrahlung aus.
Der Augenzeuge F. T. schilderte in diesem Fall am 21. Juni 2026 gegen 2:30 Uhr nachts einen extrem lauten Knall, der die Nachbarschaft geweckt habe – vermutlich der Blitzeinschlag: "Gleichzeitig erschien eine große, weiße Kugel an einem Busch in einem Hausgarten, 20 Meter entfernt, auf der anderen Straßenseite." Unter Verwendung eines Programms mit Künstlicher Intelligenz (KI) rekonstruierte er die Erscheinung in dem Bild, das diesen Artikel illustriert. Der Kugelblitz sei etwa zwei Sekunden lang zu sehen gewesen.
Augenzeugen eines seltenen Phänomens
Ein anderer Augenzeuge sah am 8. September 2026 gegen 23:10 Uhr in Volkertshausen (Baden-Württemberg) in Richtung einer Gewitterfront, als in etwa 100 Metern Entfernung ein Kugelblitz aufgetaucht sei, den er so beschreibt: "Hell wie eine kleine Sonne, ebenso rund und etwa medizinballgroß". Der Lichtschein sei so hell gewesen, dass ihn seine Frau durch die geschlossenen Augenlider wahrgenommen habe. Die Dauer gibt er mit weniger als einer Sekunde an.
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Eine Rentnerin war in Hellmonsödt (Oberösterreich) beim Abendspaziergang unterwegs. "Plötzlich ein greller Blitz rechts von mir und fast zeitgleich eine gelbleuchtende Kugel ein paar Zentimeter vor meiner rechten Hand, in der ich meinen Nordic-Walking-Stock hielt." So schilderte sie in ihrer ersten Meldung die Erscheinung. In einem Telefonat mit ihr erfuhr Keul, dass die Kugel etwa "faustgroß" gewesen und nach zwei bis drei Sekunden lautlos verschwunden sei.
Insgesamt aber bleiben Beobachtungen selten. Nur einer von zehntausend Menschen sieht in seinem Leben einen Kugelblitz, schreibt der Göttinger Astrophysiker Axel Wittmann im Vorwort zur 2010 erschienenen Neuauflage des Buchs "Der Kugelblitz" von Walther Brand aus dem Jahr 1923.