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Telekom erhöht Preise für „Schläfer“: 1,3 Millionen Kunden müssen einem neuen Tarif zustimmen

Von: Sven Trautwein

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Die Telekom stellt bis Ende 2028 alte Festnetzanschlüsse um. Betroffene Kunden sollen einem neuen Funk-Tarif zustimmen – für manche wird es deutlich teurer.

München – Ein Festnetzanschluss kann auch dann noch wichtig sein, wenn ein Haushalt bewusst auf einen Internetanschluss verzichtet. Für diese Nutzer geht es bei einer Tarifumstellung nicht um zusätzliche Datenoptionen, sondern um die Frage, wie das Telefon künftig technisch angeschlossen wird.

Bei der Telekom steht eine solche Umstellung an: Der Konzern will alte Kupfertechnik bis Ende 2028 abschalten. Rund 1,3 Millionen Kunden mit einem reinen Telefonanschluss sollen auf einen neuen Tarif wechseln. Die Betroffenen müssen dafür einem neuen Angebot zustimmen. Konkret geht es um sogenannte „MSAN-POTS“-Anschlüsse, die einst als Übergangslösung bei der Umstellung auf IP-Technik eingerichtet wurden.

Preiserhöhung bei der Telekom: Welche Kunden betroffen sind

Betroffen sind Menschen, die über ihren Telekom-Anschluss nur telefonieren und kein Internet nutzen. In der Branche werden sie als „Schläfer“ bezeichnet. Ihre Anschlüsse laufen noch über reine Kupferleitungen bis zur Vermittlungsstelle.

Die Telekom begründet den Schritt mit dem Zustand der alten Infrastruktur. „Bis Ende 2028 wollen wir die alte Technik aus unserem System entfernen, weil sie störanfällig und nur noch sehr teuer instandzuhalten ist“, sagte Telekom-Sprecher Niels Hafenrichter laut Business Insider. Die alten Anschlüsse waren demnach als technische Übergangslösung eingerichtet worden, während das Netz auf Internet-Technologie umgestellt wurde.

Neue Telekom-Tarife funktionieren über LTE

Als Ersatz bietet die Telekom Funk-Tarife an. Die dafür vorgesehenen Telefonboxen mit dem Namen „Call Connect via Funk“ arbeiten laut Business Insider ausschließlich mit LTE. Die Box wird einfach in die Steckdose gesteckt; eine SIM-Karte ist bereits vorinstalliert. Das vorhandene Telefon kann über eine TAE-Buchse direkt an das Gerät angeschlossen werden.

Für einen Tarif mit 120 Freiminuten nennt Business Insider einen monatlichen Preis von knapp 23 Euro. Eine Flatrate ins deutsche Festnetz soll demnach 32,45 Euro im Monat kosten. Für die Telefonbox fallen zusätzlich knapp vier Euro monatlich bei Miete oder knapp 100 Euro beim Kauf an.

Einen entscheidenden Vorteil bietet die Telekom-Lösung gegenüber Konkurrenzprodukten wie denen von Vodafone: Bei ausgehenden Anrufen wird die bisherige Festnetznummer weiterhin mitgesendet und angezeigt.

Experten raten zu günstigeren Alternativen

Vergleichbare Mobilfunktarife mit einer Flatrate in alle Netze seien am Markt bereits ab fünf Euro monatlich erhältlich, berichtet Business Insider. Nach der dort genannten Vergleichsrechnung zahlen betroffene Telekom-Kunden künftig rund 200 Euro pro Jahr mehr als bei einer solchen Alternative.

Das Vergleichsportal Verivox bewertet das Box-Angebot der Telekom daher als „nicht marktgerecht“. Wer Kosten sparen möchte, kann stattdessen zu einem einfachen Tasten-Handy oder einem speziellen „Mobilfunk-Tischtelefon“ greifen. Diese Geräte sehen aus wie klassische Festnetztelefone, werden aber mit einer SIM-Karte betrieben und sind ab etwa 70 Euro erhältlich. Wichtig: Da bis 2028 auch der alte 2G-Standard abgeschaltet wird, müssen Neugeräte zwingend 4G (LTE) oder 5G unterstützen.

Allerdings stellt die Telekom die Kosten anders dar. Sprecher Hafenrichter sagte laut Business Insider: „Die Höhe der neuen Tarife ist in etwa vergleichbar mit den Tarifen, die diese Kunden bisher bezahlt haben.“ Die Umstellung bedeutet daher nicht automatisch für jeden Kunden dieselbe prozentuale Preiserhöhung. Teurer kann der Wechsel vor allem im Vergleich zu anderen Angeboten werden. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert unterdessen, dass solche Umstellungen grundsätzlich nicht zu höheren Preisen für die Verbraucher führen dürfen.

Was passiert, wenn LTE nicht verfügbar ist?

Nicht überall reicht der LTE-Empfang für die neue Telefonlösung aus. Kunden, bei denen das der Fall ist, müssen laut Business Insider auf DSL oder Glasfaser ausweichen.

Als Beispiel nennt der Bericht den kleinsten DSL-Tarif MagentaZuhause S. Er kostet demnach 38,95 Euro im Monat. Für den Router kommen weitere 7,95 Euro monatlich hinzu. Insgesamt ergibt das laut Business Insider rund 560 Euro im Jahr. Bei einem Glasfaseranschluss steigen die jährlichen Kosten dem Bericht zufolge auf knapp 650 Euro. Für diese Kunden könne sich der bisherige Preis damit ungefähr verdoppeln.

Telekom will Kunden mehrfach informieren

Die Telekom plant, die betroffenen Kunden mehrmals anzuschreiben. Wer nicht reagiert, soll zusätzlich telefonisch kontaktiert werden. Ausnahmen von der Umstellung seien nicht vorgesehen.

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Besonders wichtig ist die technische Prüfung bei Notrufsystemen. Einige ältere Kunden verwenden Geräte, die im Notfall automatisch den Rettungsdienst alarmieren. Laut Telekom-Sprecher Hafenrichter muss vor dem Wechsel geklärt werden, ob diese Systeme mit der neuen Lösung kompatibel sind. Auch bei sehr alten Telefonen ist Vorsicht geboten: Reine Wählscheibentelefone werden von der neuen Funk-Box laut Expertenberichten nicht unterstützt.

Wer ein Schreiben der Telekom erhält, sollte deshalb zunächst prüfen, welcher Anschluss betroffen ist, welche monatlichen Kosten für den Ersatz anfallen und ob vorhandene Notruf- oder Zusatzgeräte weiter funktionieren. Reagiert ein Kunde nicht, kann die Telekom den Anschluss nach den Angaben von Business Insider im schlimmsten Fall kündigen. Hafenrichter sagte dazu: „Im schlimmsten Fall müssen wir dann irgendwann den Anschluss kündigen.“ (Quellen: Verbraucherzentrale, Verivox, Business Insider, eigene Recherche) (str)

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