Was passiert, wenn Donald Trump die Wahl verliert?
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Vier Szenarien, wie Donald Trump auf eine Midterms-Niederlage reagiert
Von: Daniel Dillmann
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Was passiert, wenn die Republikaner die Midterms 2026 verlieren und Donald Trump das Ergebnis leugnet? Eine Analyse über Protagonisten, Gesetze und Szenarien.
Washington D.C. – Die Midterms 2026 in den USA stehen an. Aktuelle Umfragen zu den Zwischenwahlen prophezeien eine Niederlage der Republikaner. Der Partei von US-Präsident Donald Trump droht der Verlust ihrer Mehrheiten im US-Repräsentantenhaus und im US-Senat, den beiden Kammern des US-Kongresses. Doch was passiert, wenn die Republikaner bei den US-Midterms 2026 ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus tatsächlich verlieren, Donald Trump das Wahlergebnis allerdings nicht anerkennen will? Kann das Weiße Haus oder der amtierende Parlamentspräsident Mike Johnson die Zertifizierung der Kongresswahlen blockieren?
Vor dem Überblick, ein Rückblick: Der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 und die Versuche, den damaligen Vizepräsidenten Mike Pence zur Verweigerung der Bestätigung von Joe Bidens Wahlsieg zu drängen, haben sich tief in das Gedächtnis der US-Politik eingebrannt. Doch ein Blick in die US-Verfassung zeigt: Bei den Kongresswahlen (Midterms) greifen vollkommen andere institutionelle Mechanismen als bei einer Präsidentschaftswahl.
Der fundamentale Unterschied: Midterms vs. Präsidentschaftswahl
Zwischen der Wahl des US-Präsidenten und den Wahlen zum Kongress besteht ein grundlegender Unterschied bei der formellen Bestätigung der Ergebnisse:
Während bei der Präsidentschaftswahl die Wahlmännerstimmen des Electoral College in einer gemeinsamen Sitzung beider Parlamentskammern nach den Vorgaben des Electoral Count Reform Act ausgezählt werden, existiert für die Kongresswahlen kein bundesweiter Zertifizierungsakt. Die Entscheidung liegt vollständig bei den Bundesstaaten.
Während bei der Präsidentschaftswahl die Wahlmännerstimmen des Electoral College in einer gemeinsamen Sitzung beider Parlamentskammern nach den Vorgaben des Electoral Count Reform Act ausgezählt werden, existiert für die Kongresswahlen kein bundesweiter Zertifizierungsakt. Die Entscheidung liegt vollständig bei den Bundesstaaten.
Lokale Prüfung: Wahlausschüsse der Bezirke (County Boards of Canvassers) erfassen, prüfen und zählen die Stimmen.
Staatliche Bestätigung: Die Wahlleitungen der Bundesstaaten (State Canvassing Board bzw. Secretary of State) beglaubigen das Gesamtergebnis.
Ausstellung des Zertifikats: Die Exekutive des Bundesstaates (in der Regel der Gouverneur) stellt für jede gewählte Person ein offizielles Wahlzertifikat (Certificate of Election) aus und sendet dieses nach Washington.
Mythos Speaker-Macht: Warum Mike Johnson die Vereidigung nicht stoppen kann
Könnte Donald Trump seinen Einfluss in der republikanischen Partei nutzen, um die Vereidigung des neuen US-Kongresses zu verhindern? Genau das hatte der damals abgewählte US-Präsident am 6. Januar 2021 versucht, als er von seinem Vizepräsidenten, Mike Pence, verlangte, die Zertifizierung des Ergebnisses zu blockieren. Bei einer Präsidentschaftswahl ist es nämlich der Vorsitzende des US-Senats und damit der Vizepräsident, der die entsprechende Sitzung leitet. Dabei handelt es sich eigentlich nur um einen symbolischen Akt, bei welchem dem Vizepräsidenten nur zeremonielle Aufgaben zukommen. Dieser Ablauf bot Trump aber einen Ansatzpunkt, den der damalige Präsident nutzte – wenn auch erfolglos.
Könnte Trump nach den Midterms Druck auf den amtierenden republikanischen Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, ausüben, um die Vereidigung neugewählter demokratischer Abgeordneter zu verhindern? Die Verfassung setzt hier unüberwindbare Schranken:
Automatisches Ende der Amtszeit: Gemäß dem 20. Verfassungszusatz endet die Amtszeit des alten Kongresses am 3. Januar um Punkt 12:00 Uhr. In genau dieser Sekunde erlischt auch das Amt des Speakers automatisch.
Leitung durch den neutralen Clerk: Vor der Wahl eines neuen Sprechers leitet der unparteiische Verwaltungschef der Kammer, der Clerk of the House, die Eröffnungssitzung (2 U.S.C. § 26). Der Clerk führt die offizielle Namensliste (Roll of Representatives-elect) strikt anhand der von den Bundesstaaten eingereichten Wahlzertifikate.
Schranken durch den Supreme Court: Im Grundsatzurteil Powell v. McCormack (1969) stellte das Oberste Gericht klar, dass das Repräsentantenhaus ordnungsgemäß gewählte Kandidatinnen und Kandidaten, die die verfassungsmäßigen Kriterien (Mindestalter 25 Jahre, 7 Jahre US-Staatsbürgerschaft, Wohnsitz im Bundesstaat) erfüllen, nicht per Mehrheitsbeschluss von der Vereidigung ausschließen darf (exclusion). Ein Ausschluss nach der Vereidigung (expulsion) erfordert nach Art. I, Sec. 5 eine Zweidrittelmehrheit.
Johnsons Rolle: Juristischer Stratege mit Vorbehalt
Der Abgeordnete Mike Johnson gilt als enger Verbündeter von Donald Trump. Nach der Wahl 2020 organisierte er einen Schriftsatz von über 125 republikanischen Abgeordneten an den Supreme Court, um Wahlergebnisse in vier Bundesstaaten anzufechten, und sprach von einer „zeitkritischen Anfrage von Präsident Trump“. Am 6. Januar 2021 stimmte er gegen die Zertifizierung der Ergebnisse für Joe Biden.
Auch vor künftigen Wahlen vermied Johnson ein bedingungsloses Bekenntnis. In Interviews kündigte Mike Johnson zur Wahlanerkennung an: „Wenn wir eine freie, faire und sichere Wahl haben, werden wir uns an die Verfassung halten.“ Bei seiner Wiederwahl als Sprecher im US-Repräsentantenhaus Anfang 2025 sicherte ihm erst die persönliche Intervention Trumps die entscheidenden Stimmen.
Reale Hebel: Welche Szenarien für Trumps Lager bleiben
Auch wenn es keinen zentralen „Pence-Moment“ geben kann, verbleiben dem Lager um Donald Trump reale Hebel, um den Ausgang der Midterms juristisch und politisch zu bekämpfen:
Druck auf lokale Wahlausschüsse: Versuche konservativer County Boards, Ergebnisse nicht zu zertifizieren. Da die Bestätigung jedoch eine rein administrative Pflichtaufgabe (ministerial duty) ist, können Gerichte sie per Eilentscheid (writ of mandamus) erzwingen.
Interventionen des Justizministeriums (DOJ): Die Regierung könnte Untersuchungen wegen angeblicher Registrierung nicht-wahlberechtigter Personen einleiten, um Ergebnisse in umkämpften Bezirken juristisch anzufechten.
Anfechtung im Parlament (FCEA): Nach dem Federal Contested Elections Act können unterlegene Kandidaten binnen 30 Tagen nach staatlicher Bestätigung Einspruch einlegen. Das Committee on House Administration kann bei extrem knappen Sitzen Untersuchungen anordnen.
Rhetorische Delegitimierung: Das vorzeitige Ausrufen des Sieges und Betrugsvorwürfe am Wahlabend können den Start einer neuen demokratischen Mehrheit politisch belasten.