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Was passiert, wenn der Yellowstone-Supervulkan ausbricht – verheerende Folgen für die Welt
Von: Bjarne Kommnick
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Weltweiter Temperatursturz, meterhoher Ascheregen: Vulkanologen haben modelliert, welche verheerenden Folgen ein Ausbruch des Yellowstone-Supervulkans hätte.
Unter den idyllischen Geysiren, bunten Thermalquellen und dichten Nadelwäldern des Yellowstone-Nationalparks im US-Bundesstaat Wyoming schlummert eine der gewaltigsten Naturgewalten unseres Planeten: eine gigantische Magmakammer. Doch was würde eigentlich geschehen, wenn der Supervulkan heute plötzlich explodieren würde?
In einer detaillierten wissenschaftlichen Modellierung für das Fachportal The Conversation haben die Katastrophenforscher Prof. Ilan Kelman und Matthew Blackett den genauen Ablauf einer hypothetischen Supereruption der Maximalstufe VEI 8 (Vulkanexplosivitätsindex) rekonstruiert.
1. Die Vorwarnphase: Wochenlange seismische Vorboten
Ein Mega-Ausbruch würde die Menschheit nicht aus heiterem Himmel treffen. Bereits Wochen bis Monate vor der eigentlichen Eruption würde das Erdinnere unmissverständliche Signale senden: Tausende wandernde Erdbebenschwärme würden die Region erschüttern, der Parkboden würde sich durch aufsteigendes Magma um mehrere Meter heben.
Gleichzeitig würden Geysire ihr Verhalten drastisch verändern und giftige Gase in Rekordmengen aus dem Boden strömen. Der Geologische Dienst der USA (USGS) und das Yellowstone Volcano Observatory würden die höchste Warnstufe ausrufen, den Luftraum sperren und eine Evakuierung im Umkreis von hunderten Kilometern anordnen.
2. Die Mega-Eruption: Aschepilz in 50 Kilometern Höhe
Durchbricht das überhitzte, gasreiche Magma schließlich die Erdkruste, entlädt sich eine unvorstellbare Energie. Eine gigantische Eruptionssäule aus glühender Asche, Gesteinsbrocken und Gasen schießt 30 bis 50 Kilometer hoch bis in die Stratosphäre. Im direkten Umkreis rasen bis zu 1000 Grad heiße pyroklastische Dichteströme mit mehreren hundert Kilometern pro Stunde über die Landschaft. Alles Leben und jegliche Infrastruktur im Umkreis von über 100 Kilometern werden in Minuten vollständig ausgelöscht.
3. Kontinentaler Kollaps: Dunkelheit über Nordamerika
Vom Wind getrieben, breitet sich eine gigantische Aschewolke über den gesamten nordamerikanischen Kontinent aus:
Infrastruktur-Zusammenbruch: Das enorme Gewicht der nassen Asche bringt in mindestens acht US-Bundesstaaten hunderttausende Hausdächer zum Einsturz.
Blackouts & Wassermangel: Kraftwerke und Überlandleitungen fallen durch Kurzschlüsse aus, offene Trinkwasserreservoirs werden mit giftiger Asche kontaminiert.
Stillstand: Der gesamte Flug-, Bahn- und Straßenverkehr im Zentrum der USA bricht für Monate vollständig zusammen, die Landwirtschaft in den fruchtbarsten Gebieten der USA wird vernichtet.
4. Weltweiter „Vulkanischer Winter“ und Ernährungskrise
Die verheerendsten Folgen treffen jedoch den gesamten Globus. Millionen Tonnen Schwefeldioxid verbinden sich in der oberen Atmosphäre zu mikroskopischen Sulfataerosolen, die das Sonnenlicht wie ein gigantischer Spiegel zurück ins All reflektieren.
Die Folge ist ein weltweiter „vulkanischer Winter“: Die globalen Durchschnittstemperaturen stürzen um mehrere Grad ab, weltweite Regenfälle verändern sich dramatisch. Auf allen Kontinenten kommt es zu verheerenden Ernteausfällen und einer beispiellosen globalen Ernährungskrise. Über Jahre hinweg belasten feine Aschepartikel in der Luft die Atemwege von Milliarden Menschen. Um das Überleben zu sichern, müsste die weltweite Nahrungsmittelproduktion radikal auf künstlich beleuchtete Indoor- und Gewächshauswirtschaft umgestellt werden.
Wissenschaftliche Einordnung: Wie real ist die Gefahr?
So apokalyptisch das Szenario klingt: Die Forscher betonen ausdrücklich, dass es sich um ein theoretisches Worst-Case-Modell handelt – nicht um eine akute Prognose. Der Yellowstone-Vulkan wird vom USGS rund um die Uhr mit den modernsten seismischen Netzen der Welt überwacht. Die aktuelle Warnstufe steht unverändert auf Grün („Normal“). Bei einem Supervulkan in Italien sieht es derzeit ein wenig kritischer aus.