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Was kann der MC-21 leisten?

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Russlands gestohlene Flotte verfällt – kann der MC-21 Putins Luftfahrt retten?

Von: Nils Thomas Hinsberger

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Russlands zivile Luftfahrt steht heftig unter Druck. Eigene Maschinen „made in Russia“ sollen das beheben. Doch Experten hegen erhebliche Zweifel.

Moskau – Russlands Krieg gegen die Ukraine hinterlässt immer deutlichere Spuren. Nach vier Jahren der Kampfhandlungen bekommt die russische Bevölkerung die Auswirkungen mit aller Deutlichkeit zu spüren. Nicht nur, dass ukrainische Drohnen immer weiter ins russische Kernland vordringen und mittlerweile Ziele nahe Moskau angreifen – auch steigende Lebensmittelpreise oder Unterbrechungen des öffentlichen Internets gehören mittlerweile zum Alltag.

Vieles davon hängt damit zusammen, dass die russische Wirtschaft massiv unter den Folgen des Krieges leidet. Zentrale Bereiche, wie der Export fossiler Brennstoffe oder von Getreideprodukten, brechen mittlerweile ein. Und auch die zivile Luftfahrt meldet immer größere Probleme. Denn Russland setzt auf westliche Flugzeugmodelle. Deren Ersatzteile gelangen wegen westlicher Sanktionen aber kaum noch in das Kriegsland. Jetzt sucht Moskau nach Ersatz für die zerfallende Flotte.

Putins Ukraine-Krieg wird zum Problem für die Luftfahrt – neues Flugzeug soll es richten

Der Hoffnungsträger für die zivile russische Luftfahrt heißt MC-21 und soll komplett in Russland gefertigt werden. Anfang August hob die Maschine, russischen Medienberichten zufolge, zum ersten Mal ab. Laut dem russischen Fachmedium ATO.ru habe sich das Flugzeug rund eine Stunde und 23 Minuten in der Luft gehalten und eine Reisegeschwindigkeit von 600 km/h sowie eine Flughöhe von 6000 Metern erreicht.

Die Erfolgsmeldungen aus Russland werden angesichts des Bedarfs jedoch geschmälert. Laut der Fachzeitschrift Flug Revue liegt die maximale Flugstrecke der MC21 bei 3800 Kilometern – knapp unter den angepeilten 4000 Kilometern. Der Test sei mit einem Gewicht, das dem von rund 175 Fluggästen entspreche, durchgeführt worden. Das habe die Vereinigten Flugzeugwerke Russlands (UAC) gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Tass offengelegt. Mit der Streckenleistung seien 80 bis 90 Prozent des russischen Streckennetzwerkes abgedeckt.

Zur Wahrheit gehört aber auch die lange Entwicklungszeit der Maschine. Wie die Moscow Times berichtet, habe es rund 21 Jahre gedauert, bis Präsident Putin im Juli zum ersten Mal das vollständig in Russland gefertigte Flugzeug begutachten konnte. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hatte sich die Entwicklung erneut verzögert, weil westliche Komponenten für den Bau durch Alternativen ersetzt werden mussten. Doch es gibt noch einen großen Haken.

Zivile Luftfahrt in Russland – scheitert es an der Zahl der Flugzeuge?

Denn Experten hegen erhebliche Zweifel daran, dass Russland überhaupt in der Lage sein wird, unter den aktuellen Umständen ausreichend Flugzeuge herzustellen. „Die Produktion der MC-21 wird begrenzt sein“, sagte Kirill Zhirikhin, ein ehemaliger Mitarbeiter des russischen Zentralen Aerohydrodynamischen Instituts (ZAGI), der Moscow Times. Das ZAGI hatte an den Tests des MC21 mitgewirkt. „Unter den Bedingungen eines russischen Kriegszustands ist dies nicht umsetzbar. Die angekündigten Ziele würden ideale Bedingungen erfordern“, so Zhirikhin.

Hinzu kommt, dass die MC21 noch gar keine Zulassung durch die russische Luftfahrtbehörde habe, so Flug Revue. Dennoch habe man bereits mit der Fertigung mehrerer Maschinen begonnen. 18 Stück seien bereits im Bau und die Fertigung weiterer Modelle habe bereits begonnen. Eine Zulassung werde in der zweiten Jahreshälfte 2027 erwartet, schreibt Flug Revue.

Fehler häufen sich – Notladung zeigte Ausmaß der Schäden in Russlands ziviler Luftfahrt

Dass es überhaupt ein eigenes russisches Flugzeugmodell braucht, ist auf die teils marode Flotte der zivilen russischen Luftfahrt zurückzuführen. Die Putin-Regierung hatte laut Euractiv mehr als 400 Flugzeuge von westlichen Anbietern geleast. Nach Beginn des Ukraine-Krieges kam das Land auf Befehl Putins einer Rückforderung der Maschinen nicht nach. Faktisch hat das Land also hunderte westliche Maschinen gestohlen.

Wegen mangelnder Reparaturfähigkeiten kommt es aber immer wieder zu technischen Mängeln und Ausfällen. Dass das auch erhebliche Gefahren bergen kann, zeigte eine Notlandung eines Airbus A320 aufgrund einer defekten Hydraulik. Der Vorfall ereignete sich bereits im Jahr 2023. Weil die Maschine ihr Fahrwerk nicht mehr einfahren konnte, erhöhte sich durch den Luftwiderstand der Treibstoffverbrauch. Das hatte zur Folge, dass das Flugzeug auf einem Weizenfeld vor dem Ziel notlanden musste.

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