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Was ist die Lösung für den Wald der Zukunft?

Wissenschaft

Hier findet sie Ruhe: Regine Erb, freie Wander- und Waldführerin, streift durch ein Waldstück bei Neuffen am Fuß der Schwäbischen Alb (Kreis Esslingen). "Das wirkt sich auf mich einfach unheimlich beruhigend aus. Das tut mir gut", sagt sie. Ein Gefühl, das sie teilen will. Erb veranstaltet Touren durch das Gebiet. Doch mittlerweile stößt sie dabei immer häufiger auf Zeichen, dass es dem Wald nicht gut geht. "Der Wald hat sich sehr verändert. Die Trockenheit nimmt tatsächlich zu", beschreibt sie ihre Beobachtungen. Auf die Frage, was das mit ihr macht, reagiert sie nachdenklich: Da komme eine tiefe Traurigkeit auf, sagt sie - sie wolle den Wald schützen, fühle sich aber oft machtlos.

Klimawandel im Wald: Schäden und Risiken

Wie stark der Klimawandel den Wald bereits verändert hat, zeigt sich auch im Landkreis Tübingen. Bei Starzach besitzt Freiherr Burkhard von Ow-Wachendorf rund 350 Hektar Wald - und die sind seit 900 Jahren im Familienbesitz. Der Wald ist auch für ihn Sehnsuchtsort - aber auch ein Wirtschaftsfaktor.

Wenn Burkhard von Ow-Wachendorf heute mit seinem Förster durch den Wald geht, sieht er jedoch nicht Ertrag, sondern Verlust: Tote Tannen, braune Kronen, ganze Flächen, auf denen kein Grün mehr zu sehen ist. "Da hat die Trockenheit komplett zugeschlagen", sagt er beim Blick auf abgestorbene Bäume, die über 20 Jahre gepflegt wurden und dann plötzlich absterben.

Ettenheim

Schlimmste Trockenheit seit Beginn der Messungen Bäume auf Intensivstation: Deshalb wurde ein Wald bei Ettenheim verkabelt

Ein Wald bei Ettenheim ist mit 1.200 Sensoren ausgestattet. Sie zeigen wie Buchen und Douglasien unter der Hitze leiden. Warum die Ergebnisse große Sorgen machen.

Trockenschäden und Waldbrände

Solche Trockenschäden sind kein Einzelfall. Bundesweit gilt nur noch etwa jeder fünfte Baum als gesund. Das geht aus der Waldzustandserhebung des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor. Für die Holzwirtschaft ist das ein enormes Problem - und auch sicherheitstechnisch bedenklich: Vertrocknete Bäume brennen wie Zunder, Waldbrände werden wahrscheinlicher. "Ich hätte nie gedacht, dass das hier in Baden-Württemberg oder im Schwarzwald ein Thema wird", sagt von Ow-Wachendorf. Bei Temperaturen um die 40 Grad steige die Gefahr deutlich.

Forschung am Klimahotspot: Welche Baumarten überleben?

Antworten auf die Frage, welche Bäume auch beim fortschreitenden Klimawandel künftig bestehen können, suchen Forschende am Kaiserstuhl. Im Liliental, einem Versuchsgelände des Landes Baden-Württemberg, untersucht ein Team seit Jahrzehnten, welche Baumarten sich für den Wald der Zukunft eignen. Manuel Karopka, technischer Betriebsleiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg, beschreibt das Gebiet so: "Das Liliental ist für uns ein Klimahotspot. Es ist eine der wärmsten Regionen Deutschlands."

Was sich im Liliental behaupten kann, hat gute Chancen, auch anderswo im Land zu überleben. Nicht jeder Versuch ist erfolgreich. Das zeigt das Beispiel der Mammutbäume. Die Art stammt aus den Bergregionen der Sierra Nevada in Kalifornien und braucht jährliche Niederschlagsmengen von 1.100 bis 1.300 Millimetern. Am Kaiserstuhl fällt aber nicht einmal die Hälfte. "Von daher sind wir mit diesem Versuch, kann man fast sagen, krachend gescheitert, weil die einfach mit der Trockenheit hier im Kaiserstuhl nicht klarkommen", sagt Karopka.

Hoffnung für den Zukunftswald: Kirschbaum und Atlas-Zeder

An anderer Stelle gedeihen jedoch Arten, die als Zukunftshoffnung gelten. Etwa Nadelbäume, die die geschwächte Fichte teilweise ersetzen könnten, beispielsweise Atlas-Zedern aus Nordafrika. "Man sieht es den Bäumen an, die haben sich hier gut entwickelt", sagt Karopka - eine neue Erkenntnis aus dem Versuchswald. Afrikanische Zeder statt deutsche Fichte: Das könnte ein Baustein für stabilere Nadelwälder sein.

Karopkas Ansatz ist allerdings nicht, die bisherigen Arten komplett zu ersetzen. "Unsere Aufgabe ist es, diese Wälder artenreicher zu machen, andere Baumarten mit einzumischen", erklärt er. Neben der Artenvielfalt setzt sein Team auf Herkunftsvielfalt: Auch hitzebeständigere Buchen und Fichten aus Südeuropa sollen in unseren Wäldern wachsen. Ziel ist ein Mischwald, der durch Vielfalt insgesamt stabiler wird.

Wie gelingt der Umbau des Waldes?

Ist das die Lösung für den Wald in Baden-Württemberg? NABU-Landesvorsitzender Johannes Enssle zeigt sich skeptisch. Man könne zwar Baumarten finden, die besser mit Klimaveränderungen zurechtkommen, doch oft zeige sich nach Jahren, dass auch sie nicht ideal seien - etwa wegen Schädlingsbefall oder Spätfrost, erklärt er im SWR-Polittalk "Zur Sache! Baden-Württemberg". Zudem koste es "irrsinnig viel Geld", neue Bäume zu züchten und zu pflanzen. Den Wald komplett "umpflanzen" könne man nicht. Grundsätzlich unterstreicht aber auch er, dass der Wald diverser und damit klimaresistenter werden muss.

Auch Privatwaldbesitzer Burkhard Freiherr von Ow-Wachendorf hält einen umfassenden Waldumbau ohne Förderung für kaum machbar. Öffentliche Haushalte seien knapp, aber gezielte Unterstützung sei sinnvoll - nicht nur für Neupflanzungen, sondern vor allem für Pflege. "Nur ein gepflegter Wald bringt einen klimastabilen Wald", sagt er.

Staatssekretärin Sarah Schweizer verweist auf Förderinstrumente des Landes: nachhaltige Waldbewirtschaftung, Waldstrategie und Waldbrandmanagement. Der Klimawandel schreite so schnell voran, dass der Wald "auf natürlichem Wege gar nicht die Chance hat, da so schnell nachzukommen" - deshalb brauche es Unterstützung, auch mit bisher nicht heimischen Arten. Zugleich ist die Eigentumsstruktur komplex: Rund 40 Prozent des Waldes gehören etwa 260.000 Privatpersonen, die ihren Wald unterschiedlich bewirtschaften. Im Staatswald werde bereits aktiv umgebaut.

Waldbaden als Alltagsausgleich: "Da tut der Wald unheimlich gut"

Während Politik, Wissenschaft und Waldbesitzer nach Lösungen suchen, erlebt Regine Erb vor allem, wie sehr Menschen den Wald brauchen, was sie auch bei ihren Wanderungen und Kursen mit Gleichgesinnten immer wieder hört. "Da ist ja alles höher, schneller, weiter", sagt sie mit Blick auf den Alltag vieler Menschen.

Deshalb ist es ihr ein Anliegen, dass dieses Stück Natur auch in Zukunft so erhalten bleibt, wie sie es schätzt.

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