Was hinter Kim Jong-uns Überraschungsbesuch in China steckt
Mit einer Mercedes-Limousine kam Kim Jong-un über die gerade eröffnete Brücke über den Yalu in die Volksrepublik gefahren: Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr, ohne Vorankündigung und wenige Wochen vor dem angekündigten Besuch des amerikanischen Präsidenten in China. Es ging um Abstimmung, den betonten Schulterschlusses beider Mächte – und aus chinesischer Sicht nicht zuletzt darum, Pekings Einfluss auf Nordkorea gegenüber Russland und den USA zu behaupten.
Empfangen wurde Nordkoreas Diktator am Samstag von der Nummer vier in der chinesischen Nomenklatura, Politbüromitglied Wang Huning. Auch Außenminister Wang Yi war ins nordostchinesische Dandong gekommen, wo beide Seiten an den chinesischen Eintritt in den Koreakrieg erinnerten. Kim nahm zum ersten Mal an der staatlichen Feier im Kriegsmuseum der Stadt teil, gepriesen wurde dort der „Widerstand gegen die Aggression der USA“. Kim würdigte die chinesischen Soldaten, die Nordkorea mit Kriegseintritt am 25. Oktober 1950 gegen die amerikanisch geführten Streitkräfte der Vereinten Nationen im Koreakrieg unterstützt hatten. Er legte einen Kranz nieder. Partei- und Staatschef Xi Jinping war nicht gekommen, sandte aber herzliche Grüße.
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Kim sagte, die „bemerkenswerten Erfolge des sozialistischen Nachbarlandes sind für das koreanische Volk in seinem Kampf eine Inspiration“ – so verbreitete es Nordkoreas Staatsnachrichtenagentur KCNA am Sonntag. Jahrelang hatte Kim versucht, den chinesischen Einfluss auf sein Reich so weit wie möglich auf Abstand zu halten.
Kim erweitert seinen Handlungsspielraum
Einen Ausdruck hatte das auch im Bau der Brücke über den Yalu-Fluss gefunden, die Peking bezahlt hat, deren Eröffnung aber zwölf Jahre auf sich warten ließ, weil Nordkorea die Anbindung nicht fertig stellte. Neun Tage nach ihrer Eröffnung deklamierte Kim jetzt, die Brücke werde „ihre historische Aufgabe erfüllen, die beiden Länder miteinander zu verbinden und die Herzen der Völker beider Länder fest miteinander vereinen“. Anschließend besuchte er in Dandong eine Busfabrik des chinesischen Herstellers Huanghai, der Elektrofahrzeuge nach Nordkorea exportiert.
Chinas oft als Chefideologe bezeichnetes Politbüromitglied Wang Huning sagte, Kims Besuch habe die „mit Blut besiegelte Freundschaft“ unter Beweis gestellt und diene der „Vertiefung des gegenseitigen politischen Vertrauens“. Laut chinesischen Staatsmedien verband Wang damit die Hoffnung, dass die Brücke zur Ausweitung des Handels beitrage. China ist der mit Abstand größte Handelspartner und die wirtschaftliche Überlebensgarantie Nordkoreas.
Russland dagegen ist für Pjöngjang militärisch und sicherheitspolitisch zunehmend wichtiger geworden, seit Nordkorea Moskau Munition und Truppen für den Krieg gegen die Ukraine zur Verfügung stellt. Im September 2025 hatte sich Xi auf der Militärparade in Peking demonstrativ zwischen Kim und Wladimir Putin gezeigt.
In Dandong bekräftigte Kim nun auch das militärische Bündnis mit China. Nordkoreas Machthaber erinnerte an den Beistandsvertrag von 1961, der sich zum 65. Mal jährt und der vorsieht, dass die eine Seite der anderen militärische Unterstützung leisten muss, falls diese angegriffen werde. Kim betont damit enge Beziehungen zu beiden Mächten, die es über die Zeitläufte soweit möglich stets gegeneinander ausgespielt hat. Der Ausbau der Zusammenarbeit mit Russland und China erweitert seinen Handlungsspielraum. Vor diesem Hintergrund habe Kim auch keinen Grund, einen Dialog mit den USA zu überstürzen, heißt es in der südkoreanischen Zeitung „Chosun Ilbo“.
Zuletzt hatte Russlands Herrscher ein Dreiertreffen mit dem US-Präsidenten Donald Trump und Xi am Rande des Apec-Gipfels am 18. und 19. November im chinesischen Shenzhen ins Spiel gebracht, demgegenüber sich Trump aufgeschlossen gezeigt hatte. China schweigt dazu. Spekulationen gibt es auch darüber, ob auch Kim nach Shenzhen kommt. Trump hatte sich aufgeschlossen für ein Treffen mit Nordkoreas Diktator gezeigt, den er wiederholt als einen „Freund“ bezeichnete.